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Testbericht

Stefan Grundhoff, 14. Dezember 2015
Die Autohersteller werden immer einfallsreicher, wenn es um die Werbung für ihre eigenen Produkte geht. Der eine Hersteller bietet Chalets in den Alpen, andere Tapezieren ganze Felder oder fliegen auf den Marken-Mond.

Als ob die anderen Sportarten nicht schon werbeverseucht genug wären. Für die meisten Skisportler scheint die Werbung auf Helm, Skiern, Schuhen, Pulli und Mütze wichtiger zu sein, als der Ausgang des Rennens selbst. Nahrungsergänzungen, Urlaubsziele, Herrenausstatter, Kopfschmerztabletten, Schokolade oder Sonnenbrillen - kaum ein Bereich findet sich nicht auf den zugekleisterten Sportlerkörpern wieder. Die Autohersteller lassen es in diesem Umfeld zumeist noch etwas imposanter angehen. Im alpinen Weltcup setzen viele Nationalmannschaften auf die allradgetriebenen Quattro-Modelle von Audi. Wenn mehr Platz benötigt wird, kommt ein VW Transporter mit Allradantrieb und opulenten Werbeaufdrucken gerade Recht. Gegenspieler BMW ist insbesondere im Biathlon aktiv und stellt seine Produkte wirksam neben Schießscheiben und Starthäuschen, so dass die Sportler nahezu zu werbefinanzierten Marionetten verkommen.

Gerade die stimmungsvolle Winterzeit haben viele Hersteller für ihre imageträchtigen Werbemaßnahmen auserkoren. Dabei ist es mit sportlichen Großveranstaltungen an sich längst nicht mehr getan. Viele Fünf-Sterne-Hotels haben mittlerweile Kooperationen mit dem ein oder anderen Autohersteller der Premium- oder Luxusliga. Und wenn man in einer Mercedes G-Klasse, einem Audi Q7 oder einem Porsche Cayenne am winterlich verschneiten Flughafen abgeholt wird oder das Hotel nur allzu gerne eine morgendliche Spritztour mit 4x4-Technik anbietet, macht der Urlaub ohne Parallelschwung und Saunaentspannung noch einmal so viel Spaß.

Wie man das Ganze noch etwas schicker präsentieren kann, zeigt die Luxusfirma Bentley. Die umtriebigen Briten, die zum Anfang des Jahres das neue SUV-Prunkstück Bentayga auf den Markt bringen, haben im elitären Tiroler Skiort Kitzbühel ein Haus zum Bentley-Mekka gemacht. Die Bentley Lodge Kitzbühel im Herzen der Stadt ist mit Einrichtungsgegenständen versehen, die man auch aus Modellen wie Mulsanne, Continental oder Flying Spur kennt. "Die Einrichtung jedes unserer Autos ist mit den feinsten Lederarten, Hölzern und weichen Teppichen ausgestattet", sagt Regional-Direktor Robert Engstler, "all diese Materialien können unser Kunden aus erster Hand auch in unserer Bentley Lodge in Kitzbühel erkunden." Die heutige Lodge wurde im Bentley-Gründungsjahr 1919 erbaut und diente ehemals den lokalen Förstern als karge Herberge. In Kooperation mit dem lokalen Hotelier Richard Hauser lässt sich die Bentley Lodge mit ihren vier Zimmern für Partys und Anlässe jeder Art buchen - Skispaß inbegriffen.

In einer ähnlichen Richtung ist der Daimler-Konzern unterwegs. In Kooperation mit der Frasers Hospitality Group, einem internationalen Anbieter von Luxus-Appartements, stieg Mercedes in den Markt der Premium-Business-Appartements ein. Unter "Mercedes-Benz Living @ Fraser" können in einem Pilotprojekt seit Herbst sechs Appartements in London gebucht werden, die von der Mercedes Style-Abteilung gestaltet wurden. Anfang nächsten Jahres folgen weitere neun in Singapur. Ebenso wie bei Bentley in Kitzbühel soll hierdurch der Mercedes-typische moderne Luxus soll in einer neuen Dimension erlebbar werden. Abgeleitet vom Interieur-Design der aktuellen Fahrzeuge haben die Designer die Inneneinrichtung der 50 bis 100 Quadratmeter großen Wohnungen zusammen mit Experten für Hospitality-Interieur entworfen. Die Innenarchitektur folgt konsequent der Mercedes-Benz Designphilosophie der sinnlichen Klarheit. Gemeinsam mit den Partnern Burmester und Swarovski sind individuelle Einrichtungskonzepte mit dem für Mercedes typischen Komfort und der gewohnt hohen Material- und Verarbeitungsqualität entstanden. "Immer mehr Menschen sind permanent unterwegs. Sie leben und arbeiten in fremden Städten und suchen dort ein Gefühl von Zuhause und Geborgenheit", so Wilfried Steffen, Leiter der Mercedes-Abteilung Business Innovation.

Audi bietet im edlen Verbier eine umfangreiche Kooperation mit dem betont jungen W-Hotel an, während der alpine Skiweltcup von Ende Oktober bis in den März hinein sich bisweilen als Ingolstädter Stadtmeisterschaften präsentieren. Audi bietet zum Beispiel zahlreiche winterliche Roadtrips zu den schönsten Zielen der Schweiz an. Und wenn die Berge oder Welt nicht mehr reichen, dann darf es gerne zwei Nummern größer sein. Der ausgeschiedene Audi-Marketingvorstand Luca de Meo präsentierte im Sommer auf den Cannes Innovation Days im Rahmen des Festivals an der Cote d' Azur einen Audi-Trip zum Mond. Gemeinsam mit der Agentur Thjnk überstützen die Ingolstädter das deutsche Bewerberteam zum Google Lunar X-Prize, wobei ein kleines Fahrzeug auf den Mond transportiert werden soll, der dort mindestens 500 Meter fährt und Bilder zur Erde schickt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass ein solches Fahrzeug in den nächsten zwei Jahren auf dem Mond mit Quattro-Allradantrieb und vier Ringen unterwegs sein könnte. Vorsprung durch Technik einmal anders.

Bevor es in die Luft geht, konnte sich Mini in diesem Herbst effektvoll in Szene setzen. Mitte Oktober bot Mini Reisenden am Münchner Flughafen an, mit einem blauen Mini-Fünftürer direkt vom Gate zur Maschine gefahren zu werden. Eigene Markenpromoter sprachen Lufthansa Passagiere gezielt an ausgewählten Gates im Terminal 2 des Flughafens München an, ob sie im Mini statt im Bus zum Flugzeug gefahren werden wollen. Die Gefahrenen durften zudem als Erste boarden. Selbst wenn es nicht zum Mond ging mehr als eine Versuchung - mit oder ohne Schnee.
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Quelle: Autoplenum, 2015-12-14

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