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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 1. Februar 2016
Manche Autofahrer gönnen sich das Vergnügen eines Fahrertrainings. Die besonders Mutigen wagen sich auf den Gletscher in Sölden. Dort wo die Luft dünn und das Eis glatt ist, liegen die Nerven bei den Driftschülern oft blank. Als Instruktor muss nicht nur Autofahren lehren können, sondern braucht auch soziale Kompetenz.

"Gegenlenken und dann mit einem leichten Gaststoß das Auto wieder ausrichten", sanft, einschmeichelnd beruhigend knarzt Florian Wimmers Stimme über die Lautsprecheranlage des BMW M4 Coupé. Wer dieses in 431-PS-Biest auf Schnee und Eis auf dem Rettenbach-Gletscher in Sölden auf 3.000 Meter sicher und dynamisch bewegen will, muss genau wissen, zu welchem Zeitpunkt er wohin lenkt und wann er auf das Gas steigt.

Seit 25 Jahren schickt BMW abenteuerlustige und lernwillige Autofahrer in die pittoreske Landschaft der Ötztaler Alpen. Für die Teilnehmer sind diese Kurse Spaß pur. Nicht jeden Tag bewegt man Autos im Grenzbereich und bekommt obendrein noch Tipps, wie man eine solche Situation beherrscht. Für die Instruktoren ist das alles andere als einfach: "Es gibt in jeder Gruppe einen, der übermütig ist und ein bisschen über das Ziel hinausschießt" erzählt Michael Rebhan, der ebenfalls eine Gruppe von Autofahrern betreut. Der 29jährige fährt selber Rennen und betreut hauptberuflich die ADAC-Masters-Rennserie. "Man muss den Kunden klar machen, dass man kompetent ist, sie immer im Blick hat und ihnen, wenn nötig, freundlich aber bestimmt Grenzen aufzeigen", öffnet er die psychologische Trickkiste.

Das ist sicher nicht immer ganz einfach. Denn so eine weißblaue Querdynamik-Fahrschule ist nicht ganz billig. So ein Training kann auch mal locker knapp 3.000 Euro kosten. Da erwarten die Teilnehmer natürlich einiges. "Nicht jeder ist zum Instruktor geeignet", sagt Karl-Heinz Müller, der die Winter-Trainings leitet. Gut Auto zu fahren, reicht nicht. "Man muss sozial kompetent sein und Inhalte verständlich vermitteln können", so Müller weiter. Eine Kernkompetenz ist, auch beim Letzten in der Autoschlange, die dem Führungsfahrzeug folgt, die Fehler zu erkennen und zu berichtigen. Einer, der das kann, ist Florian Wimmer. Der Ingenieur und tüftelt bei BMW an zentralen Steuergeräten. "Mir macht diese Arbeit so viel Spaß, dass ich auch meine Freizeit dafür opfere", erzählt der 33jährige, der seit vier Jahren mit dem Funkgerät in der Hand Fahrtipps gibt.

Dementsprechend groß ist der Andrang bei der BMW "Instructor Academy". Doch nicht jeder bekommt den Ritterschlag. Rund zwei Drittel der Bewerber schaffen die Ausbildung nicht. Schließlich bilden die Absolventen auch Fahrer von Sicherheitsfirmen, Ingenieure, die die BMW-Prototypen testen und die Chauffeure der Top-Manager, aus. Um die Weihen des Instruktors zu erhalten, muss der Bewerber verschiedene "Führerscheine" erwerben. Die Spanne reicht von intensiven Fahrsicherheitstrainings, die drei Wochen dauern, bis hin zu Rennstrecken-Kursen, die in der berüchtigten Nordschleife ihren Höhepunkt finden. Flankiert wird das Ganze durch die Schulung der Sozialkompetenz.

Das letzte Wort, ob ein Teilnehmer einen der begehrten Jobs bekommt, hat die Leiterin der "Instructor Academy" und erfolgreiche Rennfahrerin Claudia Hürtgen. Das entspricht der Tradition: Zu den Instruktoren, die vor mehr als 30 Jahren die Fahrertrainings durchführten, gehörten Fahrer, wie der Formel-1-Pilot Marc Surer oder der finnische Rallye-Professor Rauno Aaltonen. Mittlerweile sind es fast 100 Instruktoren, die den Leuten das Zusammenspiel zwischen Lenkrad Gas und Bremse beibringen. Rund 5.000 Trainings finden jedes Jahr rings um den Globus statt.

Allerdings machen die Lehrer des heiligen Querdrifts-Grals auch eine beunruhigende Tendenz aus. "Durch die vielen Assistenzsysteme gehen oft die Reflexe verloren", sinniert Karl-Heinz Müller. Auch die nachlassende Affinität zum Auto verändert die Arbeit der Instruktoren. Manche Teilnehmer müssen sich die Grundlagen erst noch erarbeiten. Spätestens, wenn der BMW 3er (E 21) aus den 1980er Jahren ohne ESP oder sonstige Spielereien zum Schneewalzer bittet, lernen die Fahrschüler wieder beherzt ins Lenkrad zu greifen.
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Quelle: Autoplenum, 2016-02-01

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