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Testbericht

Marcel Sommer, 21. April 2016
Mit dem TrapTap bringen sechs Kanadier den wohl einfachsten Radar-Warner der Welt auf den Markt.

Was passiert, wenn ein halbes Dutzend Kanadier bei ein paar Bier über den Sinn des Lebens philosophiert? Richtig: Die Idee zum wohl simpelste Radar-Warner der Welt wird geboren. Und was, wenn das eigene Budget nicht ausreicht, um die sensationelle Idee in die Tat umzusetzen? Richtig. Das Zauberwort lautet seit einigen Jahren Crowdfunding. Also schnell ein witziges, ansprechendes Video mit einem angsteinflößenden, aber vor allem Verständnis erregenden Inhalt auf der jeweiligen Homepage wie Kickstarter hochladen und warten. Bei den TrapTap-Jungs ist all das nun Wirklichkeit geworden. Und nicht nur das. Das ursprünglich angepeilte Ziel in Höhe von umgerechnet 60.000 Euro wird voraussichtlich am Spenden-Laufzeitende um satte 100.000 Euro überschritten sein. Im Vergleich zu den fast sieben Milliarden Euro, die allein in Nordamerika jedes Jahr durch Geschwindigkeitskontrollen eingenommen werden, eine immer noch sehr geringe Summe. Zu verdanken haben die cleveren Kanadier es aber nicht nur den dann rund 1.500 solventen Unterstützern, sondern in erster Linie sich selbst und ihrem Produkt, dem TrapTap.

Der TrapTap, der auf den ersten Blick wie eine kleine, runde Bonbon-Dose ausschaut, soll mithilfe von Tönen und Farben vor festen und mobilen Radarfallen, Rotlicht-Blitzern und Bereichen vor Schulen oder Baustellen in über 60 Ländern rund um den Globus warnen. Letztere Warnungen gelten besonders für den nordamerikanischen Raum, da ein durchschnittliches Ticket in solchen Zonen rund 350 Euro kostet. Das voraussichtlich ab Juli erhältliche und ab umgerechnet 75 Euro teure Gerät wird mit denselben Daten gespeist, die auch Apps wie Blitzer.de nutzen. "Die Daten werden ständig aufgefrischt und sind sehr genau. Die mobilen Fallen werden durch die Gemeinschaft gemeldet. Wenn ein Nutzer eine sieht, die noch nicht gemeldet ist, braucht er einfach nur auf das TrapTap tippen - daher auch der Name, der frei übersetzt so viel wie FalleTippen bedeutet - , die Stelle wird gemeldet und an alle anderen weitergeleitet. Er ist dann so etwas wie ein moderner Kolumbus", schwärmt Patrick Little vom im November 2015 gegründeten TrapTap-Team.

Den großen Vorteil in ihrem Gerät sieht er nicht nur in der einfachen Nutzung, sondern auch in seiner gesamten Einfachheit. "Anders als die anderen Radarwarner hat der per Bluetooth mit dem Smartphone verbundene TrapTap keinen Bildschirm, sprich: Es lenkt den Fahrer bei der Fahrt nicht ab. Gleichzeitig kannst Du es überall mithin nehmen - also von einem Auto ins andere oder auch auf das Motorrad. Versuch das mal mit einem eingebauten Navigationssystem", meint er. Da das kleine Gerät keinen Bildschirm hat, muss es natürlich anders auf sich aufmerksam machen. "Sowohl verschiedene Töne als auch bislang drei verschiedene Farben kommen beim TrapTap zum Einsatz: Rot, bei Schulzonen und Rot-Licht-Blitzern, Blau bei Polizei- oder mobilen Radarfallen und Grün, wenn man zu schnell innerhalb einer Geschwindigkeitsbegrenzung unterwegs ist. Der Unterschied zwischen dem roten und dem grünen Blinken der LED ist so groß, dass auch Nutzer mit einer Rot-Grün-Schwäche, wie sie einer unserer Ingenieure hat, keine Probleme bei der Nutzung haben. Weitere Farben sind aber in der Planung", verrät Patrick Little.

Die große Frage ist natürlich: "Ist das überhaupt erlaubt?" "Es sind schon viele Apps auf dem Markt, die genau das machen, was TrapTap macht. Solange wir keine Polizisten oder Radarstrahlen erkennen, sind wir rechtlich auf der sicheren Seite. Wir würden niemals etwas Illegales anbieten", erklärt Patrick Little. Dementsprechend groß ist die Vorfreude bei den zahlreichen Kunden. "Wenn Ihr mir allein nur ein Knöllchen erspart, habe ich mein Investment verdoppelt!", hofft mit Don einer von ihnen. Erfreulich ist zudem, dass die benötigte Datenmenge überschaubar, wenn nicht sogar zu vernachlässigen ist, wie Patrick Little gern aufzeigt: "Zu Beginn werden zwischen fünf und zehn Megabyte einmalig heruntergeladen, um die Kartendaten für das jeweilige Gebiet zu erhalten. Ist das passiert, werden zwischen einem und zehn Kilobyte pro Fahr-Stunde gedownloadet - also eigentlich nichts."

Das in den drei Basis-Farben Blau, Rot und Grau und sechs weiteren, jedoch limitierten, Farben erhältliche TrapTap-Gerät könnte besonders bei 20 Jahre alten Männern, die in einem weißen Mercedes-Benz SL mit durchschnittlich 24 Kilometer pro Stunde zu schnell fahren, beliebt sein. So zumindest die Aussage einer zwei Millionen Knöllchen umfassenden Statistik des US-Bundesstaates Ohio. Sollten sich in Zukunft noch weitere Spender finden, werden dem TrapTap bei jedem weiteren erreichten Finanzierungs-Ziel neue Eigenschaften zugespielt. Das nächste Ziel liegt bei umgerechnet 160.000 Euro und würde für die zusätzliche Farbe Gelb sorgen, die auf ein Gebiet hinweist, in dem regelmäßig geblitzt wird. Bleibt zu hoffen, dass die edlen Spender sich nicht zu sehr auf ihren kleinen Mitfahrer verlassen und bei Nichtaufleuchten der LED mit dem Rasen beginnen.
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Quelle: Autoplenum, 2016-04-21

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