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Testbericht

Peter Maahn/SP-X, 17. November 2016

Die SUV stehen auch auf der Wunschliste der Amerikaner ganz oben. Nirgendwo ist das Angebot so groß, jeder Hersteller hat mehrere solcher eckigen Ungetüme im Programm. Wie der Luxus-SUV der Zukunft aussehen wird, zeigt die bei uns weithin unbekannte Marke Lincoln, im Hause Ford für Luxusmodelle zuständig, mit einer aufregenden Studie des riesigen Navigator. Erzrivale General Motors kontert mit „Denkmodellen“ von großen Limousinen und eleganten Coupés. Alle sind nicht weit von der Serienreife entfernt.

Wie der Lincoln Navigator, ein riesiges SUV mit dem Gardemaß von 5,67 Metern. Die endgültige Neuauflage des bekannten Giganten wird im kommenden Frühjahr in New York Premiere feiern. In Los Angeles war noch die Studie zu bestaunen, die vor allem mit zwei auffallenden Details glänzte. Die gewaltige nach oben schwingende Tür über die ganze Breite des Passagierabteils hinweg eröffnet den Blick auf den fast glamourösen Innenraum mit den drei Sitzreihen. Um leichter in das belederte Innenleben des gut zwei Meter hohen Dickschiffs zu kommen, wird eine dreistufige Treppe unter dem Seitenschweller elektrisch aus- und wieder eingefahren. Ohne Geländer allerdings.

Um es vorweg zu sagen: Beide Gags werden sich im Serienmodell nicht wiederfinden, fielen dem Rotstift oder staatlichen Vorgaben zum Opfer. Was bleibt ist das Design mit dem wuchtigen Vorbau und dem stattlichen verchromten Grill, der das neue Lincoln-Gesicht vorwegnimmt. Die Silhouette der Außenhaut ist ein wenig dem britischen Range Rover nachempfunden, der auch in den USA hohes Ansehen genießt. Komfort ist Trumpf auf jedem der sechs Einzelsitze. Vorne große Displays, für das Fond-Quartett schweben Bildschirme fast in Augenhöhe und locken zum Surfen oder Gamen. Die Materialien sind erlesen, aber nicht schwülstig.

Abrüstung unter der nach oben gewölbten Motorhaube: Statt eines dicken V8 muss der Navigator von morgen mit einem 3,5-Liter-Ecoboost auskommen, der auch in diversen Ford-Modellen eingesetzt wird. Nach Deutschland wird sich der Gigant nicht wagen. Wo sollte er auch in den engen Altstädten um die Ecken kommen oder einen Parkplatz finden.

Bei der bildschönen Studie einer großen Limousine mit dem Cadillac-Logo ist das anders, auch wenn er mit 5,35 Metern ebenfalls die Europäer seiner Klasse deutlich überragt, aber das Einparken sicher einem Chauffeur überlassen wird. Der Escala überrascht mit einem fast puristischen Kleid, das sich nur auf der Motorhaube sichtbare Kanten leistet. Die ansonsten glatte Seitenansicht wird durch eine nach hinten spitz zulaufende Sicke über dem Schweller geprägt, die wohl für optische Dynamik sorgen soll. Der Innenraum verzichtet weitgehend auf Schalter und Hebel, die meisten Funktionen werden auf zwei LED-Bildschirmen zusammengefasst, die sich vor und rechts neben dem Dreispeichen-Lenkrad ausbreiten. Unter der Haube arbeitet ein neu konstruierter 4,2-Liter-Achtzylinder mit Doppelturbo, dessen Leistungsdaten die Nobelmarke von General Motors noch verschweigt. Der Escala wird in der Modellhierarchie über dem schon bekannten CT6 angesiedelt, mit der er sich allerdings die Plattform teilt.

Apropos CT6, dessen Deutschland-Export inzwischen bereits läuft: Er erscheint jetzt als sogenannter Plug-In-Hybrid, dessen Batterie an der Steckdose aufgeladen wird. In der vertrauten Karosserie arbeitet ein 2-Liter-Turbobenziner mit zwei Elektromotoren zusammen. Gemeinsam kommen sie auf 246 kW/335 PS und eine Durchzugskraft von 586 Newtonmetern. Die rein elektrische Reichweite liegt bei etwa 48 Kilometer, bevor die Batterie wieder ans Stromnetz muss. Der Verkauf des „grünen“ Cadillacs beginnt in den USA im Frühjahr, Preis umgerechnet rund 77.000 Euro. Deutschland-Export noch nicht entschieden.

Immer noch völlig unklar ist dagegen das Schicksal eines schönen Coupés der GM-Marke Buick, das bereits im Januar in Detroit enthüllt wurde und jetzt in leicht veränderter Form auch in Los Angeles bestaunt werden kann. Obwohl mit Design-Preisen überhäuft, ist eine Serienproduktion des Avista immer noch nicht entschieden. Fest steht inzwischen allerdings, dass der gut fünf Meter lange Zweitürer nicht als neues Opel-Sportcoupé über den Atlantik schwimmt. Trotz der Ungewissheit über die Zukunft des Avista markiert er aber den Trend künftiger Coupés, die Eleganz der zur Schau getragenen Sportlichkeit vorziehen. Dabei hat der 2+2Sitzer mit seinem 294 kW/400 PS starken V6-Biturbo allemal das Zeug zum Athleten. Vielleicht sehen wir ihn ja als Roadster-Studie im Januar in Detroit wieder.

Vor nicht allzu langer Zeit folgten die Europäer stets den Trends aus den USA, die mit gut einjähriger Verzögerung auch Europa erreichten. Dann übernahm der alte Erdteil zumindest beim Thema Auto die Führung. Jetzt finden die Amerikaner wieder zu alter Stärke zurück, haben ihre eigenen Ideen für die Zukunft auf vier Rädern. Spurensuche auf der Auto-Show in Los Angeles.

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Fazit
Vor nicht allzu langer Zeit folgten die Europäer stets den Trends aus den USA, die mit gut einjähriger Verzögerung auch Europa erreichten. Dann übernahm der alte Erdteil zumindest beim Thema Auto die Führung. Jetzt finden die Amerikaner wieder zu alter Stärke zurück, haben ihre eigenen Ideen für die Zukunft auf vier Rädern. Spurensuche auf der Auto-Show in Los Angeles.

Quelle: Autoplenum, 2016-11-17

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