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Testbericht

Jens Meiners/SP-X, 12. Januar 2012

Zu einer Automesse gehören das Zukunftsträchtige und die Faszination ebenso wie der Fehlgriff und das Absurde. Eine persönliche Auswahl der Tops und Flops im Detroiter Januar 2012.

Die Tops:

1. Acura NSX. Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Präsentation des legendären Japan-Sportwagens gewährt Honda den ersten Ausblick auf ein völlig neues, sportliches Flaggschiff. Der NSX zieht auch stilistisch alle Register, um Enthusiasten den Mund wässrig zu machen. Nächstes Jahr folgt die Serienversion: Ferrari, Lamborghini und Porsche dürfen sich auf scharfe Konkurrenz einstellen.

2. Die Big Three. Begünstigt durch moderate Spritpreise und runderneuerte Produktpaletten stehen Ford und GM nach der tiefgreifenden Krise der vergangenen Jahre wieder gut im Futter. Auch das Sorgenkind Chrysler ist zufrieden: Nach Auskunft von Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne hatte jeder Chrysler-Händler an Weihnachten "Truthahn und guten Wein auf dem Tisch".

3. Dieselmotoren. Der US-Markt befindet sich in einer ausgedehnten Vorglühphase. Nun sollen Jeep Grand Cherokee, der Crossover Mazda CX-5 und der kompakte Chevrolet Cruze mit Dieselmotoren angeboten werden. In den achtziger Jahren war das Antriebskonzept sehr erfolgreich; vielleicht gelingt die Renaissance, von der sich vor allem die europäischen Hersteller viel versprechen.

4. Ford Fusion. Das Schwestermodell des neuen Mondeo ist effizient, komfortabel und liegt im Format nahe an der Oberklasse. Fords Strategie, die Modellpalette global zu konsolidieren, trägt schöne Früchte - und mit der Konzentration auf die zwei Marken Ford und Lincoln vermeidet es der Konzern, sich wie Hauptkonkurrent GM im selbstgezüchteten Markendickicht zu verheddern.

5. Leichtbau. Immer mehr Autobauer drehen die Gewichtsschraube erfolgreich zurück. Der Mercedes-Benz SL ist um stolze 140 Kilogramm leichter geworden, beim kostensensibleren Audi A6 sind es rund 60 Kilogramm. Die Fahrdynamik profitiert, die Effizienz wird gesteigert: Leichtbau ist der Königsweg.

6. Dodge Dart. Die kompakte Limousine, die auf einer Fiat-Plattform (u.a. Alfa Giulietta) basiert, steckt voller pfiffiger Ideen und Designlösungen - und ist ein Meilenstein bei der Genesung der Marke Dodge. Ob Murat Günak die Hände im Spiel hatte? Die Frontpartie erinnert stark an die VW-Studie Iroc, die einst den aktuellen Scirocco vorwegnahm. Schnell vergessen möchten alle Beteiligten übrigens das Dart-Vorgängermodell Caliber.

7. Deutsche Zulieferer. Das Auftreten von Schaeffler, KSPG, Continental und ZF ist von Selbstbewusstsein geprägt. „Wir können noch 30 Prozent aus dem Verbrenner herausholen", rechnet Schaeffler-Vorstand Peter Gutzmer vor. Gleichzeitig gewinnt die Elektrifizierung an Bedeutung - etwa mit Torque-Vectoring-Systemen, aber auch mit Radnabenmotoren, an denen der Zulieferer ebenfalls arbeitet. KSPG zeigt einen V2-Range-Extender, und Continental bringt sich mit Turbo-Technik und einem neuen Joint Venture ins Gespräch.

8. Audi Q3 Vail. Die Crossover-Studie mit ihrem 231 kW/314 PS starken 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbo und den ebenso dezenten wie wirkungsvollen stilistischen Modifikationen ist so gut angekommen, dass Audi die Baureihe auch nach Amerika bringen wird. Nebenbei nimmt das Concept Car ein sportliches Derivat vorweg, mit dem sich Audi - schon mangels Konkurrenz - an die Spitze des Segments setzen dürfte.

Die Flops

1. Cadillac ATS. Nachdem GM-Chef Dan Akerson den kompakten, hinterradgetriebenen ATS schon vor Monaten als Frontalattacke auf den BMW 3er annonciert hat, wurden die hochgeschraubten Erwartungen bei der Premiere souverän unterboten. Man darf sich sicher sein, dass die Fachwelt den Viertürer nun an Akersons anspruchsvoller Vorgabe messen wird. Wenn sie angesichts der konturlosen Form nicht spontan in Tiefschlaf verfällt.

2. Der Elektro-Hype. Noch bevor die Romanze zur Blüte gelangen konnte, ist die stürmische Zuneigung der amerikanischen Öffentlichkeit zur Elektromobilität deutlich abgekühlt. Man fürchtet zu Recht die geringen Reichweiten - und konsumiert Schauermärchen über die Selbstentzündung verunfallter E-Mobile. Vielleicht kann der Range Extender den Elektroantrieb retten. Falls jemand dafür bezahlen möchte.

3. Die Chinesen. Es hat in den vergangenen Jahren nicht an Auftritten chinesischer Hersteller in Detroit gemangelt; übriggeblieben ist bislang nichts. Wer die in China teilgefertigten Elektroautos des US-Herstellers Coda betrachtet, wird die Abwesenheit chinesischer Marken kaum als Mangel begreifen. Der Volvo-Stand hat uns allerdings gefallen. Und irgendwie sind die Schweden ja auch schon halbe Chinesen.

4. Tesla Model S. Die weithin gelobte Abwerbung des gefeierten Mazda-Designers Franz von Holzhausen stellt sich bereits nach kursorischer Inspektion der Fließheck-Limousine Model S differenzierter dar. Die Verarbeitung der ausgestellten Exponate ist ein trauriger Tiefpunkt der Messe, und das extrudierte Kunststoffbauteil vor dem Fahrer mit seinem hochkant gestellten, eckigen Bildschirm verdient wie kein zweites in der neueren Automobilgeschichte die Bezeichnung „Armaturenbrett". Ergänzt wird die Stilmelange durch rustikale Lenkstockhebel und eine Lenkradschaltung aus dem Mercedes-Regal.

5. Jaguar und Land Rover. Obwohl es sich bei der NAIAS in Detroit um die wichtigste Messe in Nordamerika handelt, üben sich Autohersteller immer wieder in demonstrativem Verzicht. Vor Jahren glaubte Porsche, man müsse keine Präsenz mehr zeigen, heuer sind es Jaguar und Land Rover. Gewiss, es ist auch in Indien Messezeit. Doch bei aller neuen Loyalität zu den neuen Herren von Tata Motors: Es wird noch lange dauern, bis der indische Markt sich an Nordamerika messen kann. Sehr lange.

6. Fisker. Die ersten Exemplare des Karma sind mit großer Verspätung auf die Straße gekommen, und es häufen sich kritische Kommentare über die hochpreisige Limousine. Unter dem Blech steckt viel simple GM-Technik, und die Karosserie ist in ihren Abmessungen so ausladend wie im Platzangebot beengt. „Wird dieser Mann die amerikanische Autoindustrie retten?", titelte das Fachmagazin Auto Week vor zwei Jahren. Es war dies keine Sternstunde des investigativen Journalismus. Kein Wunder, dass Fiskers 100.000-Dollar-Auto heuer fehlte.

7. US-Zulieferer. Die US-Autohersteller haben die Krise unter heftigem Federflug gemeistert, den heimischen Zulieferern geht es nicht so gut. Die Innovationskraft hält sich in Grenzen, und nach Aussage eines deutschen Entwicklungsingenieurs sind die Amerikaner bei gemeinsamen Vorstößen zu wünschenswerten Gesetzesänderungen ein Totalausfall.

8. Scheinwerferdesign. Einige der zerklüfteten und funkelnden Scheinwerfer, die auf der Messe in Detroit ins Rampenlicht geschoben wurden, sind vermutlich nur mit Kompass und Landkarte vollständig zu erforschen. Erste Orientierung vermitteln gravitätische Schriftzüge. Platz genug ist ja da.

Ein kritischer und persönlicher Blick auf die diesjährige Automesse in Detroit.

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Fazit
Ein kritischer und persönlicher Blick auf die diesjährige Automesse in Detroit.

Quelle: Autoplenum, 2012-01-12

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