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Testbericht

Marcel Sommer, 18. September 2012
Auf dem Oldtimerfest Goodwood Revival ziehen nicht nur die teuren Raritäten die Zuschauer in ihren Bann. Der Tatra 603 B6 verströmt mit seinen beiden Auspuff-Schloten einen ganz eigenen Reiz.

Die Sonne lacht, der Asphalt ist heiß und über 160.000 Zuschauer freuen sich beim Goodwood Revival über automobile Raritäten, die nur hier fahren. In Kombination mit den gefühlt 80 Prozent zeitgemäß verkleideter Besucher erscheint dieses Wochenende in der Region West Sussex wie eine geträumte Zeitreise. Allerdings wird die träumende Menge jäh aus ihrer Zeitreise in die Realität zurückgeholt, als ein 66 Jahre alter Norweger den Zündschlüssel eines orangenen Rennwagens umdreht.

"So wird sich wohl die Fanfare zum jüngsten Gericht anhören", brüllt eine junge Mutter, während sie ihrem kleinen Sohn die Ohren zuhält. Fanfare ist im Übrigen der passende Begriff, da die beiden Auspuffrohre, die aus dem orangen Tatra 603 B6 herausragen, die Ausmaße zweier Posaunen haben. Dass der stählerne Tscheche so laut ist hat jedoch, anders als bei manch getuntem Ruhrgebietsflitzer, einen technischen und keinen geschmacklichen Hintergrund.

Der Tatra 603 B6 verfügt über einen Heckmotor mit acht Zylindern und knapp 170 PS. Der ohrenbetäubende Krach resultiert aus dem Kühlsystem, welches ihm nochmals 20 zusätzliche Pferdestärken beschert. Sorgen beim Tatra normalerweise zwei Ventilatoren, die von der Kurbelwelle angetrieben werden, für eine ausreichende Kühlung des Motors, verfügt der 603 B6 über ein sogenanntes Doppel-Diffusor-Kühl-System. Dieses ersetzt beide Ventilatoren und versorgt den Motor durch einen vom Doppel-Diffusor erzeugten Unterdruck mit Kühlluft. Dieses System wurde zuletzt vor über 40 Jahren verwendet und arbeitet seit 2010 im orangenen Tschechen. Auf Grund der großen, schwarzen Auspuff-Endrohre bekam das System den Namen Black Bull Tatra Double-Diffuser Cooling System.

Gefahren wird der schwarze Bulle aus dem Jahr 1959 vom norwegischen Renn-Urgestein John Haugland. Der Leiter einer Rally-Schule ist stolz diese Rarität beim Goodwood Revival pilotieren zu dürfen: "Als ich gefragt wurde, ob ich ihn hier fahren möchte habe ich nicht lange überlegen müssen. Er ist schon etwas ganz besonderes, auch wenn sein Klang ihn stärker wirken lässt als er tatsächlich ist." Besitzer Stanislav Hajdusek freut sich ebenfalls über das Interesse der Menschenmenge: "Die Idee war, mit einem nicht britischen Fahrzeug nach Goodwood zu kommen. Da kam uns die Idee mit dem Tatra. Er ist übrigens ein echter Scheunen-, beziehungsweise Garagenfund. Wir haben insgesamt zwei Jahre Arbeit investiert."
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Quelle: Autoplenum, 2012-09-18

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