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Testbericht

Marcel Sommer, 6. August 2015
Zwei Amerikaner haben es sich in Thailand zur Aufgabe gemacht, die Verletzten- und Totenzahlen bei Verkehrsunfällen drastisch zu senken. Ihre Lösung fährt auf drei Rädern und heißt Spira4u.

Jedes Jahr gibt es rund 50 Millionen Verletzte und über 1,2 Millionen Tote aufgrund von Verkehrsunfällen. In Asien ist die Quote verhältnismäßig höher, da dort wesentlich mehr Menschen nicht nur wohnen, sondern auch mit kleinen Motorrädern und Motorrollern zwischen den Autos umherdüsen. Und wo kein Chassis vorhanden ist, ist auch nur wenig bis gar nichts, was die Kräfte eines Zusammenstoßes abmindert beziehungsweise ablenkt. Die amerikanischen Brüder Doug und Lon Ballard haben damit auch ihre ganze eigenen Erfahrungen in Form von Motorradunfällen gemacht. Einer der Gründe, warum sie sich letztendlich in Thailand und China niedergelassen haben.

Ihre Lösung hat einige Jahre auf sich warten lassen, doch macht auf den ersten Blick einen logischen Eindruck. Nicht nur ein Testfahrer schwärmte nach wenigen Kilometern: "Ich habe damit mehr Aufsehen erregt, als mit allen Fahrzeuge zuvor - darunter Ferraris und Co." Der Grund liegt selbstverständlich am ersten Auftreten des Spira4u genannten Vehikels. Ok, Dreiräder à la Tuk Tuk, also Autorikschas sind in Asien an nahezu jeder Ecke zu sehen. Doch ein 2,70 Meter langes, 1,45 Meter breites und 1,25 Meter hohes, überdachtest Dreirad mit Motor in einem futuristischen Kleid fährt auch hier nicht jeden Tag durch die engen Gassen. Den Vorteil des Dreirad-Designs erklärt Lon Ballard wie folgt: "Das Frontrad kann im Falle eines Treffers zur Seite gleiten, und mit ihm das gesamte Fahrzeug. So muss das Spira4u nur sehr wenig der Aufschlagskraft absorbieren."

Erst beim zweiten Blick wird aber das eigentlich Besondere des mindestens 200 Kilogramm schweren Fahrzeugs deutlich. Denn der gesamte Körper besteht aus Glasfaser und Schaumstoff. Letzteres ist rundherum in nicht weniger als 15 Zentimeter-Dicke verbaut. Kleinere Auffahrunfälle mit großem Schaden und Parkplatzrempler gehören also der Vergangenheit an. An dieser Stelle sollte allerdings erwähnt werden, dass das Ein- oder auch Ausparken ein wenig schweißtreibend sein kann. Denn einen Rückwärtsgang hat der Spira4u nicht. In solch einem Falle heißt es dann: anpacken, hochheben und rückwärts schieben.

"Ich habe das Fahrzeug entwickelt, um die Menschen außerhalb genauso zu schützen wie innerhalb des Fahrzeugs. Die Teile sind aus Glasfaser in einer Bienenwabenstruktur, die das ganze sehr steif und vor allem sehr leicht macht", erklärt Lon Ballard. So modern und technisch raffiniert sich diese Bauweise anhört, so leicht ist sie zu montieren. Ein paar Platten der aus Deutschland stammenden Glasfaser zusammenkleben und, wenn alles trocken ist, mit dem Innenausbau weitermachen. Jetzt noch einen zwölf PS starken Motorradmotor und drei Räder hineinbasteln, schon steht einer Ausfahrt nichts mehr im Wege. Insgesamt sollen für die Produktion eines Spira4u lediglich vier Stunden notwendig sein. Für Europäer beziehungsweise eigentlich alle Nichtasiaten sehr beruhigend ist die Tatsache, dass der 150 Kubik-Motor sich per Fußpedalerie bedienen lässt, sprich Gas- und Bremspedale sind vorhanden. Weder das eine noch das andere sind hingegen von Nutzen, wenn das Spira4u zu Wasser gelassen wird. Aufgrund der zahllosen, im Schaumstoff eingeschlossenen Luftblasen sinkt das Fahrzeug nur zu zehn Zentimeter ins Wasser und ist voll schwimmfähig.

Erstmal in Fahrt wird schnell klar, dass die Firma Ballard Co. zwar am Gewicht aber keinesfalls an der Höchstgeschwindigkeit gespart hat. So sollen bis zu 85 Kilometer pro Stunde möglich sein. Der Spritverbrauch beträgt 2,6 Liter auf 100 Kilometer. Dank des 9,5 Liter großen Tanks können über 350 Kilometer am Stück gefahren werdne. Wem die Reichweite egal, die Geschwindigkeit aber zu gering ist, für den steht der Spira4u auch in einer Elektroversion zur Verfügung. Bis zu zwei zehn Kilowatt starke Motoren sollen bis Tempo 113 reichen. 225 Kilometer sind mit einer Stromfüllung möglich. Ob nur eine oder zwei Personen diesem Geschwindigkeitsrausch zur selben Zeit erliegen können, hängt nur von ihrer Konstitution ab. Denn in den 83 Zentimeter breiten Innenraum finden theoretisch zwei Personen Platz. Die Preise des Spira4u liegen bei umgerechnet rund 5.500 Euro für die Benzin-Variante und bei 9.200 Euro für die Elektro-Version - Versandkosten exklusive. Die ersten 50 Exemplare sind jedoch als reine Testflotte und für Wohltätigkeitsveranstaltungen gedacht.
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Quelle: Autoplenum, 2015-08-06

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