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Testbericht

20. September 2012
Florenz, 21. September 2012 - Kliometerthal Euer Urpokal: Mit diesem sinnfreien, aber leicht zu merkenden Spruch prägen sich Schüler die Namen der neun Musen ein. Die erste von den altgriechischen Schutzgöttinnen der Künste, Klio, ist "die Rühmende", also die Muse der Geschichtsschreibung. Bekannter als diese ist der Clio von Renault. Der französische Kleinwagen geht ab 10. November 2012 in die vierte Generation. Wir haben ihn bereits getestet. Verbessertes Außendesign Der Clio der auslaufenden Generation fiel durch sein eigenwilliges Design auf, vor allem durch den nicht gerade schönen Bürzel am Heck. Die neue Version ist das Werk von Laurens van den Acker, seit 2009 Renault-Chefdesigner. Die neue Gestaltung ist eine Verbesserung, doch so mancher wird das kühle Design eines VW Polo oder Kia Rio vorziehen. Anders als das abgelöste Modell ist das neue stets ein Fünftürer, ein Dreitürer ist nicht geplant. Die hinteren Türen fallen allerdings durch die in den Säulen versteckten Griffe nicht auf. Cockpit-Design: Wow Schon der auslaufende Clio war ein Vorreiter bei der Demokratisierung von Extras aus den höheren Klassen. Dies betraf bei der dritten Generation das schlüssellose Zugangs- und Startsystem, bei der neuen Version ist es das große Navigationssystem mit sieben Zoll Diagonale. Dies stellt durchaus eine Seltenheit bei Kleinwagen dar, beim Kia Rio allerdings gibt es das ebenfalls. Beim Clio ist das Navi in eine Mittelkonsole eingebettet, die mit ihrer schicken Klavierlack-Chrom-und-Glas-Optik an ein iPad erinnert. Sogar eine Erweiterung mit Internetzugang ist geplant. Der obere Teil des Armaturenbretts und diverse Details sind beim zuerst gefahrenen Testwagen rot eingefärbt, dezentere Varianten sind aber ebenso verfügbar. Insgesamt ist der Eindruck beim ersten Einsteigen mit einem Wort bestens beschrieben: wow.
Dreizylinder-Turbo als Spaßbringer Zum Marktstart im November 2012 gibt es den Clio in vier Motorisierungen. Verfügbar sind zwei Benziner und Diesel, die jeweils 75 und 90 PS leisten. Für das Jahr 2013 ist noch ein 120-PS-Turbobenziner angekündigt. Völlig neu ist der 90-PS-Ottomotor, Energy TCe 90 genannt. Dem derzeitigen Downsizing-Trend folgend, handelt es sich um einen Dreizylinder, und zwar um einen Turbomotor mit Direkteinspritzung. Er tritt die Nachfolge des TCe 100 mit 103 PS an, bei dem es sich aber um einen Vierzylinder mit 1,2 Liter Hubraum handelte. Der neue 0,9-Liter begnügt sich laut Datenblatt mit 4,5 Liter je 100 Kilometer - hier liegt der Renault deutlich besser als der entsprechende VW Polo und Kia Rio. Nach absolvierter Testfahrt zeigte der Bordcomputer 6,2 Liter an, also wie üblich etwas mehr. Spritsparhilfen vorhanden Ein Start-Stopp-System ist beim 90-PS-Benziner Serie. Wer es aufs Spritsparen anlegt, kann auch eine Version mit Eco-Schalter ordern, mit dem sich der Verbrauch um stolze zehn Prozent senken lassen soll. Dann wird die Klimaanlage im Energiesparmodus betrieben und die Motorleistung gedrosselt. Letzteres ist für den Fahrer jedoch kaum spürbar. Daneben gibt es eine zweite Variante des Clio TCe 90 mit einem Normverbrauch von nur 4,3 Liter. Die Einsparung von 0,2 Liter wird möglich durch ein lang ausgelegtes Getriebe, Leichtlaufreifen und ein geringeres Fahrzeuggewicht. Viel Fahrspaß Der kleine Dreizylinder im TCe 90 läuft erfreulich leise und nur ansatzweise rau. Vor allem aber bringt er viel Fahrspaß. Das mag auch am Drehmoment liegen, das mit immerhin 135 Newtonmeter schon auf dem Niveau eines 1,4-Liter-Saugbenziners liegt, wie er beispielsweise im Kia Rio 1.4 arbeitet. Dort liegt das Drehmoment allerdings erst bei 4.200 U/min an, während es beim Renault schon bei 2.500 Touren zur Verfügung steht. Auf kurvigen Landstraßen mit vielen Steigungen muss man beim Clio allerdings öfter in den zweiten Gang zurückschalten. Das tut man aber auch gerne, denn die serienmäßige Fünfgang-Schaltung ist ein guter Partner. Wer die Hände dennoch lieber am Lenkrad lässt, kann ab Mitte 2013 ein Doppelkupplungsgetriebe EDC mit sechs Gängen bestellen.
Gute Lenkung, hartes Fahrwerk Der Clio TCe 90 besitzt an der Hinterachse Bremstrommeln statt Scheiben, was eigentlich nur bei schwächer motorisierten Kleinwagen üblich ist. Er bremst allerdings auch damit einwandfrei. Die elektromechanische Servolenkung des Clio erfreut gerade auf kurvigen Strecken mit ihrer direkten Abstimmung. Weniger positiv ist der Eindruck, den das Fahrwerk hinterlässt: Auf schlechten Straßen stört die harte Abstimmung. Sportlich kann man sie nicht nennen, denn in Kurven wankt der Clio IV genauso nach außen wie andere Kleinwagen. Hier machen sich auch die weichen Sitze bemerkbar: An den Oberschenkeln bieten sie zu wenig Seitenhalt. Großer, aber schlecht nutzbarer Kofferraum Im Fond sitzt man ebenfalls nicht optimal. Die Kniefreiheit ist zwar gut, doch schon mittelgroße Erwachsene stoßen an die Decke, wenn sie sich ein wenig recken und versuchen, sich mit dem Kopf an die Stütze zu lehnen. Der mittlere Fondpassagier muss zudem nach oben greifen, wenn er den Gurt sucht, denn der Lebensretter ist im Dach verankert. Auch sonst ist die Alltagstauglichkeit nicht vorbildlich. Der Kofferraum bietet zwar 300 bis 1.146 Liter - deutlich mehr als in einen VW Polo oder Kia Rio passt. Doch die Landekante ist sehr hoch und beim Ausladen schwerer Kisten stört eine hohe Schwelle. Hinzu kommt noch, dass nach dem Umklappen der Rücksitze der Ladeboden nicht mal ansatzweise eben wird. Wichtiger als der Kofferraum ist Renault offenbar die Sicherheit. So hat der neue Clio bereits die EuroNCAP-Bestwertung von fünf Sternen ergattert. Gut würden dem kleinen Renault noch ein optionales Anti-Kollisionssystem sowie Xenon- und Kurvenlicht stehen. 90-PS-Benziner mit serienmäßigem Navi Den gefahrenen Clio Energy TCe 90 gibt es als Dynamique für 16.300 Euro. An Bord sind neben dem Klassenüblichen noch elektrische Fensterheber vorne, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, ein Motorstart-Knopf, eine Klimaanlage, ein CD-Radio und - ungewöhnlich in dieser Klasse - ein Tempomat sowie das große Sieben-Zoll-Navi. Damit ist der Clio gut ausgestattet, doch die Zutaten Tempomat und Navi machen die Gewichtung fragwürdig, Kleinwagenkunden würden wohl lieber Alufelgen oder Parkpiepser haben. Trotz des hochwertigen Navis ist unser Renault etwas günstiger als der entsprechende fünftürige VW Polo 1.2 TSI Comfortline mit 90 PS für 16.695 Euro. Der Kia Rio mit dem vergleichbaren 1,4-Liter-Saugbenziner ist als Fünftürer schon für 14.960 Euro zu haben. Wer beim Clio bleiben, aber Geld sparen will, kann die Version mit 99 Gramm CO2-Ausstoß ordern. Sie kostet nur 14.400 Euro. Klingt gut? Nun, auch hier gibt es einen Haken: Wer die hier fehlende Klimaanlage haben will, bekommt sie nur zusammen mit dem Navi und zahlt wiederum einen heftigen Aufpreis. Ebenfalls seltsam: Elektrische Fensterheber hinten gibt es nicht mal gegen Aufpreis.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Turbobenziner, Direkteinspritzung, variable Drallsteuerung, variable Verstellung der Einlassventile, grafitbeschichtete Kolbenschäfte
Hubraum:898
Anzahl Ventile:3
Anzahl Zylinder:3
Leistung:66 kW (90 PS) bei UPM
Drehmoment:135 Nm bei 2.500 UPM
Preis
Neupreis: 16.300 € (Stand: September 2012)
Fazit
Wenn Ihnen das Innenraumangebot eine wichtige Angelegenheit ist, dann sollten Sie den Clio nicht kaufen - der Kofferraum ist zwar groß aber sehr schlecht nutzbar, und auch das Platzangebot im Fond könnte wahrhaftig besser sein. Auch wer Wert auf ein komfortables Fahrwerk und straffe Sitze legt, sieht sich besser anderswo um. Auf der Positivseite stehen der neue Dreizylinder-Turbo, der viel Fahrspaß bei niedrigem Verbrauch bietet, die direkte Lenkung und last but not least der schicke Innenraum. Die Ausstattung ist bei der Version Dynamique zwar reichhaltig, aber die Zusammenstellung etwas fragwürdig. Der Preis geht angesichts der Serienausrüstung in Ordnung.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2012-09-20

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