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Testbericht

Stefan Grundhoff, 15. Dezember 2014
50.000 kreischende Fans, nicht weniger hoch gereckte LED-Schwerter und eine Stimmung wie bei einem Schürzenjägerkonzert - so einen Event wie die Smart Times China hat die westliche Welt noch nicht gesehen.

Es dürfte die größte Party gewesen sein, die in der Millionenmetropole Shanghai anlässlich eines fünften Geburtstages je gefeiert wurde. Das Shanghai Stadium voll bis auf den letzten Platz und eine Festivalatmosphäre, die einen in eine asiatische Parallelwelt hereinstürzen lässt. Dass es hier ganz nebenbei um eine Automarke geht, zeigen kunterbunte Smarties auf der Bühne und gigantische Displays, die Großauftritte von U2, Helene Fischer oder den Rolling Stones alle Ehre gemacht hätten. Vor den Toren verkaufen zwielichtige Figuren auf dem Schwarzmarkt die letzten Tickets - verrückte Autowelt.

China ist anders, Shanghai sowieso und nirgends wird das deutlicher als an diesem Dezemberabend im Shanghai Stadium. Dort wo sonst das Fußballteam des FC Shanghai Dongya um Tore und Punkte kämpft, ist heute das Smart-Raumschiff gelandet und katapultiert die Besucher in ein Paralleluniversum, das mit europäischen Maßstäben nur schwer zu vergleichen ist. Die automobilen Fantreffen vom Golf am Wörthersee, Mini auf dem Rennkurs Paul Ricard oder Smart im portugiesischen Cascais verkommen angesichts dieser Dimensionen zu kleinbürgerlichen Kindergeburtstagen auf dem Land. Smart, die wenig boomende Kleinstwagenmarke aus dem Hause Daimler, hat China längst zu ihrem Lieblingsspielplatz erkoren. "Die Leute, die hier einen Smart kaufen, wollen in erster Linie anders sein und das auch zeigen", sagt Smart-Chefin Dr. Annette Winkler, "Sondereditionen und spezielle Individualisierung sind hier wichtiger denn je." Es ist nur eine Frage der Zeit, wann China, sonst Land der Limousinen und Chauffeure, der wichtigste Markt sein wird - wohl 2016 / 2017.

An diesem Abend ficht das niemanden an. Das Fan-Treffen der Smart Times hat es auch in China bereits ein paar Mal gegeben. Doch der fünfte Geburtstag wird mit einem Mega-Event in Shanghai zelebriert. Rund um das Stadion gibt es Spiele und Aktionen, die auch in Europa stattfinden könnten. Hier wird mit einem realen Smart gegeneinander gekegelt; ein paar Meter weiter treten zwei Smart-Teams in einem überdimensionalen Kicker gegeneinander an. Zhang Jie wohnt ist Shanghai und seit längerem im SSC, dem Shanghai Smart Club, aktiv. "In knapp eineinhalb Jahren bin ich mit meinem Smart fast 60.000 Kilometer gefahren", strahlt der 36jährige über seinen zweiten Smart, "meine längste Tour war vor ein paar Monaten nach Tibet. 6.000 Kilometer hin und wieder zurück aufs Dach der Welt - über 5.000 Meter hoch." Er nennt seinen weißen Fortwo nur liebevoll "den Turnschuh" und verbringt nahezu jede freie Minute mit ihm.

Nach den Aktionen auf den Freiflächen geht es zum Hauptprogramm ins Shanghai Stadium, wo zehntausende von Smartfans ihre LED-Schwerter in den Abendhimmel recken. Auch Shen Chao wird langsam unruhig und will zum Konzert keinesfalls zu spät kommen Der 20jährige ist ebenfalls aktives Mitglied im lokalen SSC: "ich war schon bei anderen Smart Times hier in China. Aber zum fünften Geburtstag, da musste ich einfach hin", sagt der Fahrer eines roten Fortwo-Cabrios, "ich bin im vergangenen Jahr 29.000 km gefahren. Das meiste in und um Shanghai. Ist einfach praktisch bei diesem Verkehr hier und Parkplätze gibt es sowieso nicht."

Smart in China ist eine andere Welt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist China mit knapp 20.000 Einheiten pro Jahr zum Smart-Markt Nummer zwei aufgestiegen. Dabei ist das neue Doppelpack aus Fortwo und Forfour im Land der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten hier noch gar nicht auf dem Markt. Ein Smart ist mit umgerechnet knapp 15.000 Euro kaum teurer als das Kennzeichen selbst, das sich eine zunehmend kollabierende Megacity wie Shanghai mit über 10.000 Euro bezahlen lässt. Das scheint bei dem Konzerthöhepunkt jedoch kaum jemanden zu interessieren. Die Zuschauer, selten älter als 25 Jahre, rasten bei Sänger Hua Chenyo oder dem weiblichen Kunstobjekt Li Yuchun nahezu aus. Westliche Stars spielen hier keine Rolle - zumindest scheint der Smart allen Unkenrufen der Konkurrenz zum Trotz einer zu werden.

Ein paar Stunden vorher ging es beim Weihnachtsmarkt deutlich ruhiger zu. Eine Handvoll chinesischer Künstler hat sich ein paar Fortwos vorgenommen und diese nach eigenem Gusto zu Kunstobjekten verwandelt. Kreativkünstlerin An Xin aus Peking arbeitet seit Jahren am Thema Rosen. So kombinierte sie das beliebte Brettspiel Flying Chess mit dem romantischem Ausdruck von 200 einzelnen Rosen, die das Innere des Smart Fortwo Cabrio in kleinen Kunststoffkugeln bevölkerten, während das Brettspiel die Karosserie ziert. Bildhauer Muyoy mutierte den Fortwo in zweiwöchiger Arbeit zum Hasentraum und Tricky, Trendkünstlerin aus Shanghai, fusionierte das Computerspiel Angry Bird mit überdimensionalen Lego-Bausteinen während im Hintergrund "Last Christmas" von Wham westliche Weihnachtsstimmung verbreitet. "Das ist mein eigener Smart", so die niemals ohne Mütze aus dem Haus trabende Tricky, "lässt sich alles wieder zurückbauen. Aber es war immer mein Traum, diese beiden Spielwaren einmal in einem Projekt zu verewigen." China ist eben eine andere Welt - vielleicht genau das Richtige für den Smart.
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Quelle: Autoplenum, 2014-12-15

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