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Autoplenum, 2012-01-16

Smart Homes - Auto lädt Haus lädt Auto

Testbericht

Sebastian Viehmann

Fukushima hat gezeigt, wie verwundbar selbst hochmoderne Industrienationen sind. Das gibt den "Smart Homes" neuen Schub – Häuser mit intelligenter Energiesteuerung und teilweise autonomer Stromerzeugung. Toyota, Nissan und Honda starten bald Großversuche.

Die Idee der Smart Grids, der intelligenten Stromnetze, hat mit Elektroautos neuen Antrieb bekommen. Deren Akkus könnten schließlich als Energiepuffer dienen, um Energieschwankungen auszugleichen – so die Theorie. In der Praxis scheitert es schon an der mangelnden Verbreitung der Stromer. In Deutschland zum Beispiel wurden 2011 bislang kaum mehr als 1800 Elektroautos angemeldet. In Wolfsburg werden an einem einzigen Tag fast doppelt so viele Autos mit Benzin- und Dieselmotoren gebaut, wie Stromer im ganzen Jahr auf deutsche Straßen geschickt werden.

In Japan beschäftigen sich die Autohersteller schon seit Jahren mit Smart Grids, auch die Bevölkerung zeigt offenbar ein steigendes Interesse daran. Der Nissan-Ingenieur Hiroki Nagayama erinnert sich, wie nach der Erdbeben- und Atomkatastrophe im März und den darauf folgenden Stromausfällen Besitzer des Elektroautos Nissan Leaf bei ihm anklopften. "Die Leute wollten wissen, ob sie mit dem Batteriestrom des Leaf ihre Haushaltsgeräte versorgen könnten", erzählt Nagayama.

Tatsächlich würde eine Batterieladung des Wagens einen japanischen Durchschnittshaushalt für zwei Tage und Nächte mit Strom versorgen, so der Ingenieur. 2012 will Nissan deshalb ein System anbieten, das den Stromaustausch zwischen Auto und Haus möglich macht. Der Autohersteller hat außerdem ähnlich wie Toyota ein Smart House entworfen. Das futuristische Domizil steht auf Stelzen über dem Ladeplatz des Nissan Leaf. Solarzellen und eine hauseigene Brennstoffzelle erzeugen Strom, der nachts im Akku des Elektroautos zwischengespeichert wird.

Toyota ist schon einen Schritt weiter. Die ersten "Smart Homes" des Unternehmens sollen 2012 bezugsfertig sein. "Die Häuser bieten 126 Quadratmeter Wohnfläche und kosten 24 Millionen Yen", so ein Toyota-Ingenieur. Umgerechnet sind das etwa 240.000 Euro. Zur Energieversorgung ist unter anderem eine Photovoltaik-Anlage vorgesehen. Ein außer Haus gelagerter Lithium-Ionen-Akku dient als Energiepuffer. "Die Stromproduktion der Häuser ist aber noch nicht vollständig autonom", betont der Toyota-Mann.

Das intelligente Energiemanagement immerhin kann schon beeindrucken – wie in diesem Beispiel: Das Licht ist an, der Kühlschrank läuft und eine ganze Reihe von Haushaltsgeräten noch dazu. Draußen im Carport lädt der Plug-In-Hybrid seine Batterien auf. Wenn jetzt jemand den Fön anstellt, gibt es einen Blackout, weil das Stromnetz des Hauses überlastet wäre. Nicht im Smart Home - die Funktion "Peak Electricity Demand Cut" erkennt die drohende Überlastung und stoppt kurzzeitig die Ladung des Autos. Im Modellhaus der Japaner steuert ein Zentralrechner den Energiefluss im Eigenheim. Ein Teil des Strombedarfs wird durch Solarzellen auf dem Dach gedeckt, Elektroautos oder Plug-In-Hybride haben ihre eigene Ladestation.

Damit die Bewohner den Energiestatus ihres Hauses und den Ladestatus des Elektroautos kontrollieren können, gibt es den "H2V (Home to Vehicle) Manager". Der lässt sich auf dem Fernsehschirm, dem PC oder dem eigenen Smartphone aufrufen. "Wenn die Ladung ihres Autos unterbrochen werden muss, weil gerade zu viele Verbraucher Strom ziehen, bekommen Sie eine Email oder eine SMS auf ihr Handy", erklärt ein Toyota-Entwickler das System. Per Smartphone kann man zudem kontrollieren, ob alle Türen im Haus verschlossen sind, wo überflüssiges Licht brennt und wann das Auto am Stromnetz seine Heizung anwerfen soll, damit man es morgens schon beim Einsteigen mollig warm hat.

Aus der hauseigenen Garage will Toyota in der Zukunft den "Smart Mobility Park" machen. Am Kabel hängt ein Plug-In-Hybrid, daneben parken elektrische Roller und Fahrräder. Geladen werden sie induktiv, also berührungsfrei durch eine Platte im Boden. Auf einem Monitor an der Wand wird schematisch der Energiefluss dargestellt, der zwischen dem öffentlichen Stromnetz, den hauseigenen Solarzellen und Windrädern, dem hauseigenen Akku und den Fahrzeugen an der Ladestation besteht.

Bei Honda haben die Ingenieure unterdessen das "Smart Home System" entwickelt. Dazu gehören Solaranlagen und ein kleines Gas-Blockheizkraftwerk für Privathaushalte, die das öffentliche Stromnetz ergänzen und bei Bedarf das Elektroauto in der Garage aufladen. In der japanischen Stadt Saitama sollen bis zum Jahr 2015 Elektroautos, Plug-In-Hybride und Roller im Zusammenspiel mit dem Smart Home System getestet werden "Wir wollen gleichzeitig untersuchen, inwieweit das System in der Lage ist, in einem Katastrophenfall unabhängig Strom zu erzeugen", heißt es bei Honda. Fukushima ist also auch dort nicht vergessen.

Quelle: Autoplenum, 2012-01-16
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