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Testbericht

Sebastian Viehmann, 8. Januar 2010
Man nehme einen Smart, einen getunten Kawasaki-Motor mit 210 PS, eine kleine Portion Wahnsinn und viel Spaß an Viertelmeilen-Rennen. Fertig ist der schnellste Smart der Welt – Flammen aus dem Auspuff inklusive.

Wenn Bo Schröer den Motor seines Viertelmeilen-Renners startet, scheint der Asphalt zu zerbröseln. Ein infernalischer Lärm lässt die Fahrerkabine des Wagens vibrieren und wahrscheinlich alle Vögel im Umkreis lieber zu Fuß gehen. Schröer dreht den Motor bis 12.500 Touren hoch und lässt blitzschnell die Kupplung kommen. Mit einem unbarmherzigen Ruck schnellt der schwarze Smart voran wie eine als Kleinwagen getarnte Büffelherde. Als Beifahrer krallt man sich am Türgriff fest, bis die Knöchel weiß werden. „Keine Angst, ich weiß schon, was ich tue“, sagt Bo Schröer, während sein Eigenbau-Dragster in kaum mehr als drei Sekunden von 0 auf 100 Sachen schießt und in halsbrecherischem Tempo über die Straße fegt. Wenn der Fuß vom Gas geht, schlagen sogar Flammen aus dem Auspuff.

Was der Smart-Händler aus dem westfälischen Borken auf die Räder gestellt hat, ist der wahrscheinlich schnellste Smart der Welt – und ein echter Sportwagen-Killer. „Ich habe schon Porsche-Fahrer weinen sehen“, erzählt Bo Schröer. Allerdings nicht auf der Autobahn, sondern bei Viertelmeilen-Rennen: Bei dieser Lieblingsbeschäftigung mancher Motorsport-Fanatiker treten zwei Autos auf einer abgesperrten Strecke nebeneinander an. Die traditionelle Renndistanz ist die Viertelmeile, rund 400 Meter, und es geht nur geradeaus – wer schneller ist, hat gewonnen. „Ich wollte wieder einmal Rennsport machen“, erzählt Bo Schröer den Werdegang seines Renn-Smarts, „und Viertelmeilenrennen sind vergleichsweise ungefährlich. Da sagte meine Frau: Mach doch einmal einen Smart so richtig schnell!“

Gesagt, getan? Ganz so einfach war es nicht, Bo Schröer musste viel Lehrgeld bezahlen. Die ersten Arbeiten – Spritzwand versetzen, den alten Motor aus- und den neuen einbauen – liefen noch reibungslos und waren nach drei Monaten erledigt. Doch mit der Kraftübertragung begannen die Probleme: „Einmal riss die Antriebskette komplett ab und hat das Glasdach des Smart zerschmettert“, erzählt Schröer. Die amerikanische Dragster-Szene lieferte schließlich die benötigten Teile, und bald konnten der unscheinbare Smart Fortwo und der auf 210 PS hochgezüchtete Motor einer Kawasaki Ninja ZX-10R erfolgreich Hochzeit feiern.

25.000 Euro investierte der Smart-Händler in sein Projekt. Eine Antriebskette aus der amerikanischen Superbike-Serie, eine handgemachte Antriebswelle und ein Cosworth-Differenzial trieben den Preis in die Höhe. Eine Straßenzulassung hat der Smart nicht, Bo Schröer kann ihn nur mit einer roten Nummer oder auf der Rennstrecke bewegen. Dennoch ist dem Wägelchen ein wenig Alltagstauglichkeit geblieben: Das Cockpit wurde inklusive Beifahrersitz kaum verändert, abgesehen von den Entlüftungsrohren am Heck weist auf den ersten Blick kaum etwas auf den radikalen Umbau hin. Sogar das Radio funktioniert noch. „Während der Fahrt kann man das natürlich nicht mehr hören, aber ich vertreibe mir damit die Wartezeit beim Rennen“, erzählt Schröer.

Bei den Viertelmeilen-Sprints gehen neben Serienfahrzeugen oft wild verbastelte Autos an den Start. „Mein Smart schafft die Viertelmeile in rund 13 Sekunden – schneller als ein Ferrari F 430. Man gewinnt praktisch gegen alles, was serienmäßig ist“, sagt Bo Schröer und grinst, wenn er an den verblüfften Gesichtsausdruck der zahllosen Gegner denkt, die er mit seinem Smart geschlagen hat. Die Verlierer nehmen es allerdings in der Regel mit Humor: „Ein Ferrari-Fahrer verliert lieber gegen meinen Smart als gegen eine Corvette oder einen Mustang“, glaubt Schröer.

Der Smart-Händler hat quasi seinen Beruf zum Hobby gemacht. In seinem Kfz-Betrieb in Borken verkauft Schröer ausschließlich leistungsgesteigerte und optisch veredelte Smarts – das ist sein Markenzeichen. Für die Kunden allerdings fällt das Tuning deutlich zurückhaltender aus, die Palette reicht bis 120 PS. Für Schröers Privatvergnügen sind 210 PS aber noch längst nicht die Grenze. Ihm schwebt bereits der nächste Umbau vor: „Wieder ein Smart Fortwo mit Motorrad-Motor, diesmal aber mit Turbolader und 330 PS“.
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Quelle: Autoplenum, 2010-01-08

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