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Testbericht

5. Februar 2009
Köln, 5. Februar 2009 - Ob "Mendocino" oder "Griechischer Wein": Wohl jeder von uns mag die bekannten Schlager mit den eingängigen Melodien. Auch im automobilen Bereich gibt es (Verkaufs-) Schlager, in diesem Fall Fahrzeuge, die der breiten Masse gefallen und die sich ein großer Teil der Bevölkerung leisten kann, man denke etwa an den VW Golf. Die Rolle des Golf nimmt bei Toyota der kleinere Yaris ein, welcher mit einem Anteil von 21 Prozent am Gesamtaufkommen das meistverkaufte Modell der Marke ist. Jetzt steht der Japaner dezent facegeliftet und mit einer neuen Motorvariante im Angebot beim Händler. Grund genug, einmal nachzusehen, ob der aufgefrischte Yaris mit 101 PS unter der Haube das Zeug zum Gassenhauer hat. Dezente Auffrischung Toyota hat die Einstellung, dass es am Äußeren des Yaris nur wenig Verbesserungsbedarf gab. Infolgedessen ist man beim Facelift behutsam vorgegangen. Klar, beim Beststellermodell sollen die Kunden nicht durch radikale Änderungen verschreckt werden, zumal die bisherigen Linien gut ankamen. In der Tat muss man schon Kenner sein, um die Modifikationen an der 3,78 Meter langen Karosserie zu entdecken: Am besten gelingt das bei den umgestalteten Rückleuchten, die etwas weiter nach außen rücken. Zudem wird das Bremssignal jetzt per LED-Technik angezeigt. Minimal fallen die restlichen Änderungen am Kühlergrill und an den Frontscheinwerfern aus. Außerdem gibt es drei neue Farben, von denen die grelle Lackierung "Vipergelb" ihrem Namen alle Ehre macht. Übersichtlicher Innenraum Nach dem Einsteigen fällt größer gewachsenen Menschen schnell auf, dass das Lenkrad auch in der höchsten Stufe zu tief steht. Auf den ersten Blick präsentiert sich das Cockpit luftig und übersichtlich. Allerdings wird die gute Kopffreiheit der vorderen Insassen mit einer weit vorn stehenden Frontscheibe und einem stark in die Tiefe gehenden Armaturenträger erkauft. Auch im Innenraum fallen die Änderungen dezent aus, unter anderem ist jetzt der Bereich der Mittelkonsole silber lackiert, zudem gibt es mehr Chromverzierungen. Die Bedienbarkeit lässt kaum Fragen offen, große Symbole und praktische Schalter erleichtern die Arbeit.

Billig wirkende Materialien Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Die Heizungsregler sind ein Stück zu tief angebracht und die mittig postierten Instrumente lenken den Blick von der Straße ab. In dem von uns getesteten Yaris 1.33 Dual-VVT-i Sol mit S-Paket gibt es analoge Anzeigen im Stil des Yaris TS, der mit dem Facelift aus dem Programm fällt. Normalzustand ist aber ein Digitaltacho. Nach wie vor ein dicker Minuspunkt ist die Qualität der im Innenraum verbauten Kunststoffe. Die Oberflächenanmutung ist bescheiden und stärkt nicht gerade den Soliditätseindruck des Autos. Speziell die Deckel der an sich praktischen, weil vielen Ablageflächen wirken dünn und labbrig. Natürlich ist klar, dass es sich hier um einen preissensiblen Kleinwagen handelt. Wir verlangen auch kein Wurzelholz oder Nappaleder, aber der Wertigkeitseindruck eines Fahrzeugs beginnt innen, wie beispielsweise Audi früh erkannt hat. Variables Kofferabteil Positives gibt es von der Rückbank und dem Kofferraum zu berichten: In dem von uns getesteten Fünftürer finden zwei Erwachsene problemlos Platz im Fond, auch wenn die Kopffreiheit ab etwa 1,85 Meter nicht mehr ganz optimal ist. Eine sehr gute Lösung ist die verschieb- und umlegbare Rückbank, die auch vom Kofferraum aus einfach bedient werden kann. Je nach Stellung der Bank stehen zwischen 275 und 363 Liter zur Verfügung, ganz umgeklappt sind es 1.183 Liter. Der Yaris-Besitzer kann somit entscheiden, für was er mehr Platz benötigt: Passagiere oder Ladegut. Optimal Drive: Auf der Jagd nach den Grammen Antriebsseitig heißt die neue Strategie von Toyota "Optimal Drive". Dahinter steckt das Ziel, auf verschiedenen Wegen die Verbrauchs- und Emissionswerte zu reduzieren. Beim Yaris bedeutet das eine Optimierung des Einliter-Benziners und des Diesels mit 1,4 Liter Hubraum, gleichzeitig fällt das TS-Modell mit seiner 1,8-Liter-Maschine weg. Herzstück der Öko-Maßnahmen ist der Austausch des bisherigen 1,3-Liter-Ottomotors mit 87 PS durch ein kompaktes 1,33-Liter-Aggregat mit 101 PS Leistung. Die auffallend krumme Hubraumangabe ist übrigens eine Idee des Toyota-Marketings, um den Unterschied zum Vorgänger herauszustellen. Im Vergleich zu diesen sinkt der CO2-Ausstoß um satte 21 Gramm auf jetzt exakt 120 Gramm, was dem Grenzwert der zukünftigen Kfz-Steuer entspricht.

Viel Technik auf kleinem Raum Der neue 1,33-Liter-Motor weist vier Zylinder auf und baut genauso kompakt wie der Einliter-Dreizylinder. Hinter der Zusatzbezeichnung "Dual-VVT-i" verbirgt sich eine duale variable Ventilsteuerung mit Steuerkette. Damit sollen effiziente Gaswechsel mit minimierten Ladungsverlusten erzielt werden. Außerdem werden in der Kaltlaufphase heiße Abgase zur schnelleren Erwärmung der Kühlflüssigkeit genutzt. Erstmals kommt beim Yaris 1.33 Dual-VVT-i eine Start-Stopp-Automatik zum Einsatz. Sie wird stets in Abhängigkeit einiger wichtiger Parameter gesteuert. Dazu zählen unter anderem die Betriebstemperatur des Motors, der Ladezustand der Batterie oder auch die Gebläselufttemperatur. So erfolgt beispielsweise keine Abschaltung, wenn ein niedriger Ladezustand der Batterie erkannt wird. Auf der Suche nach Spritzigkeit Schon Goethe schrieb: Grau ist alle Theorie. Höchste Zeit also, die neue Technik im Alltagsverkehr zu erfahren. Angenehm überraschend ist die Laufruhe des neuen Motors: Im Stand ist er fast nicht hören. Doch das ändert sich schlagartig, wenn man Gas gibt. Die nicht übersehbare Anfahrschwäche kann nur durch mehr Druck aufs Pedal kuriert werden. Ab etwa 2.500 Umdrehungen allerdings mischt sich ein kerniger Unterton in den bis dato turbinenähnlichen Motorsound. Die nackten Daten bestätigen die Drehzahlgier des kleinen Japaners, das maximale Drehmoment von 132 Newtonmeter liegt erst bei 3.800 Umdrehungen bereit. Bevor der Heizer-Vorwurf kommt: Für die Stadt ist der Motor ohne Frage ausreichend, aber von 101 PS bei 1,1 Tonnen Leergewicht erwartet man mehr, gerade vor dem Hintergrund einer Neuentwicklung. Mit zum eher gemütlichen Image trägt die serienmäßige Sechsgang-Schaltung bei, deren lange Wege und dicht beieinander liegenden Gänge ein allzu flottes Vorankommen vereiteln. Automatikfreunde müssen sich noch bis März 2009 gedulden, dann kommt ein automatisiertes Schaltgetriebe mit sechs Stufen. Start-Stopp in der Praxis Nicht umsonst hat uns Toyota mitsamt dem Yaris 1.33 Dual-VVT-i in die Stadt geschickt, um dort das Start-Stopp-System zu testen. Die Prozedur an der Ampel ist hinreichend bekannt und funktioniert bestens - sofern das System aktiv ist. Kontrollleuchten im Kombiinstrument zeigen dem Fahrer an, ob die Technik arbeitet oder nicht. Für uns überraschend, leuchtet dort oft die Mitteilung "Eco Off", auch wenn beispielsweise die Klimaanlage aus ist. Es hat den Anschein, als habe Toyota die entscheidenden Parameter für eine Deaktivierung des Systems sehr weit ausgelegt. Speziell hinsichtlich der Betriebstemperatur des Motors wartet die Technik lange, ehe sie bereit ist, im Stand abzuschalten. Wer sich übrigens mit der Start-Stopp-Technik gar nicht anfreunden mag, für den gibt es einen Schalter zwischen den Vordersitzen. Mit ihm kann das Ganze kaltgestellt werden.

ESP mit Aufpreis Die Stärken und Schwächen des Yaris 1.33 Dual-VVT-i liegen auf dem Tisch, doch kann er im wichtigen Kostenkapitel punkten? In Sachen Verbrauch liegt das neue Aggregat mit durchschnittlich 5,1 Liter auf 100 Kilometer rund einen Liter unter dem bisherigen Antrieb, obwohl es über 14 PS mehr verfügt. Das Basismodell startet auf dem Ausstattungsniveau "Cool". Wie der Name bereits verrät, gehört eine Klimaanlage hier zum Serienumfang. Mit dabei sind auch sieben Airbags, ein Audiosystem mit CD-Player und elektrische Fensterheber vorne. Ernüchternd ist hingegen die Tatsache, dass es zwar serienmäßig einen Knieairbag für den Fahrer gibt, aber ein bei Toyota VDC genanntes ESP beim "Cool" nur gegen einen Aufpreis von 520 Euro erhältlich ist. Laut Hersteller will man so den besonders preissensiblen Kunden die Wahl geben, wir finden jedoch, dass Sicherheit keine Frage des Geldbeutels sein sollte. Start bei 14.330 Euro Der Einstiegspreis für einen dreitürigen Yaris 1.33 Dual-VVT-i liegt bei 14.330 Euro für die "Cool"-Version, zwei hintere Türen kosten 700 Euro extra. Die höheren Ausstattungslinien "Sol" und "Executive" sind für 15.380 respektive 16.730 Euro zu haben. Beim "Sol" gibt es für 1.050 Euro zusätzlich ein S-Paket mit optischen Sportakzenten, während das 650 Euro teure Elegance-Paket für den "Executive" auf zusätzlichen Komfort setzt. Im Vergleich zum bisherigen Yaris-Einstiegsmodell mit 1,3 Liter Hubraum steigt der Preis zwar nominell um rund 500 Euro, jedoch war seinerzeit noch keine Klimaanlage inklusive. Gerade das Kleinwagen-Segment ist heiß umkämpft, sodass sich ein Blick auf die Konkurrenz lohnt: Für einen dreitürigen Opel Corsa 1.4 Twinport Edition mit 90 PS und Klimaanlage sind 15.120 Euro vonnöten, während der Ford Fiesta 1.4 Trend mit 96 PS nur 13.250 Euro kostet - allerdings ohne kühlen Kopf an Bord.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Benzinmotor
Hubraum:1.329
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:74 kW (101 PS) bei UPM
Drehmoment:132 Nm bei 3.800 UPM
Preis
Neupreis: 14.330 €
Fazit
Seine Anlagen sind gut, doch rundum überzeugen kann der Toyota Yaris 1.33 Dual-VVT-i nicht. Der neue Motor wirkt kraftlos und benötigt hohe Drehzahlen zum Vorankommen, die Start-Stopp-Automatik ist bisweilen zu inaktiv. Ob so das Sparziel von 5,1 Liter auf 100 Kilometer erreicht wird, ist fraglich. Gelungen ist das gute Platzangebot im Innenraum, während die Materialqualität im Verhältnis zum Kaufpreis zu wünschen übrig lässt. Schwerer noch wiegt die Tatsache, dass ein ESP nicht bei allen Varianten mit dem 101-PS-Motor serienmäßig ist. Wer fast nur in der Stadt unterwegs ist, sollte ein Auge auf den Basisbenziner mit 69 PS werfen, der 1.100 Euro billiger als der 1.33 Dual-VVT-i ist. Allerdings gibt es ihn nicht mit Automatik und nur bis zur Variante "Cool".
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2009-02-05

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