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Testbericht

20. März 2017
Wächtersbach, 21. März 2017

Der Amarok steht bei VW für Abenteuer, Vielseitigkeit, robuste Technik und Offroad-Kompetenz. Lange gab es den Pick-up nur mit Vierzylinder-Dieselmotoren, die weder dem Gewicht noch dem Einsatzzweck des Amarok wirklich Rechnung getragen haben. Glücklicherweise hat VW das Murren seiner Kunden gehört und bietet nun stattdessen einen V6-Diesel im Amarok an. Wie der Motor sich im rauen Gelände-Einsatz schlägt? Das klärt dieser Test.

9.000 Hektar Offroad-Spaß
Heute ist ein guter Tag: Ich stehe auf dem Weiherhof, eine knappe Stunde vom Frankfurter Flughafen entfernt. Das private Forstunternehmen vereint satte 9.000 Hektar Wald - größer als Liechtenstein! Auf dem gigantischen Areal schlängeln sich 500 Kilometer Waldwege durch die Landschaft. Ach ja: Einen aktiven Steinbruch gibt es hier auch. Perfekt für einen Offroad-Selbstversuch im V6-Amarok also. Das größere Aggregat löste im Amarok Ende 2016 die alten Vierzylinder-Motoren ab, da es zu aufwendig gewesen wäre, diese von der Euro-5- auf die Euro-6-Norm umzuschlüsseln. Der V6-Diesel ist bereits aus diversen Audi-Modellen bekannt und wurde für den Amarok weiter modifiziert: 1,5 Liter mehr Ölvolumen und die Innereien der 272-PS-Version des Motors sollen das im Amarok maximal 224 PS starke Triebwerk haltbarer machen. Immerhin verspricht VW eine Mindestlaufleistung von 300.000 Kilometer.

Solide Technik im V6-Amarok
Schon im Stand spürt man, dass der V6 den Amarok deutlich besser ausfüllt als der für einen Pick-up schon recht kleine Vierzylinder. Der Motor läuft ruhig und ein sonores Brummen erfüllt den Fahrgastraum. In meinem Testwagen ist die neben einem manuellen Sechsgang-Getriebe erhältliche Achtgang-Automatik verbaut. Kombiniert wird das Ganze mit einem permanenten Allradantrieb und einer sperrbaren Hinterachse samt Torsen-Differenzial. Auch ein Untersetzungsgetriebe für schwierige Geländefahrten ist an Bord. Böschungswinkel von 29 Grad vorne und 24 Grad hinten versprechen echte Offroad-Qualitäten.


Guter Komfort trotz Blattfedern

Wir setzen uns in Bewegung. Vorweg fährt ein Instruktor der Volkswagen-Driving-Experience, vier V6-Amarok folgen gehorsam. Über die Landstraße geht es in Richtung der ersten Gelände-Aufgabe. Der Motor drückt den Amarok mit 550 Newtonmeter ordentlich nach vorne, das Getriebe schaltet sanft und unauffällig. Laut Werksangabe geht es in unter acht Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Nicht schlecht, bedenkt man das doch recht hohe Leergewicht von knapp 2.100 Kilogramm. Auch der Fahrkomfort auf befestigten Straßen geht voll in Ordnung. Zwar sind beim Amarok hinten nur Blattfedern montiert, trotzdem muss er den Komfort-Vergleich mit dem Nissan Navara - der optional mit Schraubenfedern vorfährt - nicht scheuen.

Gelände? Schlamm? Kein Problem
Blinker rechts, ab ins Gelände. Zuerst stehen normale Waldwege auf dem Programm. Der Amarok schluckt die meisten Stöße von Wurzeln oder Wildgittern locker runter. Nach einem recht steilen Anstieg, bei dem das Automatikgetriebe eine tadellose Figur macht, erreichen wir eine nasse und aufgeweichte Wiese, die eher einem Schlammbad gleicht. Hier steht uns ein steiles Bergabstück bevor, bei dem die Untersetzung den Amarok stets im optimalen Geschwindigkeitsbereich hält - geschafft. Bei der darauffolgenden Schlammpartie wühlt sich der Pick-up dank V6-Power und ordentlichem Drehmoment spielerisch durch tiefe Furchen und ausgefahrene Spuren. Lediglich die Straßenreifen machen die Fahrt teilweise etwas querer als geplant - spaßig, aber langsam.

Nutzfahrzeug? Na, und?
Beim Warten vor dem nächsten Hindernis - einer tiefen Wasserdurchfahrt, etwa 30 Meter lang - bleibt Zeit, einen Blick auf das Interieur des Amarok zu werfen. Mein Testwagen verfügt über die zweithöchste Ausstattungsvariante "Highline" und damit über einige Annehmlichkeiten wie elektrisch verstellbare Komfortsitze, ein Multifunktions-Lederlenkrad oder einen 6,3-Zoll-Navi-Touchscreen. Trotzdem bleibt dem Amarok eine recht robuste Nutzfahrzeug-Haptik erhalten. Das Armaturenbrett fühlt sich nicht ganz so hochwertig an wie erwartet und auch die Türverkleidungen sind eher rustikal. Aber: Der Amarok will ja eher Gelände-Tier als Schickimicki-SUV sein, das geht also in Ordnung.

Der Amarok V6 macht einfach Sinn

Weiter geht's: Auch die recht tiefe Wasserdurchfahrt schafft der Amarok - trotz Straßenreifen - ohne Probleme. Zwar steht uns die braune Brühe nicht bis zum Fenster, ein Passat Alltrack wäre hier allerdings an seine Grenzen gestoßen. Und so verstehe ich auch, wieso der Amarok bei Förstern, Jägern, Waldarbeitern oder Baustellen-Befahrern so beliebt ist: Er macht einfach, was er soll. Das hat er schon mit dem Zweiliter-Vierzylinder, der V6 hebt die Erfahrung aber auf ein ganz neues Level. Gefällt mir!
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Anzahl Gänge:8
Getriebe:Automatikgetriebe
Motor Bauart:V-Dieselmotor mit Turboaufladung
Hubraum:2.967
Anzahl Ventile:24
Anzahl Zylinder:6
Leistung:165 kW (224 PS) bei UPM
Drehmoment:550 Nm bei 1.400-2.750 UPM
Preis
Neupreis: 49.765,80 € (Stand: März 2017)
Fazit
Der Amarok macht mit seinem neuen V6-Top-Triebwerk nicht nur im normalen Straßenbetrieb eine bessere Figur als bisher. Auch im Gelände profitiert der VW vom größeren Motor. Wer auf einen robusten deutschen Pick-up mit ordentlichen Kraftreserven gewartet hat, sollte jetzt zugreifen. + druckvoller V6-Motor, solide Technik, gutes Fahrwerk, hohe Offroad-Qualitäten - Innenraum mit rustikalem Nutzfahrzeugcharakter, kleiner Navi-Screen
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2017-03-20

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