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Testbericht

Sebastian Viehmann, 6. Februar 2012
In diesem Jahr feiert das Bobbycar seinen 40. Geburtstag. Doch gegen Stephan Kuehlers "Roddy" sieht das Kinderauto alt aus: Kuehlers elektrischer Hot Rod ist nicht nur deutlich cooler, sondern auch noch höllisch schnell.

Jedes Kind sitzt irgendwann zum ersten Mal auf einem Bobbycar. Mit seligem Grinsen rutscht der Nachwuchs über den Teppich, die Eltern haben den Knirps dabei dank des Schneckentempos jederzeit im Auge. Bei großen Kindern wie Stephan Kuehler wird das etwas schwieriger: Wenn er auf seinem "Roddy" hockt und Vollgas gibt, bleibt nur noch eine Staubwolke zurück.

Der elektrische Mikro-Renner schafft mühelos 30 km/h, und diese Grenze gibt es beim Serienmodell des Roddy auch nur aus Versicherungsgründen: "Mit einer entsprechenden Getriebeübersetzung wären locker 60 Sachen drin. Wahrscheinlich sogar mehr, aber wir haben uns noch nicht getraut, den Roddy auszufahren", grinst Kuehler, als er von seinem roten Flitzer wieder absteigt.

Eigentlich kümmert sich Kuehler nur um echte Automobile. Von Beruf ist er Autodesigner bei Kia, arbeitet seit Jahren an den Exterior-Entwürfen neuer Modelle mit. "Meine Kollegen und ich sind alle begeisterte Auto-, Rennsport- und Kartfans", erzählt Kuehler, "und irgendwann kam uns die Idee, einmal einen Hot Rod mit Elektromotor zu bauen."

Der Begriff Hot Rod stammt aus den USA und bezeichnet aufgemotzte puristische Rennflitzer, die sich optisch gern an klassische Modelle wie den 1932er Ford anlehnen. Auch der Roddy erinnert mit seinen wohl proportionierten geschwungenen Formen und dem aufrecht stehenden Maschen-Kühlergrill an solche Oldies und wirkt wie aus dem Vollen gefräst.

Angetrieben wird der Roddy von einem 750 Watt - knapp ein PS - starken Elektromotor. "Das hört sich nicht nach viel an, aber es ist immerhin ein ganzes Pferd", sagt Stephan Kuehler. Das E-Maschinchen bezieht seine Energie von drei Blei-Gel-Akkus, die eigentlich als Batterien für Motorräder dienen. Sie sollen rund eine Stunde und fünfzehn Minuten Fahrzeit ermöglichen. Wer ständig Vollgas gibt, verkürzt natürlich die Reichweite des Mini-Stromers.

Der Roddy ist wie ein klassischer Rennwagen konstruiert: Auf einem Aluminium-Spaceframe sitzt die Karosserie. Ein modifiziertes Gokart-Fahrwerk sorgt für eine knackige Straßenlage. Der Fahrer sitzt in leicht gebückter Haltung auf der Karosserie, die Füße stehen ganz vorn auf einer Raste und das Lenkrad steht horizontal. Zum Gasgeben und Bremsen dienen zwei Handpaddles unter dem Lenkrad.

Rund 100 Arbeitsstunden stecken in einem Roddy, der von Kuehler und einem losen Verbund verschiedener Mistreiter handmontiert wird. Dazu wurde das kleine Unternehmen Roddymotion gegründet. "Zurzeit bauen wir Nummer Drei und Vier, insgesamt haben wir schon 20 Aufträge", berichtet Kuehler. Jeder der winzigen Hot Rods wird nach Wunsch lackiert, so dass am Ende kein Roddy dem anderen gleichen soll. Billig ist der Spaß freilich nicht: Satte 6900 Euro kostet der handgearbeitete Elektro-Renner. Stephan Kuehler überlegt trotzdem schon, welche Extras man noch anbieten könnte: "Lenkräder und Sitzkissen aus Leder wären eine gute Idee", so der Designer.

Die Kunden, sagt Kuehler, seien bunt zusammengewürfelt. "Da sind Unternehmer genauso zu finden wie Rennfahrer. Einer davon will mit dem Roddy beim Rennen in der Boxengasse herum rasen", berichtet Kuehler. Bislang gehen alle Roddys an Abnehmer in Deutschland, doch bald soll das Hot Rod-Baby auch international durch die Gegend flitzen. Die passende Bühne dafür haben Kuehler und sein Team bereits ausgesucht: Sie wollen den Roddy beim nächsten 24-Stunden-Rennen von Le Mans den Besuchern präsentieren.
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Quelle: Autoplenum, 2012-02-06

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