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Testbericht

Stefan Grundhoff, 9. März 2011
Ein offener Mazda MX-5 gehört an sich auf eine kurvenreiche Küstenstraße oder auf eine Passstraße in die Berge. Dabei die Sonne im Haar und die rechte Hand auf dem knackigen Schaltknüppel. Doch es geht auch anders – MX-5 auf Eis – einfach heiß.

Der Frühling steht vor der Tür, der Schnee ist verschwunden. Zumindest in unseren mitteleuropäischen Breiten deutet derzeit nichts mehr auf eine Rückkehr des Winters hin. In Nordskandinavien sieht das aktuell ganz anders aus. Are ist das Kitzbühel Schwedens, Weltcup-Skiort und Partymekka. Die Saison geht hier bis Ende April – mindestens. Doch Are hat mehr zu bieten als steile Pisten, Apres-Ski und zauberhafte Winterlandschaften. Eine halbe Stunde von Are entfernt befindet sich Kall Autolodge. Im Winter gibt es hier die wohl spektakulärste Rennstrecke in Europa – fünf Kilometer auf blankem Eis. Hier soll der Mazda MX-5 zeigen, was er kann.

Die Verwendung des japanischen Spaßroadsters könnte kaum artfremder sein. Die Rennversion des Mazda MX-5 verzichtet auf allen überflüssigen Schnick-Schnack. Airbags, Sitzheizung, Radio und all das, was einem das Leben im Innenraum angenehm macht, fehlen völlig. Zudem wurden die beiden Normalsitze des MX-5 durch zwei Rennschalen ersetzt und ein Überrollkäfig montiert. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass das schützende Dach fehlt. Der renntaugliche Mazda MX-5 zeigt sich hier in Nordschweden ohne seine stramme Mütze. Dabei könnte man die bei diesen Temperaturen gut gebrauchen. Das Thermometer zeigt eindrucksvolle 28 Grad minus. Selbst bei Temperaturen unter 15 Grad plus machen viele Cabriofahrer ihr Dach nicht mehr auf. Wer so handelt eben ist kein echter Roadsterfan, denn der offene MX-5 zeigt hier auf Eis und Schnee sein ganzes Können. Wer träumt da noch von einer Tour auf dem Pacific Coast Highway oder eine Fahrt entlang des Comer Sees?

Damit es auf Kalls Eispiste auch so richtig rund gehen kann, wurde das MX-5-Fahrwerk leicht erhöht und in den bauchigen Radhäuser finden optisch wenig ansprechende Eisreifen ihren Platz. Die Pneus sind typisch für Eisrennen spindeldürr und mit Spikes übersäht. Keine Wolke am Himmel, das Thermometer ist auf eindrucksvolle minus 25 Grad angestiegen, geht es los. Beim kurzen Einrollen drehen die Hinterreifen selbst im zweiten und dritten Gang durch, als hätten sich die Spikes bei dieser Kälte schnell wieder in den Reifen zurückgezogen. Die erste Runde auf dem knapp fünf Kilometer langen Kurs ist anspruchsvoller als gedacht. Links und rechts von der rund zehn Meter breiten Eispiste lauern hohe Schneewände. Wer sich hier hinein verabschiedet, hat keine Chance jemals wieder herauszukommen – zumindest aus eigener Kraft. Vorsicht bleibt daher bei jedem Durchlauf die Mutter der Porzellankiste. Nach drei Runden hat man sich an den eisigen Untergrund gewöhnt. Die Strecke hat 43 Kurven – ein kurzes Stück geradeaus zur Entspannung wurde schlicht vergessen. So ist jeder Meter echte Arbeit. Zudem wird die Sicht durch vorausfahrende andere Fahrzeuge immer schlechter und über den gesamtem See legt sich nach Minuten eine Wolke sanften Eisstaubs.

Der winteroffene Mazda MX-5 Racing schlägt sich auf der Eisbahn eindrucksvoll. Die präzise Lenkung und die gute Gewichtsverteilung machen es einem so einfach wie möglich, auf Spur zu bleiben. Schließlich wird keine der 43 Richtungsänderungen normal Durchfahren. Auf Eis und Schnee wird gedriftet und schnell zeigt der Mazda MX-5, dass er hierfür eine Bestbesetzung ist. Allein der sportliche Ehrgeiz macht einem am Steuer immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Das Heck zuckt regelmäßig ein Stück zu viel heraus und bremst so den gewünschten Vortrieb jäh ein. Trotz der Leistungssteigerung von 160 auf 180 PS ist auf dem Kurvengeschlängel von Kalls Eispiste kaum mehr als Tempo 90 drin. Viel zu schnellen kommt die nächste Kurve und somit der nächste Drift. Nach ein paar Runden will man nie wieder aussteigen.

Es ist der Ritt auf der Kanonenkugel, mehr Tanzen denn Fahren und eine nicht enden wollende Grenzerfahrung. Der Pilot führt und der MX-5 gehorcht – zumindest meistens. Dabei ist jede Runde echte Arbeit, denn die Piste hat keine Kurvenkombinationen, sondern die ganze Strecke ist eine Dauer-Kurvenkombination mit Schikane-Charakter. Was bei dieser Schwerstarbeit am Steuer nie auffällt, ist die Kälte. Von den minus 20 bis 25 Grad merkt der Fahrer kaum etwas. Der eiskalte Fahrtwindzug an der Schädeldecke wird vom Helm wohlig behütet. Wer sagt denn, dass ein Roadster nur oberhalb von 20 Grad mit offenem Dach auf die kurvenreiche Straße gehört? Der Mazda MX-5 ist genau das richtige Auto für Schnee und Eis – vorausgesetzt man hat Spikes in den Pneus und einen Tanzkurs abgelegt.
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Quelle: Autoplenum, 2011-03-09

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