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Testbericht

Jürgen Wolff, 23. Juni 2018
Seit einem Jahr hat Škoda den Kodiaq im Programm. Doch der Allradler ist mehr als nur ein SUV mehr auf dem Markt. Er beweist auch im rauen Gelände seine Offroad-Qualitäten.

Eigentlich hätte diese Geschichte mit dem ersten Satz von Karl Mays Abenteuerroman \"In den Schluchten des Balkan\" beginnen sollen. Aber rund 50 Jahre nach der Erstlektüre ist selbst Karl May nicht mehr so, wie man ihn in Erinnerung hatte: \"Noch nicht lange waren wir geritten, als wir Hufschlag hinter uns vernahmen\" - das klingt eher dröge und so gar nicht nach Abenteuer und verwegenen Pfaden. Doch eine Fahrt durch die Schluchten und über die Höhenzüge des Balkan kann auch heute noch zu einem Abenteuer werden - zumindest abseits der befestigten Straßen. Und Hufschlag inklusive.

Zum dritten Mal schickte Škoda seinen Euro Trek los. Wie bei den beiden Touren zuvor ging es auch 2018 durch eher dünn besiedelte Landstriche Osteuropas. Der tschechische Autohersteller will mit diesen Touren zeigen, dass seine Allrad-Modelle mehr können, als nur den Nachwuchs zur Schule bringen, und für griffige Traktion beim Ampelstart zu sorgen. Škodas Allradler, so die Botschaft, sind vollwertige Geländewagen - vor allem der Kodiaq, der seit 2017 auf dem Markt ist. Knapp zwei Dutzend Kodiaq Scout 2.0 TDI SCR wühlten sich diesmal gut 700 Kilometer vom bulgarischen Sofia bis zur makedonischen Hauptstadt Skopje - ein Großteil davon über unbefestigte Wege und Pfade.

Der Kodiaq hat sich für den tschechischen Autobauer schnell zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Knapp 8.000 Stück wurden in den ersten vier Monaten 2018 in Deutschland zugelassen, rund 80% davon mit Allradantrieb. Die Fahrzeuge auf dem Euro Trek entsprachen dabei weitestgehend den Scout-Serienmodellen (ab 37.250 Euro) - sieht man mal von dem Dachträger samt Ersatzrad und der Kühlbox auf der Rückbank ab. Die technischen Daten: 140 kW/190 PS und 400 Nm maximales Drehmoment, 1.968 ccm Hubraum, Allradantrieb auf Basis einer elektronisch geregelten Lamellenkupplung an der Hinterachse, 7-Gang-DSG-Getriebe. Zu den wählbaren Fahrprogrammen gehört auch ein auf Knopfdruck aktivierbarer Offroad-Modus, der Fahrwerk, Motormanagement und Bremsen dem Gelände abseits der Straße anpasst. Die Höchstgeschwindigkeit, wenn man nicht gerade auf dem Balkan unterwegs ist: 210 km/h. Offizieller Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Im Gelände können es real aber auch schnell mal 14 Liter werden

Der erste Tag war wohl mehr als Vorspiel gedacht, als Schnupperkurs in Sachen Kodiaq. Vom Flughafen Sofia ging es in zwei Gruppen zu je elf Fahrzeugen noch vor allem über gut ausgebaute Straßen - vorbei am Vitoa-Gebirge und an Städten wie Samokow und Blanoewgrad über die Grenze nach Mazedonien und hoch bis auf 1.700 Meter. Ein bisschen Geländeturnen war zwischendurch auch noch eingebaut - so als kleiner Vorgeschmack.

Deutlich offroadiger wurde es am zweiten Tag - der dann auch die (wenigen) Schwächen des Kodiaq im Gelände offenlegte. Rund 13 Stunden ging es durch die Konecka-Berge und das Tikvestal, die weinreichste Gegend Mazedoniens. Über vier Etappen addierten sich gut 80 Kilometer reines Offroad-Fahren zusammen, durchweg über schlammige, steinige Wald- und Feldwege, oft mit tiefen Spurrillen. Immer wieder mal schrammte der Kodiaq dabei mit dem Unterboden über Felsen und Steine - 194 Millimeter Bodenfreiheit reichen für einen Geländewagen zwar meistens, aber eben nicht immer. Dank des serienmäßigen Unterfahrschutzes blieben ernsthafte Schäden allerdings aus.

Das zweite Problem: die Bereifung. Um in der Serienausstattung zu bleiben, waren auf den Fahrzeugen des Euro Trek keine Gelände-, sondern Winterreifen aufgezogen. Das führte zu zahlreichen Reifenpannen, weil spitze und scharfkantige Steine zu einfach die relativ dünnwandigen Pneus beschädigen konnten. In weiser Voraussicht hatten die Škoda-Mechaniker schon mal 40 Ersatzreifen mit nach Mazedonien gebracht. Allein an einem Tag mussten schon bei einer Gruppe dreizehn Reifen gewechselt werden. Manche Fahrer traf es drei Mal hintereinander - da reichte dann auch nicht das eine Ersatzrad auf dem Dach. Mit Geländereifen allerdings hätte der Kodiaq auch dieses Problem gut gemeistert.

Und wohl auch ein zweites: Durch heftige Regenfälle waren die Wiesen und Fahrspuren völlig verschlammt, über die es am dritten Tag durch die Nationalparks Galicica und Mavrovo nach Skopje ging. Die Parks sind weitgehend menschenleer, aber - gegen einen entsprechenden Obulus - zumindest in Teilen für Fahrzeuge offen. Der rote Schlamm verklebte schnell die Profile der Reifen und machte Slicks aus ihnen. Nur mit Mühe, viel Einsatz der Service-Crew und mitunter schierer Muskelkraft waren einige Fahrzeuge wieder frei zu bekommen. Aber: Alle kamen gut in Skopje an - verdreckt, verschlammt und mit luftleerem Reifen auf dem Dach. Aber komplett und ohne nennenswerte Schäden.

Was bleibt als Fazit? Zum einen, dass es in Mazedonien noch viele großartige Szenerien gibt, die touristisch kaum erschlossen sind - und gerade deswegen den Besuch lohnen, bevor der Run losgeht. Und zum anderen, dass der Škoda Kodiaq durchaus auch als \"richtiger\" Geländewagen durchgehen kann.
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Quelle: Autoplenum, 2018-06-23

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