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Testbericht

S. Grundhoff / S. Viehmann, 20. April 2009
Keine Spur von schlechter Stimmung auf der Shanghai Auto 2009. Während der Rest der Welt unter der Krise leidet, präsentieren sich die Autohersteller mit Freuden auf dem größten Wachstumsmarkt der Welt.

Auch wenn die Zuwachsraten nicht mehr derart imposant sind wie in den vergangenen Jahren: Die Automobilhersteller haben an dem chinesischen Markt nach wie vor ihre Freude. So ist auch die Stimmung im Messezentrum Shanghai anders als auf den letzten Motorshows in Detroit, New York oder Leipzig mehr als zufrieden. Rund ein Fünftel mehr Ausstellungsfläche sind ein deutlicher Fingerzeig. Und: Die Messehallen sind voll.

Besucher drängen sich dicht an dicht und gerade die chinesischen Firmen gehen in die Vollen. Build Your Dreams (BYD), Chery oder Geely geben Vollgas und wollen sich mit aller Macht gegen die europäische Armada von Luxusmobilen und PS-Protzen stemmen. Die Weltpremieren von Porsche Panamera, Mercedes S-Klasse oder dem bayrischen Luxusduett BMW 760 Li und BMW X5 M zeigen eindeutig wohin der Markt in den China geht: Für Kleinwagen interessiert sich trotz der deutschen One-Man-Show Smart Fortwo und der einiger Einstiegsmodelle wie Chery QQ-me oder Chery M1 niemand wirklich. Stattdessen drängeln sich die Asiaten an den Leistungsprüfständen in den elf Messehallen bei Luxusmobilen oder Sportskanonen. Nissan GT-R, Lamborghini LP 670-SV oder eben der Porsche Panamera sind die wahren Publikumsmagneten. Von Rezession und schlechter Stimmung ist insbesondere bei den deutschen Herstellern keine Spur. Platzhirsch Volkswagen präsentiert stolz den neuen Passat Lingyu und Audi freut sich über aufgefrischten Modelle des Audi Q7 und Audi A6 L. Schließlich haben die Ingolstädter im angelaufenen März gerade den besten Monat aller Zeiten in China hingelegt. Da will sich auf der Autoshow niemand beschweren.

Bei den chinesischen Herstellern gibt es Masse, Klasse und Plagiate - wenngleich nicht mehr derart auffällig wie in den Jahren zuvor. Knapp 20 neue Modelle lässt allein Geely auf seine Kundschaft los. Besonders spektakulär: Die Luxusversion namens Englon im Design des Rolls-Royce Phantom. Die 5,30 Meter lange Karosse soll umgerechnet rund 100.000 Euro kosten und pro Jahr für 1.000 chinesische Kunden eine elitäre Alternative zu Honqui, Audi A8, BMW 7er und Mercedes S-Klasse sein. Zurückhaltender zeigt sich die Automesse Shanghai in Sachen Hightech und Zukunftstechnologien. An nahezu jedem Stand eines chinesischen Autobauers gibt es ein Modell mit plakativem "Hybrid"-Schriftzug zu bestaunen. Doch auch im Reich der Mitte gilt: Real sind zwar ein paar Hersteller auf dem Weg zur Elektrifizierung, jedoch fehlen Modelle, die in naher Zukunft tatsächlich auf den Markt kommen. Immerhin zeigen Fahrzeuge wie der Geely IG, dass auch in China alternative Antriebe ein Thema sind.

Überhaupt bemühen sich die heimischen Hersteller wie Geely, BYD, Haima, Dongfeng, Brilliance oder Roewe, nicht nur mit Billigmodellen auf sich aufmerksam zu machen. Die Fortschritte in Sachen Design sind unverkennbar. Und auch in den unteren Fahrzeugklassen will man VW, Mercedes und Audi nicht allein das Feld überlassen.

Doch auch wenn die Tendenzen zu eigenem Design sowie einer Mischung aus europäischer und asiatischer Formensprache spürbar sind: Es wird nach wie vor so kräftig abgekupfert, dass einem Angst und Bange wird. Brillance zeigt mit dem EV die hellblaue Studie eines Elektrokleinwagens, der dem VW Up wohl kaum aus Zufall wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Landwind haucht dem Opel Frontera als Spaßmobil X9 neues Leben ein. Und auch der Riich X1 von Chery scheint leichte Anleihen bei europäischen Pseudo-Crossovern genommen zu haben. Und dass Hummer H-1 nicht unbedingt aus den USA kommen müssen, sieht man bei Dongfeng.

Mit dem Riich M1 präsentiert Chery einen hochwertigen Kleinwagen, der von einem 75 PS starken Vierzylinder angetrieben wird. Nicht nur wegen der sparsamen Sicherheitsausstattung hätte der Viersitzer in Europa keinerlei Chancen. Schon gefälliger erscheinen da die Great-Wall-Modelle Hover H7 oder der CHC011. Klein und asiatisch verspielt wirken das rosa Spielmobil Chery QQ-me oder der JAC AO11.

Da tun sich die Kooperationen zwischen chinesischen und europäischen Herstellern leichter. Neben dem Porsche Panamera ist der neue VW Passat Lingyu als kleiner Bruder des Magotan ebenso eines der volumenstarken Messehighlights wie der Citroen C4 Stufenheck, der zusammen mit Dongfeng vertrieben wird. Die in unseren Breiten so beliebten Dieseltriebwerke haben in China übrigens keine Chancen. Hier sind allein Nutzfahrzeuge mit Selbstzündertechnik unterwegs.
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Quelle: Autoplenum, 2009-04-20

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