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Testbericht

Sebastian Viehmann, 14. Juni 2009
Gegen die 24 Stunden von Le Mans ist das Rennen am Nürburgring eine Seifenkisten-Parade. Mehr als 200.000 Besucher toben sich in einem gigantischen Vergnügungspark aus – Vollgas rund um die Uhr, Riesenrad und knappe Kleidchen inklusive.

Plötzlich beginnt der Beton zu bröseln. Das Gefühl hat man zumindest, wenn das gesamte Starterfeld in Le Mans die Motoren aufheulen lässt und mit Vollgas von der Start- und Ziel-Geraden in die Dunlop-Kurve kachelt. Tausende Besucher auf den Tribünen recken die Hälse, um die PS-Boliden im Blick zu behalten. Das ist in Le Mans nicht einfach: Schon auf den ersten Abschnitten der 13,5 Kilometer langen Strecke erreichen die ganz Schnellen wie der Audis R15 TDI bis zu 290 Sachen. Auf der legendären Hunaudières-Geraden werden es mehr als 320 – und das auch nur, weil die Piste dort durch zwei Schikanen entschärft wurde.

Das wichtigste Utensil bei dem französischen Mega-Rennen sind in jedem Fall Oropax. Den Lärm, mit dem die PS-Monster ungefiltert die Luft zum Zittern bringen, ist unbeschreiblich. Wer sich nicht zu den ganz Harten zählt, steckt zumindest in Streckennähe Stöpsel in die Ohren. Besorgte Eltern statten ihre Kinder gleich mit Ohrenschützern im XXL-Format aus. "Wenn sich mein Sohn darüber beschwert, sage ich ihm einfach: Alle wichtigen Leute in den Boxen tragen auch solche Schützer. Dann will er sie gar nicht mehr absetzen", verrät ein französischer Papa seine Erziehungstricks.

Die 24 Stunden von Le Mans - das ist nicht nur ein Autorennen. Über 200.000 Menschen schauen sich jedes Jahr das Langstrecken-Event an, 2007 war es gar eine Viertelmillion. Am Rennwochenende bricht rund um die Riesen-Piste der Verkehr komplett zusammen. Auf dem winzigen Flugplatz stehen dicht an dicht Dutzende Chartermaschinen und Privatjets auf dem Rasen. Daneben gehen am laufenden Band Hubschrauber nieder, um die ganz wichtigen Personen im Renn-Business abzusetzen.

Auf dem unübersichtlichen und extrem weitläufigen Gelände innerhalb der Rennstrecke muss man auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen, wenn man sich nicht die Füße wund laufen will: Motorroller und Quads, manchmal mit Ersatzteilen oder Reifenstapeln im Schlepptau, bahnen sich in halsbrecherischem Tempo einen Weg durch die Zuschauermassen. Selbst wer mit Motorsport nichts am Hut hat, kann in Le Mans seinen Spaß haben. Ein Vergnügungspark samt Riesenrad und Luftschaukel schmiegt sich direkt an die Tribünen. Fliegende Händler und Souvenir-Shops bieten vom Modelauto bis zum Rennanzug für Kleinkinder alles feil, was irgendwie nach Benzin im Blut riecht. Leicht bekleidete Damen stolzieren als laufende Reklametafeln umher. Auf den ausgedehnten Campingplätzen glühen junge Leute aus aller Welt schon am Nachmittag ordentlich vor, um dann bis in die Puppen durchzufeiern. Die Kehrseite der Medaille sieht man schnell: Allerorten bedeckt Müll die Wiesen, Tankwagen drehen im Akkord ihre Runden, um die Toiletten abzupumpen.

Nachts legt sich das bunte Treiben etwas. Dafür wird die Atmosphäre an der Piste umso dichter – und viele Tribünen sind immer noch gut mit Zuschauern bestückt. Die Xenon-Schweinwerfer der vorbei jagenden Rennwagen und ihre rot glühenden Bremsen erhellen den Asphalt. Der Lärm der Motoren dringt noch schärfer durch die Nacht. Piloten und Rennteams werden immer nervöser. Jeder Fehler hat umso dramatischere Konsequenzen, je näher das Rennende rückt.

Die Boxenstopps im gleißenden Scheinwerferlicht sind sehenswert: Knapp vor dem Schild eines Helfers kommen die Boliden zum Stehen, ein Mann beseitigt hastig das Fliegen-Massengrab auf der Windschutzscheibe, per Teleskopschlauch wird Sprit nachgefüllt, zwei Mechaniker wechseln die Reifen. Manchmal werden auch Einstellungen am Auto verändert – Audi ließ beim Rennen zum Beispiel die Nasen an zwei der R15 TDI austauschen, um unterschiedliche Aerodynamik-Varianten durchzuprobieren.

Das einzige, woran es dem 24-Stunden-Rennen mangelt, ist die Gelegenheit zum Schlafen. Für ihre Mitarbeiter haben die Werksteams Containerhotels - doch kaum jemand zieht sich dort auf seine Pritsche zurück. In den Zelten der Camper wird gekuschelt oder gedöst, aber selten tief und fest geschlafen. In den Boxen lassen sich durchgeschwitzte Fahrer oder abgelöste Mechaniker in voller Montur erschöpft in die Klappstühle fallen und nicken trotz des Höllenlärms um sie herum ein.

Für viele heißt es jedoch: Wir machen durch bis morgen früh – oder gleich bis zum Rennende. Auch die Teilnehmer des Mazda MX-5-Treffens, das parallel zum Rennen in Le Mans stattfand, waren rund um die Uhr in Partylaune. "Le Mans ist einfach einmalig", sagt der französische Mazda-Sprecher Manuel Bortone. Hektisch, bunt, faszinierend, vielleicht ein bisschen chaotisch – aber in der Atmosphäre eben unerreicht.

Quelle: Autoplenum, 2009-06-14

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