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Testbericht

Sebastian Viehmann, 26. Januar 2011
Wo der Liter Sprit weniger kostet als eine Flasche Wasser, darf es beim Auto gern eine Nummer größer sein. Oder auch zwei. Die erste Qatar Motor Show feiert dicke Brummer und schnelle Flitzer, da nützt selbst das Ein-Liter-Auto nichts.

Wenn Autohersteller ins Morgenland aufbrechen, haben sie Dollar-Zeichen in den Augen. Trotz Wirtschaftskrise gibt es in den Emiraten noch satte Zuwächse und dank des niedrigen Altersdurchschnitts der Bevölkerung auch langfristiges Wachstumspotenzial. In Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar, werden jeden Monat 10.000 neue Autos zugelassen. Auf den Straßen sieht man entweder verbeulte Pick-Ups oder dicke Geländewagen und Luxusschlitten, dazwischen gibt es nicht viel. An den Tankstellen stehen nicht einmal Preistafeln, weil die 20 Cent pro Liter Sprit niemanden interessieren.

So ist denn auch das Ultrasparmobil XL1, das Volkswagen auf der ersten Automesse des Emirats ins Rampenlicht rollt, ein echter Exot. Die Katarer mustern das flache Gefährt, das dank Plug-In-Hybridsystem auf den ersten 100 Kilometern nur 0,9 Liter Diesel verbraucht, mit höflichem Interesse. Danach drehen sie sich auf dem Absatz um und bestaunen lieber den Race Touareg. Das protzige Show Car basiert auf VWs Rallye Dakar-Auto. Es hat goldfarbene Felgen, einen Überrollkäfig im Cockpit und Ersatzräder im Kofferraum. Man darf gespannt sein, ob VW den zivilen Rallye-Boliden in einer Kleinserie baut.

Die Nachfrage jedenfalls wäre da und die Finanzkraft ebenfalls – zwei Punkte, die auch Dimitry Krivtsov von der Firma Invader als selbstverständlich voraussetzen kann. Sein Unternehmen motzt in Japan Lexus-Geländewagen auf, und das nach allen Regeln der Kunst. Mit extrabreiten Anbauten und Trittbrettern ist beim Invader L60 zwar jegliche Offroad-Fähigkeit dahin, aber für die Boulevards in Katar oder Dubai ist die 600 PS starke Wuchtbrumme mit vergoldeten Felgen genau das richtige. „Wir mussten sogar kurzfristig ein neues Ausstellungsfahrzeug organisieren, weil das erste Auto schon vor der Messe verkauft war“, erzählt Krivtsov. Mit Lieferzeiten braucht man den Scheichs gar nicht erst zu kommen, kaufen und gleich mitnehmen lautet die Devise.

Im Vergleich zur Dubai Motor Show geht es in Katar allerdings etwas dezenter zu. Die Zahl der Tuner auf der Messe ist gering, auch auf den Straßen wird der Reichtum im streng religiösen und deutlich finanzstärkeren Katar nicht so zur Schau gestellt wie in Dubai. Der Geländewagen, den man am häufigsten sieht, ist der Toyota Land Cruiser - gern natürlich mit V8-Motor. Üppig aufgemotzte Schlitten sind eher selten.

Folglich ist auch das Sondermodell, das Porsche in Katar zeigt, optisch zurückhaltend ausgefallen. Der Panamera 4S Exclusive Middle East Edition ist in Carrera-Weiß lackiert und hat eine rote Lederausstattung. Das auf 66 Exemplare limitierte Sondermodell war schon vor der Messe ausverkauft. Die Katarer lieben die Marke aus Zuffenhausen, das Emirat hält zehn Prozent der Stammaktien des Sportwagenbauers. Porsches Zuwachs in den Regionen Mittlerer Osten und Afrika lag im Jahr 2010 bei 20 Prozent, 6842 ausgelieferte Autos sorgten für einen Rekordabsatz.

Bei Lamborghini zeigt man sich farbenfroher als Porsche, das Sondermodell Gallardo LP 560-4 Bicolore kommt in kräftigem Orange oder anderen knalligen Tönen daher. Von der Gürtellinie aufwärts präsentiert sich der Bicolore dagegen im Schwarzton „Nero Noctis“. Italienische Gefühle wollen auch mehrere Designstudios wecken, die sich auf einem gemeinsamen Stand präsentieren. So zeigt Fioravanti den allerdings schon elf Jahre alten Roadster F100r. Pininfarina hat den Winzling Nido mitgebracht. Der Zweisitzer schaffte es bereits als Exponat ins New Yorker Museum of Modern Art. Erstmals auf einer Autoshow zu sehen ist der C-Sport Qatar, eine Kompaktwagen-Studie des Turiner Designbüros Autostudi. „Wir wollen auf der Messe Interessenten für eine Umsetzung dieses Projekts finden“, sagt eine Sprecherin der Designer.

Sowohl die Global Player als auch die kleinen Kreativen der Autoszene hoffen auf goldene Zeiten im Morgenland. Dabei lockt nicht nur die Finanzkraft der Scheichs, sondern auch die Begeisterung für neue Projekte. Die Themen Nachhaltigkeit und alternative Antriebstechnologien sind dabei nicht so weit entfernt, wie es der Hang zu PS-starken Autos vermuten lässt. Das Unternehmen Qatar Automotive Gateway (Qatar Ag) will die Produktion von Fahrzeugkomponenten in den Mittleren Osten holen, darunter auch Komponenten für Elektroautos.

Auf einer Tagung im Rahmen der Automesse machte Qatar Ag-Vorstandschef Ghanim Bin Saad Al-Saad deutlich, dass man noch viel vor hat: „Wir bieten großartige Investitionsmöglichkeiten und wollen die Autoindustrie anziehen“, so Al-Saad. Die Hersteller machten gerade weltweit einen enormen Wandel durch, und die Gewinner dieses Wandels seien klar: „Die Transformation der Branche entwickelt sich in Richtung Osten“, so Al-Saad.
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Quelle: Autoplenum, 2011-01-26

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