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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 16. Mai 2016
In einem ausrangierten Augsburger Straßenbahn-Depot befindet sich das spektakulärste Mazda-Museum der Welt. Für Walter Frey und seine beiden Söhne Joachim und Markus geht ein Lebenstraum in Erfüllung. Derart viele Klassiker gibt es nicht einmal in der japanischen Mazda-Zentrale.

Wenn es um seine Mazdas geht, versteht Walter Frey keinen Spaß. Mit viel Geduld und in mühevoller Sucharbeit hatte der Chef dreier Autohäuser einen extrem seltenen Mazda Pathfinder XV 1 gefunden und gekauft. Dieser Jeep wurde in Myanmar gebaut und vom dortigen Militär genutzt. Jetzt stand so ein seltenes Vehikel in Augsburg. Nur ein Motor fehlte noch. Walter Frey, ein Mann der Tat, griff zum Telefon und rief den deutschen Botschafter in dem südostasiatischen Land an: "Können Sie mir einen passenden Motor besorgen?" Der Diplomat reagierte mit wenig Verständnis auf die Sammlerleidenschaft des freundlichen älteren Herren und lehnte das Ansinnen ab. Walter Frey schickte noch ein paar eindeutige Worte durch die Leitung, knallte den Hörer auf die Gabel und nahm sein Glück selbst in die Hand.

Jetzt ist der grüne Pathfinder eines der Schmuckstücke der an Raritäten nicht armen Mazda-Privat-Sammlung der Familie Frey und steht in einem ausrangierten Straßen-Depot der bayerischen Stadt. Damit ist für die Freys ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. "Wir wollten unsere Autos immer an einem Ort haben", erklärt der älteste Sohn Joachim. Zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater bildet er ein Dreigestirn, bei dem Benzin im Blut eine Verkennung der Tatsachen darstellt. Bei den Freys fließt mehr Benzin als Blut durch die Adern. Rund 200 Autos haben sich die drei Männer im Laufe der Jahre zusammengesucht, davon sind 120 Mazdas und 80 Fahrzeuge anderer Marken - darunter solche Schmuckstücke wie ein Alfa Romeo Montreal. Eines ist Ehrensache: "Die Autos im Museum sind alle fahrbereit", betont Markus Frey.

Warum eigentlich Mazda? "Schuld" Walter Freys Faible für die japanische Marke und die Wankelmotoren ist ein Berufsschullehrer, der ständig über dieses Antriebskonzept schimpfte. "Also habe ich mich erst recht für dafür interessiert", erzählt Frey Senior, der damals eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolvierte. Diese Leidenschaft hat er an seine beiden Söhne Joachim und Markus weitervererbt. Die drei Männer besitzen drei Mazda-Autohäuser, lieben die Motoren mit den rotierenden Kolben und basteln in ihrer Freizeit nach an den Autos, die sie mit viel Liebe restaurieren. "Wir treffen uns traditionell am Karfreitag und schrauben an unseren Autos. Deswegen heißt dieser Tag bei uns auch \\\'Car-Freitag\\\'", lacht Markus. Dass es da nicht ohne Kollateralschäden abgeht, hat Frey Senior vor wenigen Wochen am eigen Leib erfahren, als er sich mit dem Schweißbrenner den Daumen versengte.

Das Trio versuchte, bei einer echten Rarität den Auspuff zu befestigen. "Da haben wir ganz schön Lehrgeld bezahlt", stöhnt Joachim Frey. Der Einsatz hat sich gelohnt: Das Mazda GB-Dreirad, Baujahr 1950 gehört zu den Schmuckstücken des privaten Museums. Der Weg zu dieser exquisiten Sammlung war steinig. Zehn Jahre reifte der Traum vom zentralen Schaufenster. Vorher frönten die Freys ihrer Sammlerleidenschaft und hatten die Autos in verschiedenen Hallen untergebracht. Der Ruhm der Augsburger schwappte bis nach Japan und beeindruckte sogar den obersten Mazda-Chef, der dem Ansinnen der Deutschen, ein Privat-Museum zu eröffnen, grünes Licht beschied. Aber bis der richtige Platz gefunden war, vergingen etliche Monate. "Ich hätte ja gerne Neuschwanstein gekauft, aber das ging nicht", lacht Walter Frey. Selbst der Augsburger Bürgermeister half bei der Suche und fuhr mit den Freys verschiedene Standorte ab, letztendlich fiel die Wahl auf ein baufälliges Straßenbahndepot und 2011 wurde der Vertrag unterschrieben.

Jetzt ging die Arbeit erst richtig los. Das Gemäuer musste in einen vorzeigbaren Zustand versetzt werden. Nebenbei hatten die Freys ja auch noch ein paar Autohäuser zu leiten. Angesichts des erbärmlichen Zustands der Gebäude, machten sich bei den Männern Zweifel breit. "Packen wir das überhaupt". Aber geht nicht, gibt es nicht im Freyschen Universum: Im Oktober wird das Museum offiziell eröffnet. Dann warten rund 50 Mazdas auf die Besucher. Nun atmet das Trio auf. Vor allem, weil jetzt in den anderen Hallen wieder mehr Platz für weitere rollende Objekte der Begierde ist. Ein Auto zu verkaufen, verbieten sich die Freys. Selbst bei mehreren gleichen Modellen? "Ja, aber die haben doch eine unterschiedliche Farbe", lautet die ob der Frage etwas ungläubige Antwort unisono aus drei Mündern.

Die Sammlung ist ziemlich komplett. "Große Lücken haben wir nicht mehr", erzählt Joachim, der kühler Rechner, der die beiden anderen immer wieder zur Vernunft mahnt. Die Entscheidung, ob ein Vehikel gekauft wird, wird immer demokratisch getroffen - bei drei Personen gibt es auch immer eine klare Mehrheit. Die Jagdleidenschaft der Freys ist aber noch längst nicht erloschen im Gegenteil. Die Einzelteile des nächsten Highlights liegen schon bereit, um in mühevoller Kleinarbeit zusammengesetzt zur werden. Das Puzzle ist ein Mazda 727C Le-Mans-Rennwagen aus dem Jahr 1984. Das wird neben dem ebenso legendären und seltenen Mazda Cosmo dann auch eines der teuersten Exponate der Ausstellung. Bei all ihrer Freude über jede neue Trophäe ist allen Dreien aber auch eines klar: Ohne das Verständnis der Frauen und der Familien, die den Männern ihren Tick lassen, wäre dieses grandiose Privat-Museum nicht denkbar.
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Quelle: Autoplenum, 2016-05-16

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