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Testbericht

Sebastian Viehmann, 27. Januar 2008
Renault hat einen echten Wolf im Schafspelz: Der Clio lässt sich mit einem 100 PS starken Turbomotor befeuern - aus nur 1,2 Litern Hubraum. Das versprochene Wunder an Sparsamkeit bleibt allerdings aus.

Als der Renault 5 Turbo 1980 auf den Markt kam, war er ein echter Fußgänger-Schreck. Sein 1,4-Liter Vierzylinder leistete 160 PS und hatte ein Drehmoment von 210 Newtonmetern. Mit einer Beschleunigung von 6,9 Sekunden auf 100 km/h konnte er so manchem Sportwagen gefährlich werden. Fast drei Jahrzehnte später feiert das Konzept "Kleiner Hubraum + Turbolader = mächtig Fahrspaß" eine Auferstehung bei vielen Herstellern. Allerdings geht es nicht um aufgebohrte und verspoilerte Porsche-Schrecks, sondern um Kleinwagen, die möglichst sparsam und trotzdem flink unterwegs sind. Renault setzt dabei auf einen 1,2 Liter kleinen 16V-Vierzylinder namens TCE.

Mit 100 PS und 145 Newtonmetern Drehmoment spielt der 1.2 TCE in der Liga deutlich hubraumstärkerer Motoren. Bis 4000 Touren ist seine Kraftentfaltung diesen Aggregaten überlegen – auch beim Verbrauch. Erst ab 4000 Umdrehungen habe ein normaler Saugmotor mit größerem Hubraum die Nase vorn, behauptet Renault. Damit dem TCE bei Überholmanövern nicht die Puste ausgeht, gibt es eine Overboost-Funktion. Sie liefert eine kurzfristige Leistungsspritze von 5 PS im zweiten, dritten und vierten Gang.

Die Fahrleistungen des TCE sind in der Tat beachtlich. Er sprintet ohne nennenswertes Turboloch munter los, rennt in 11,1 Sekunden auf 100 – die gefühlte Beschleunigung liegt bei höchstens zehn Sekunden. Beim Überholen hält der Renault eine satte Kraftreserve parat. Auf der Autobahn muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass sich unter der Haube nur 1,2 Liter Hubraum befinden – denn der TCE legt los wie ein Großer. Bergab ließ sich der Clio einmal laut Tacho auf fast 210 Km/h bringen, ohne dass die Nadel des Drehzahlmessers den roten Bereich berührte. Die Anstrengung des Motörchens bei hohem Tempo merkt man freilich am Geräuschniveau, und auch das Fahrwerk ist dafür nicht ausgelegt.

Bedeutender als der Geschwindigkeitsschub ist denn auch die Tatsache, dass dem kleinen Turbo-Clio auf Steigungen nicht die Puste ausgeht. Wo Kleinwagen mit wenig Hubraum passen müssen, schiebt der TCE-Motor den Clio noch munter voran.

Leider hält der Renault an der Tankstelle nicht, was die Werksangabe (5,9 Liter im Durchschnitt) verspricht. Wenn man dem Clio die Sporen gibt, schluckt er natürlich mehr Sprit. Die beachtliche Leistung im unteren Drehzahlband verführt dazu, die fünf Gänge weit auszufahren und sich an den Turbo-Schüben zu erfreuen. Doch auch bei betont verhaltener Fahrweise auf Autobahn und Landstraße gelang es uns nie, den Testwagenverbrauch auf unter sieben Liter zu drücken.

Ein Minuspunkt am Clio ist auch seine Lenkung. In der City und beim Einparken kann man den kleinen Franzosen mit zwei Finger am Volant bewegen. Doch bei schneller Fahrt und vielen Kurven stört die indirekte Lenkübersetzung. Bei Bodenwellen ist die Lenkung stößig und vermittelt keinen optimalen Kontakt zur Fahrbahn. Dafür ist der Fahrkomfort ausgezeichnet. Nachts zeigt sich der Vorteil des Kurvenlichts: Beim Abbiegen und in engen Kurven wird die Straße deutlich besser ausgeleuchtet.

Überhaupt ist der Clio ein unproblematisches Alltagsauto – einsteigen, losfahren, wohl fühlen. Die Sitzposition ist bequem, der Platz auf den Vordersitzen üppig, die Übersicht gut. Die Bedienung des Franzosen erklärt sich von selbst. Auch der auf den ersten Blick komplizierte Bedienungs-Satellit am Lenkrad für das Radio- und Navigationssystem erweist sich nach ein paar Tagen Eingewöhnungszeit als äußerst praktisch. Den Sender oder den CD-Track zum Beispiel verstellt man mit einem kleinen Rädchen.

Als Sondermodell "Exception" hat der Clio unter anderem Bordcomputer, Kurvenlicht, Klimaanlage, CD-Radio, Lederlenkrad sowie eine kombinierte Stoff-/Lederpolsterung an Bord. Ein Sonderangebot ist der Clio dann aber nicht – 16.350 Euro sind für den 1.2 16V TCE Exception fällig. Günstiger ist das Sondermodell "Rip Curl" für 14.450 Euro, das den gleichen Motor an Bord hat. ESP kostet bei allen Modellen Aufpreis, nur die Top-Version des Clio namens "Initiale" hat es serienmäßig an Bord.

Quelle: Autoplenum, 2008-01-27

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