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Testbericht

Stefan Zaumseil, 27. Januar 2008
Mit dem Commander geht Jeep wieder zurück zu den Wurzeln - als Geländewagen noch so heißen und schön eckig sein durften. Das Jeep-Flaggschiff ist aber nicht nur ein kantiges Spielzeug für Hardcore-Offroader.

Produziert bei Magna-Steyr in Graz basiert der Commander weitgehend auf dem Grand Cherokee. Im Gegensatz zu diesem kommt er aber mit rustikalen, fast rechtwinkligen Karosseriekanten daher, wie man sie in der Welt der Geländewagen viel zu langen vermissen musste. Mit kantigen Karosserien kennt man sich aus in Graz - immerhin liefen hier seit 1979 über 185.000 Mercedes G-Klassne vom Band. Auf den ersten Blick ganz klar als echter Jeep zu erkennen, präsentiert sich der Commander als Schuhkarton mit Kotflügeln und Rädern. Das einzig Runde an diesem Auto sind die Nebelscheinwerfer, der Tankdeckel und - natürlich - die Räder. Von vorn bis hinten gerade Linien, ein fast senkrechter Chromgrill, das Dach lang gestreckt bis zum senkrechten Heck und wuchtige, mit Imbusschrauben befestige Verbreiterungen der Kotflügel - dieser Wagen zielt auf die Traditionalisten unter den Offroadern. Die einzige Unterbrechung der klaren Linien und gut versteckt hinter der Reling ist eine Dachwölbung ab der B-Säule, die in Anlehnung an den Landrover Discovery für mehr Kopfraum im Heck sorgen soll.

Raum steht im Vommander massig zur Verfügung: Obwohl nicht einmal vier Zentimeter länger als sein Bruder Grand Cherokee, fanden die Jeep-Designer Platz für sieben Sitze und immerhin noch mindestens 212 Liter Kofferraum. In der zweiten Reihe finden selbst große Erwachsene hervorragend Platz. In der dritten Reihe reicht es dagegen wie meistens nur für Kinder bis Konfektionsgröße 160. Der Einstieg dorthin ist vergleichsweise leicht: Tür auf, vorderen Rücksitz umklappen, einsteigen, fertig. Die Sitzposition ist ebenfalls kinderfreundlich: Ganz wie im Theater sind die hinteren Sitze jeweils höher als der vordere, so dass die Sicht nach vorn nicht komplett durch die Vordersitzlehnen verdeckt sind. Wird die dritte Reihe nicht benötigt, lässt sie sich zu einer ebenen Ladefläche im Kofferraumboden versenken. Das sind dann schon 1.028 Liter Kofferraum und fünf Sitze. Für noch mehr Ladefläche verschwindet Reihe zwei ebenfalls plan im Boden. Die entstehenden 1.940 Liter Kofferraum kann man schon für einen kleinen Umzug nutzen.

Auch sonst hat der Innenraum wenig mit dem Grand Cherokee gemeinsam. Zwar präsentieren sich Bedienungselemente, Instrumente und Türverkleidungen im bekannten Jeep-Look. Doch im Gegensatz zum leicht geschwungenen Pkw-Cockpit seines kleineren Bruders wartet der Commander mit einer wuchtigen Armaturentafel auf, die von der steil abfallenden Frontscheibe noch betont wird. Die runden (!) Lufteinlässe, mit verchromten Imbusschrauben befestigt, zeigen eine Detailliebe, die man von Jeep nicht selbstverständlich kennt. Etwas hochwertiger dürften sich Instrumententräger und Bedienelemente jedoch durchaus präsentieren. In der nicht-ledernen Ausstattungsvariante tritt die billige Optik der Plastikflächen noch deutlicher hervor. Die Verarbeitungsqualität ist - ordentlich. Immerhin hat man in Graz sieben Jahre auch die Mercedes E-Klasse produziert. Die Sitze sind komfortabel und bieten ausreichend Beinauflage und Seitenhalt in flotteren Kurven oder im Gelände.

Apropos Gelände: Hier zeigen Chassis, Antrieb, Allradsystem und Motor keinerlei Schwächen. Obwohl die Bodenfreiheit mit 18 Zentimetern für einen Geländewagen nicht gerade üppig ausfällt, kommt der ambitionierte Offroader mit dem aus den Cherokees bekannten Allradsystem "Quadra-Drive II" sehr weit. Ob eine 45-Grad-Steigung oder eine extrem verschlammte Buckelpiste zu bewältigen ist - in keinem Fall wird man vom drei Liter großen Commonrail-Diesel mit Direkteinspritzung im Stich gelassen.

Maximal 510 Newtonmeter Drehmoment stehen bereits ab 1.600 Touren zur Verfügung - mit der Untersetzung ist so ein sehr präzises Fahren im Gelände möglich. Richtig harte Touren hat sich keiner unserer Tester getraut - immerhin sind mit dem Jeep Commander Limited 3.0 CRD 48.990 Euro plus 690 Euro Zweischicht-Metallic-Lackierung unterwegs. Aber fest steht: Er könnte, wenn er dürfte - wenngleich der lange Radstand von 2.780 Millimetern und das hohe Gewicht von über 2,3 Tonnen natürliche Grenzen setzen. Aber auch auf der Straße hat der Commander durchaus seine Qualitäten. In neun Sekunden auf Tempo 100, mit akzeptabler Kurvenneigung und einer Höchstgeschwindigkeit von ca. 190 Kilometern pro Stunde ist der Jeep Commander 3.0 CRD mit 218 PS gut bei der Musik. Subjektiv fährt sich dieser Koloss dank der serienmäßigen, sauber abgestimmten Fünfstufen-Automatik noch flotter, als es das Datenblatt vermuten lässt.

Allerdings hat die flottere Gangart ihren Preis: Knapp zwölf Liter Diesel pro 100 Kilometer sind nicht gerade wenig - gemessen am Fahrzeuggewicht und der Aerodynamik jedoch zumindest nachvollziehbar. Ebenfalls der Fahrzeuggröße angemessen sind die maximal zulässige Anhängelast von 3,5 Tonnen und der Wendekreis von 11,8 Metern. Für Wendemanöver werden dank der leichtgängigen und ausreichend direkten Lenkung trotzdem kaum mehr als drei Züge erforderlich.

Der Diesel-Commander koster gleich viel wie der Jeep Grand Cherokee Limited 3.0 CRD. Dahinter steckt die Absicht, die Entscheidung von Geschmack und eventuell sieben Sitzen abhängig zu machen. Die Sicherheitsausstattung des Commander ist auf konzerntypischem Niveau mit ABS, ESP, sechs Airbags, elektronischem Überrollschutzsystem, ISOFIX- Kindersitzverankerung, Nebelscheinwerfern und Regensensor für die Scheibenwischer. Allein sinnvolle Details wie Xenon- und Kurvenlicht oder eine bei Geländewagen sinnvolle Scheinwerferreinigungsanlage sind jedoch nicht einmal gegen Aufpreis zu bekommen.

Dafür mit an Bord: Einparkhilfe, Reifendruck-Kontrollsystem, elektrische Spiegel, Bordcomputer mit Kompass, elektrische Sitze, Klimaautomatik, Lederlenkrad mit Bedienelementen für das Audiosystem, Tempomat und Sitzheizungen (leider nur vorn). Dass das kinderfreundliche Entertainment-System für die Rücksitze mit TFT-Bildschirm im Dachhimmel familienunfreundliche 2.800 Euro zusätzlich zum ohnehin schon teuren DVD-Navigationssystem kostet, ist bei der ansonsten guten Ausstattung des Commander Limited allerdings ärgerlich.
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Quelle: Autoplenum, 2008-01-27

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