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Testbericht

Marcel Sommer, 19. Oktober 2011
Zum vierten Mal traf sich die Motorsportelite von Porsche mit alten und mit neuen Rennwagen zu einem Rennsportwochenende der ganz besonderen Art. Zu dem größten Porsche-Treffen der Welt kamen 25.000 Zuschauer.

Porsche, Porsche, überall nur Porsche. Die legendäre Rennstrecke in Laguna Seca / Kalifornien hat sich für drei Tage in das Mekka für Sportwagenfans der Zuffenhausener Marke verwandelt. Die vierte Ausgabe der Porsche Rennsport Reunion zog knapp 25.000 Rennsportbegeisterte nach Kalifornien. 420 Rennfahrzeuge aus den letzten sechs Jahrzehnten sorgten bei so manchem Fan für wahrhaft feuchte Augen. Ganze 370 von ihnen kämpften dabei auf der 3,6 Kilometer langen Rennstrecke Polepositionen und Klassensiege. Die mit teilweise über 1.000 PS und 280 km/h über die lange Start-Ziel-Gerade donnernden Porsche-Renner waren für die weitangereisten Zuschauer mehr als nur bloß Autos. Jeder der donnernden Boliden hat seine Geschichte.

Einer davon ist der Porsche Speedster aus dem Jahr 1957 mit der Startnummer 21, in dem der legendäre Rennfahrer Jean Behra am 1. August 1959 auf der Avus verunglückte. Der Besitzer ist Peter Hofmann aus Saarbrücken. Der 46-Jährige hat gleich zwei seiner mobilen Schätze mit dem Schiff nach Kalifornien kommen lassen. „Ich war schon sehr froh, dass beide den 30tägigen Trip heil überstanden haben“, gibt er erleichtert zu. Für ihn, den Geschäftsführer eines Ersatzteilfachhandels für alte Porsche-Modelle, ist die Teilnahme an dem Rennwochenende mehr als nur der bloße Rennspaß. „Es ist faszinierend, wie viele noch sehr gut erhaltene alte Rennwagen aus Zuffenhausen hier noch auf der Strecke fahren. Das gibt es nur hier“, schwärmt Peter Hofmann weiter.

Doch auch Dr. Wolfang Porsche zeigt sich mehr als beeindruckt: „Es ist noch gar nicht begreifbar, was hier für geschichtsträchtige Fahrzeuge und auch Personen vor Ort sind. Allein der Zuschauer-Parkplatz mit knapp 1.400 Porsches raubt mir den Atem.“ Wie es zu dem gigantischen Porsche-Treffen kam, erklärt der deutsche Mitorganisator Bernd Harling, oberster Kommunikations-Berater von Porsche-USA: „Die Rennsport Reunion war ursprünglich als Zusammenführung von alten Rennwagen der Marke Porsche geplant. Gleichzeitig wollte man einen Mix aus aktuellen Rennfahrern und den alten Legenden schaffen. Ein richtiges Familienfest eben.“ Was im Jahr 2001 seinen Anfang nahm und im Abstand von drei Jahren 2004 und 2007 auf verschiedenen Rennstrecken schon funktionierte, wollte man nun in den Bundesstaat verlegen, in dem fast jeder vierte in den USA verkaufte Porsche zugelassen wird. Nach dem Tod von David Donohue, einem der Mitbegründer der Reunion und auf Grund der Rezension im Jahr 2010 hat man sich erst im Februar 2011 zu einer Fortsetzung entschlossen. Unter den ganzen Porsche-Rennwagen mit den nur für Laien verwirrenden Bezeichnungen wie 356, 914/6 GT, 911 T/R fuhr auch der am meisten verkaufte Rennwagen der Welt, der 911 GT3 Cup, mit um einen der vielen Klassensiege. Mit seinen 450 PS und einem Kaufpreis von über 150.000 Euro zählt er im aktuellen Rennsport zwar zur Topliga, während des großen Porsche-Festes war er jedoch nur einer von vielen. Zumal es zum Preis eines der älteren 917er Rennwagen fast 20 GT3 Cup-Autos geben würde.

Dass an allen drei Tagen die großen Naturparkplätze überfüllt waren, lag vor allem wohl daran, dass bei der Reunion der Rennsport mit all seinen Protagonisten zum Greifen nah ist. Ob nun Rennfahrerlegenden wie Hans Hermann und Brian Redman oder auch aktuelle Stars wie Timo Bernhard und Patrick Long zur Autogrammstunde die Kugelschreiber über Plakate, Karten und ganze Autogrammbücher fliegen ließen. Die Fans standen zeitweise über eine Stunde mit einem Strahlen im Gesicht in den endlosen Schlangen. Unter ihnen ein lustiges Männertrio aus Michigan und Vancouver. Rolls-Royce-Owners-Club-Mitglied Shane Dewis, Doug Bain und Vince Houlett reisten extra für ihre Idole 1.600 Kilometer in einem kleinen Honda Civic an. Nach eineinhalb Tagen Fahrt standen sie nun seit über 45 Minuten in sengender Hitze an, um ihre Mitgebrachten Bücher und Plakate signieren zu lassen. „Ich habe zwar noch einen Bentley und einen Rolls Royce zu Hause, aber auf der langen Strecke habe ich einfach Angst, dass mir da einer mit seinem Porsche eine Beule reinfährt“, erklärt er lachend.

Einen unterkühlten Arbeitsplatz während der Rennsport Reunion hatte Marcellus Slantan. Er fuhr im zehn Minuten Rhythmus Zuschauer in einem auf Kühlschranktemperatur herunterklimatisierten Cayenne-Shuttle zu einer der bekanntesten Kurven der Welt, der Corkscrew. Die steile 90 Grad-Linkskurve sorgte auch an diesem Wochenende für spektakulärste Überholmanöver. Wie es sich bei einem richtigen Motorsport-Event heutzutage gehört, gab es rund um die Strecke das lokale Hauptsponsor-Bier zu kaufen. Für sechs Dollar gab es jedoch nicht nur Alkohol, sondern im Corkscrew Pub direkt an der Kurve auch einen Hauch Geschichte. Doch anders als bei manch großem Wochenend-Event in Deutschland, scheint hier in Laguna Seca tatsächlich der Motorsport im Vordergrund zu stehen. Bierleichen suchte man trotz großer Hitze vergebens. Die Jünger der Zuffenhausener Motoren- und Karosserie-Schmiedekunst tauschten indes ihre Dollars lieber gegen die überall erhältlichen Merchandising-Produkte. Zu finden waren hier eine Kappe, dort ein kleiner Rennanzug für das Baby und das ein oder andere T-Shirt mit dem Wahlspruch eines jeden Rennfahrers: „If you want to finish first, you have to finish first.“ James Robbins aus Kalifornien hat mit dem Anstehen in der Schlange keine Probleme: „Das Event findet nur alle drei Jahre statt, zwischen diesem und dem davor waren es sogar vier. Da stelle ich mich gern mal eine Stunde an um ein Stückchen Rennsport-Geschichte mit nach Hause nehmen zu können. Und außerdem hoffe ich immer noch, dass Jerry Springer, der ja auch ein paar Autos hier stehen hat, mal an mir vorbei geht.“

Die Jünger der Zuffenhausener Motoren- und Karosserie-Schmiedekunst tauschten indes ihre Dollars lieber gegen die überall erhältlichen Merchandising-Produkte. Zu finden waren hier eine Cappy, dort ein kleiner Rennanzug für das Baby und das ein oder andere T-Shirt mit dem Wahlspruch eines jeden Rennfahrers: „If you want to finish first, you have to finish first.“ Was übersetzt so viel heißt wie, wenn du gewinnen willst, musst du erst einmal ankommen. Das Anstehen an der Kasse im Haupt-Shop dauerte ungefähr eine Stunde – den ganzen Tag lang. James Robbins aus Kalifornien hat damit keine Probleme: „Das Event findet nur alle drei Jahre statt, zwischen diesem und dem davor waren es sogar vier. Da stelle ich mich gern mal eine Stunde an um ein Stückchen Rennsport-Geschichte mit nach Hause nehmen zu können. Und außerdem hoffe ich immer noch, dass Jerry Springer, der ja auch ein paar Autos hier stehen hat, mal an mir vorbei geht.“

Neben all den Fans, den kreischenden Motoren und den ständig auf ihrer Trillerpfeife auf das heranfahrende Rennauto hinweisenden Ordnungshütern, spazierten die noch letzten überlebenden Rennfahrer der 50er und 60er Jahre herum, oder befanden sich grad auf dem Weg zu einer der vielen Autogrammstunden. Und auch sie finden kaum Worte für das Erlebte: „Es ist einmalig, toll, unbegreiflich. Es freut mich sehr, dass auch heute noch Menschen mit Tränen in den Augen zu mir kommen und mich nach einem Autogramm fragen. Die ganzen alten Kollegen hier zu treffen und sogar gegen sie nochmal antreten zu dürfen ist schlicht weg großartig“, schwärmt Brian Redman. Der heute 74jährige Engländer gewann für Porsche 1969 die erste Marken Weltmeisterschaft überhaupt und reihte die deutsche Marke damit endgültig in die große Herstellergilde um Matra, Ferrari und Ford ein. Nach der Wiederholung des Erfolgs im Jahr darauf zog er sich aus dem Rennsport zurück. „Die meisten meiner Kollegen sind tödlich verunglückt. Da dachte ich mir, dass es vielleicht besser wäre aufzuhören. Nach sechs Monaten habe ich aber schon wieder in einem Cockpit gesessen. So war das früher eben“, erzählt er mit einem Lächeln im Gesicht.
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Quelle: Autoplenum, 2011-10-19

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