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Testbericht

Sebastian Viehmann, 2. Mai 2011
Autofirmen fürchten um Kunden-Nachwuchs: Schnelle Schlitten verlieren ihre Funktion als Statussymbol. Darum muss sich Porsche-Händler Al Darwish in Katar keine Sorgen machen – und gibt schon mal Verkehrserziehung für die Kleinsten.

Wenn Salman Jassem Al Darwish an sein erstes Mal denkt, bekommt er leuchtende Augen. „Es war 1972 auf einer Straße in Katar, und es war sofort um mich geschehen“, erzählt er. Das Objekt seiner Begierde war ein Porsche 911, knallgelb lackiert und damals für viele Katarer ein unerreichbarer Traum. Heute hat Al Darwish selbst 13 Sportwagen aus Zuffenhausen und verkauft jährlich ein Vielfaches davon. Er besitzt den größten Porsche-Showroom im Mittleren Osten, wo ein Cayenne heute so selbstverständlich zum Straßenbild gehört wie hierzulande ein Golf.

Der Mittlere Osten ist der fünftwichtigste Markt für den Sportwagenbauer, die Verkaufszahlen kletterten 2010 um 20 Prozent. 29 Porsche-Center sind in der ganzen Region verteilt. Der Geländewagen Cayenne bleibt in den Wüstenstaaten der Beststeller, er behauptet sich gegen Range Rover, BMW X5 und Co. mit einem Marktanteil von 41 Prozent in seinem Segment.

Doch der Panamera holt mächtig auf. Kürzlich präsentierten die Zuffenhausener gar ein eigenes Middle East-Sondermodell in „Carrera Weiß“ mit roter Innenausstattung, limitiert auf 66 Exemplare. „Die waren alle sehr schnell vorbestellt“, freut sich Porsche-Händler Al Darwish. Er hat mehr als 1200 Kunden – alles „echte“ Kunden, wie er betont, also Leute, die auch wirklich Autos kaufen und sich nicht nur die Nase am Schaufenster plattdrücken. Ein Team aus sechs Marketingleuten hält die Kundschaft über jeden neuen Modell-Launch auf dem Laufenden.

Die Freude am schnellen Blech von Porsche, Ferrari, BMW und Co. hat jedoch ihre Schattenseiten. Nach einer aktuellen Studie ist in Katar bei mehr als 70 Prozent aller Unfälle Raserei schuld am Crash, und die betrifft natürlich nicht nur Sportwagenpiloten. Die große Zahl an schweren Geländewagen und SUV führt dazu, dass die Unfallfolgen für Insassen kleinerer PKW und für Fußgänger oft verheerend sind.

2007 traten schärfere Verkehrsgesetze in Kraft, doch sie konnten die Unfallstatistik von 16,6 Toten pro 100.000 Einwohner nur leicht aufhübschen. Aktuell sind es 14,6 Todesopfer – das entspricht in etwa dem globalen Durchschnitt, ist aber im Vergleich mit anderen reichen und hochentwickelten Ländern ein miserables Ergebnis. In Deutschland im Jahr 2008 zum Beispiel gab es lediglich 5,4 Todesopfer pro 100.000 Einwohner. Die Studie in den Emiraten ergab auch, dass viele Autofahrer die Verkehrsregeln nur unzureichend kennen, sich die Mehrzahl nicht anschnallt und kaum jemand darauf verzichten möchte, während der Fahrt das Handy am Ohr zu haben.

Salman Jassem Al Darwish hat sich etwas Ungewöhnliches überlegt, um schon den Kleinsten Disziplin am Steuer einzuimpfen: Über den Verkaufsräumen befindet sich ein Saal mit einem Parcours mit Kreuzungen und Schildern. Hier kurven Kindergruppen und Schulklassen mit kleinen Tret-Porsches herum. Im angrenzenden Klassenraum werden Verkehrsregeln gepaukt. Zum Abschluss erhalten die Kinder einen Junior-Führerschein.

Andere Sportwagenhersteller überlegen sich ebenfalls, wie man aus den PS-Fetischisten von morgen verantwortungsvolle Autofahrer machen kann. In der Ferrari World Abu Dhabi, einem Freizeitpark der Superlative mit der schnellsten Achterbahn der Welt, flitzen Kinder bei der „Junior GT Challenge“ mit Miniatur-Ferraris herum. Das Ziel sind aber nicht die besten Rundenzeiten, sondern die Einhaltung von Regeln: Wie ein gigantischer Verkehrsteppich enthält die Strecke Ampeln, Zebrastreifen und Stopp-Schilder. Park-Aufseher geben den jungen Ferraristi Tipps und sparen nicht mit Ermahnungen.Auch auf den echten Straßen der Emirate versucht man, Raser auszubremsen. In Katar zum Beispiel gilt auf den Autobahnen Tempo 120, in der Stadt wurde die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zum Teil von 80 auf 60 Km/h reduziert. Die Polizei kann ein Auto konfiszieren, wenn der Fahrer mit mehr als 40 Km/h über dem Limit unterwegs war. Geldstrafen freilich zahlen die Scheichs aus der Portokasse, deshalb bauen die Katarer auf ein Punktesystem ähnlich dem in anderen Ländern.

Porsche-Händler Al Darwish macht sich trotzdem keine Sorgen, dass ihm die PS-affinen Kunden einmal ausgehen könnten. Vor ein paar Wochen kam ein Junge auf ihn zu und rieb ihm seinen frisch erworbenen Junior-Führerschein unter die Nase. „Denk an mich – wenn ich in ein paar Jahren bei dir vorbeikomme, gibst du mir für meinen ersten Porsche einen Rabatt“, so der Nachwuchs-Pilot.
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Quelle: Autoplenum, 2011-05-02

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