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Testbericht

Stefan Grundhoff, 12. Oktober 2009
Auf der Suche nach Image und Konturschärfe tun sich gerade die europäischen Autofirmen schwer, ein stimmiges Motorsportkonzept auf die Beine zu stellen. In den USA zeigt die American Le Mans Series, wie Hersteller und Fans gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.

Der Traum von Initiator Don Panoz ist kaum viel länger als eine Dekade alt. Panoz, Milliardär und bekennender Motorsportfanatiker, wollte den eigenen Rennstall nebst angeschlossener Kleinserienproduktion von Sportwagen nicht nur einmal im Jahr bei den legendären 24 Stunden von Le Mans seine Kreise ziehen sehen. So initiierte Don Panoz in den USA eine eigene Rennserie mit dem nahezu identischen Reglement wie in Le Mans. In jeweils zwei Prototypen- und Tourenwagenklassen treten die Besten der Besten in einer ganzjährigen Rennserie gegeneinander an – die American Le Mans Serie (ALMS) war geboren.

Seit 1999 hat sich die ALMS zu einer der renommiertesten Rennserien der Welt entwickelt. Topteams aus den ganzen USA treten bei bis zu zehn Rennen pro Saison auf den anspruchsvollsten Strecken des Landes gegeneinander an. An Herstellern und Fans ging die Rennserie keinesfalls vorbei. Obschon die motorsportverrückten Amerikaner mit Indy- und Nascar zwei andere publikumsstarke Rennserien haben, hat sich die ALMS zur Luxusliga des US-Motorsports entwickelt. Während sich die renommierten Hersteller gerade in Europa auf keine wirklich spektakuläre Rennserie einigen können, um Kräfte und Technologien miteinander zu messen, so sieht das in der ALMS ganz anders aus.

Viele der besten Teams in der American Le Mans Series werden direkt von den Herstellern unterstützt. Besonders Porsche macht es seit Jahren vor, wie man ein entsprechendes Engagement in Verkäufe und Imagegewinn ummünzen kann. In diesem Jahr gab es in der ALMS einen Dreifach-Triumph zu feiern. Das Fahrerdoppel aus Jörg Bergmeister und Patrick Long sicherte sich mit einem Sieg beim spannenden Abschlussrennen in Laguna Seca sowohl Fahrer- als auch Teamwertung. Den Markenpokal hatte man bereits beim Saisonhöhepunkt in Atlanta, dem „Petit Le Mans“, nach Rennabbruch eingefahren. „Die Rennen hier in der USA sind mit denen in Europa nicht zu vergleichen“, erzählt Porsche-Werksfahrer Jörg Bergmeister, „ist alles viel lockerer hier. Die Rennstrecken, die Stimmung und die Fans. Sie kommen einfach viel näher dran.“

Doch was Porsche seit Jahren erfolgreich in der ALMS vorlebt, bleibt bei anderen Herstellern nicht unbeachtet. So starten in der Serie mittlerweile auch Werksteams von Ferrari, Acura, Mazda und Corvette. Im Laufe der Saison stiegen in der GT2-Serie mit ihren rund 450 PS starken Tourenwagen noch BMW und Jaguar mit den Modellen M3 GTR und XKR RSR ein. Zum Saisonhöhepunkt auf der Road Atlanta traten zudem die Le-Mans-Spezialisten Audi und Peugeot mit ihren Fahrzeugen in der Prototypenklasse gegeneinander an. Für das nächste Jahr gab es bereits jetzt grünes Licht. Alle Hersteller wollen ihre Engagements ausweiten. Ganz im Gegensatz zur ebenfalls prestigeträchtigen Tourenwagen-Serie der DTM, wo es seit Jahren nicht gelingt, andere Hersteller als die beiden Akteure Mercedes und Audi ins Boot zu holen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann in der seriennahen GT2-Klasse der ALMS Mercedes seinen neuen SLS und Audi seinen R8 ins Rennen schicken. Schließlich ist der amerikanische Sportwagenmarkt für alle diese Firmen der wichtigste weltweit.

Das Publikum bei der American Le Mans Series unterscheidet sich deutlich von dem der meisten anderen Rennserien. Sind weltweite Veranstaltungen wie Nascar, DTM, WTCC oder Grand-Am zumeist reine Events für die breite Masse, so liegt das Niveau bei der American Le Mans Series deutlich höher. Bereits die Parkplätze zeigen, dass viele der Fans das Geld haben, die Straßenversionen der miteinander kämpfenden Boliden käuflich zu erwerben. Porsche-Motorsport-Chef Hartmut Kristen: „Die Leute haben hier mehr Geld, einen höheren Bildungsstand und können sich die Autos im Feld tatsächlich auch leisten.“

Doch abgesehen vom finanziellen Hintergrund zeigt sich die ALMS nicht nur serien- sondern auch publikumsnäher als vergleichbare Events – gerade in Europa. „Genau das mag ich an den Rennen. Ist alles unglaublich entspannt“, erzählt der GT2-Champion Jörg Bergmeister. Am Vormittag hat er zusammen mit seinen Teamkollegen eine Autogrammstunde. Hunderte stehen in de Schlange. Und selbst in der Startaufstellung bannt der große Blonde, der seit 2002 seine vierte Meisterschaft auf Porsche eingefahren hat, noch seinen Namen auf Automodelle, Helme und T-Shirts der Fans. Einen Augenblick später sitzt Bergmeister im engen Renncockpit seines Porsche 997 GT3 RSR und kämpft mit der brüllenden Konkurrenz an den Schlüsselstellen der Berg- und Talfahrt von Laguna Seca um Sieg und Platz. Doch nicht nur die Nähe zu Fahrern kommt bei den Zuschauern gut an. Neben den Fahrern haben auch die Teamchefs immer ein offenes Ohr für Fans. So gibt es vor dem Training von Acura bis Lola, Porsche und Panoz „Tech-Talks“, wo Details der Fahrzeuge erklärt werden. Rückfragen der Fans unbedingt erwünscht.

Das hat sich über die Jahre herumgesprochen und so kommen viele der 30.000 Fans pro Rennen immer wieder. Wenn nicht persönlich, verfolgen sie die Rennen am Bildschirm. Doch gerade zu den Saisonhöhepunkten kommt man mit seinem polierten Porsche 911 Turbo, einer Corvette ZR-1 oder seinem BMW M5 selbst und parkt markentreu auf ausgewiesenen Plätzen. „Bei einer Rennserie wie dieser sollen Kunden ein Teil der Markenfamilie werden. Das ist wichtiger als 10.000 mehr oder weniger verkaufte Fahrzeuge“, unterstreicht der Sprecher von Porsche Nordamerika, Bernd Harling, „das sportliche Statement bei einem Modell wie dem 911 von uns gilt heute, morgen und übermorgen.“

Und gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten wie diesen suchen viele Herstellern nach ihren Markengenen. Auch das deutsche Sportwagen-Aushängeschild Porsche hatte in den USA zuletzt unter der wirtschaftlichen Situation zu leiden. Umso wichtiger sind die Siege in der aktuellen ALMS-Saison. „Siege bringen uns nicht direkt neue Verkäufe“, räumt Porsche-Motorsport-Chef Hartmut Kristen ein, doch die Kunden wollen sehen, wie wir hier gewinnen. Dadurch wird die Kaufentscheidung nachträglich bestätigt.“
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Quelle: Autoplenum, 2009-10-12

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