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Testbericht

Stefan Grundhoff, 2. Oktober 2009
Der Star des Hauses steht in der ersten Etage. Auf einer Hebebühne im Werkstattbereich sticht der signalgelbe 911 Targa sofort ins Auge. Tetsu Ikuzawa hat sich einen Traum erfüllt. Nach jahrelanger Suche spürte er seinen Porsche von 1969 wieder auf. Bald ist der besser als neu.

Youngtimer wie der Porsche 911 erfreuen sich in den letzten Jahren einer zunehmend großen Beliebtheit. Das merkt man auch in dem unscheinbaren Hallenbau im Industriegebiet von Freiberg am Neckar. Nichts deutet darauf hin, dass hier exklusive Automobilpreziosen aus Zuffenhausen auf Bestzustand gebracht werden. Seit einem Dreivierteljahr haben Jochen Bader, der Leiter des Porsche-Classic-Centers und sein Team, einen Liebling. Der gelbe Porsche 911 Targa, dessen Rohkarosse gerade auf einer Hebebühne mit den ersten Leitungen versehen wird, hat 40 Jahre auf dem Buckel.

„Früher haben wir hier in erster Linie 356-Modelle restauriert. Doch mittlerweile sind es zum ganz überwiegenden Teil frühe 911er“, erklärt Jochen Bader, Leiter des Porsche-Classic-Centers. Einer ist „Tetsu’s yellow Targa“. Tetsu Ikuzawa, asiatische Rennfahrerlegende und leidenschaftlicher Porsche-Pilot, hatte sich 1969 für die Transfers zwischen den Europa-Rennen einen gelben Flitzer geleistet. 170 PS, Fuchsfelgen, Pepita-Sitze, Radio, Antenne und Colorglas waren damals das Maß der Porsche-Dinge. In seinem gelben 911er fuhr der Japaner von seinem Wohnort London aus zu den einzelnen Autorennen. Die Liebe war heiß und innig, doch nach kurzer Zeit verkaufte Ikuzawa seinen Targa und widmete sich anderen Fahrzeugen. Erst mehr als 35 Jahre später träumte er davon, seinen ersten Targa wieder aufzuspüren.

Doch die Suche gestaltete sich schwerer als gedacht. „In Japan gibt es keine Zulassungsstellen mit Haltereintragungen wie in Deutschland“, so Martin Herold vom Classic-Center, „daher war die Suche alles andere als einfach.“ Erworben hatte Ikuzawa seinen 911er im Herbst 1969 vom britischen Generalimporteur. Doch weder Porsche in Stuttgart noch der lokale Händler fanden eine Spur des Oldtimers. Tetsu, der seit Jahrzehnten zwischen seinen Wohnorten in Tokio und London pendelt, setzte auf beiden Kontinenten alle Hebel in Bewegung und stöberte selbst in den USA. Als der Erfolg bei Ämtern, Clubs und Werkstätten ausblieb, stöberte Ikuzawa im Untergrund. Nach Monaten eine erste Information: Sein alter 911er sollte noch leben – in Japan. Über düstere Kanäle gab es nach weiteren Monaten schließlich ein greifbares Lebenszeichen. In einer Scheune nahe Nogano sollte er stehen. Als Tetsu Ikuzawa seinen ehemaligen Renner im Jahre 2008 in der Scheune besuchte, glaubte er, seinen Augen nicht zu trauen. „Tetsu’s little Targa“ stand wenig beachtet zwischen Baumaterial, Gartenmöbeln und anderen Fahrzeugen. Er war nicht wiederzuerkennen.

In den letzten vier Jahrzehnten hatten seine Besitzer zahlreiche Schönheitsoperationen an dem ehemals signalgelben Sportwagen durchgeführt. Schöner ist der Porsche dadurch nicht geworden. Im Gegenteil. Der Lack wurde schwarz übergetüncht und im Stile der 70er Jahre aufs übelste verbastelt. Das asiatische Gesamtkunstwerk wurde mit goldenen Felgen, tiefer Frontschürze und einem unvermeidlichen RS-Bürzel wenig stilvoll vollendet. Visueller Höhepunkt: ein Zubehör-Außenspiegel, doppelflutige Endrohre und ein zweifelhaftes Airbag-Lenkrad mit aufgeklebtem Porsche-Logo. An seine europäische Herkunft erinnerten an dem Zuffenhausener Sportler allenfalls noch ein Deutschland-Aufkleber auf der Heckscheibe und ein Besucherlogo der 24 Stunden von Le Mans. Der Japaner kaufte seinen alten Targa zurück.

„Tetsu Ikuzawa hat den Wagen dann zu uns nach Stuttgart bringen lassen“, so Jochen Bader, „wir sollten wieder den originalen Zustand herstellen, den der Targa bei seiner Auslieferung im Jahre 1969 hatte.“ Obwohl das Team im Classic-Center täglich mit exklusiven Rennern zu tun hat – eine spektakuläre Aufgabe. Seit Anfang des Jahres hat das Classic-Team damit alle Hände voll zu tun. In den nächsten Wochen soll der komplett restaurierte Targa optisch und technisch im Originalzustand an Tetsu Ikuzawa übergeben werden. Zusammen mit einem neuen 997 Targa. Den hat sich den Ex-Rennfahrer in der identischen Farbkombination von damals gleich mitbestellt bestellt. Im Innern blitzen sogar Sportsitze mit Pepita-Muster.
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Quelle: Autoplenum, 2009-10-02

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