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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 20. Oktober 2014
Porsche implantiert dem überarbeiteten Cayenne das Hybridmodul des Panamera. Trotz spürbarer Verbesserungen bleiben Mängel in der Längsdynamik.

Oliver Laqua lässt wenig Zweifel aufkommen. "Ein Plug-in-Hybrid ist für Porsche die beste Lösung", sagt der Leiter Gesamtfahrzeug SUV bei Porsche mit fester Stimme. Die Worte des Mannes mit den freundlichen Augen klingen überzeugend. Schließlich hat schon Ferdinand Porsche mit einem Elektroantrieb experimentiert, wenig zur Freude seines Vaters, der das Konzept als "Firlefanz" abtat. Jetzt gibt es im Cayenne eine moderne Variante. Auf dem Papier liest sich die Kombination aus Verbrenner und E-Maschine ansprechend. Der Porsche Cayenne besticht per se mit einer Agilität, die die meisten anderen Geländewagen alt aussehen lässt. Das Antriebsduo der Hybrid-Variante besteht aus dem bekannten 333-PS-Benziner und einem E-Motor mit 95 PS Leistung. Insgesamt ergibt das eine Systemleistung von 416 PS und ein maximales Drehmoment von 590 Newtonmetern, das bereits ab 1.250 U/min zur Verfügung steht. Angesichts der Tatsache, dass der neue Cayenne S mit 420 PS für Freude beim Fahrer sorgt, scheint dieser Wert mehr als ausreichend.

Das Datenblatt bestärkt diesen Eindruck. In 5,9 Sekunden schafft der Porsche-Kraxler aus dem Stand die 100-km/h-Marke. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 243 km/h und der Verbrauch verspricht mit 3,4 Litern geldbeutelschonenden Fahrspaß. Das Hybridmodul stammt vom Porsche Panamera und trotz des höheren Gewichts schafft der SUV mit 36 Kilometern die gleiche Maximalreichweite. Dieser Wert ist ein Ergebnis der neuesten Batteriezellen, die mit 28 Amperestunden eine höhere Energiedichte aufweisen, als beim Panamera (24,5 Amperestunden). "Das ist momentan die Top-Technik. Aber das wird nicht das Ende der Fahnenstange sein", macht Oliver Laqua Hoffnung auf mehr.

Natürlich wird bei auch einem Hybrid-Porsche die Leistung eine entscheidende Rolle spielen. Das ist auch der Grund, warum kein Vierzylinder, wie sie etwa in einem Porsche Cayman kommen, in einem zukünftigen Cayenne Dienst tun werden. Angesichts des Gewichts würde ein Vierzylinder nach Ansicht der Porsche-Ingenieure nicht mehr die angemessene Leistung bringen, wenn der Batterie und damit dem Elektromotor die Puste ausgeht. Als Vorbild für zukünftige Modelle dient der 918 Spyder. Klar lassen sich die Komponenten des Super-Sportlers nicht eins zu eins in ein SUV verpflanzen, aber bei der Entwicklung der pfeilschnellen E-Flunder haben die Ingenieure aus Zuffenhausen einiges gelernt.

Zurück zur Gegenwart. Wie bei modernen Hybriden üblich, kann der Pilot sein Gefährt nach Gusto konditionieren. Per Knopfdruck hat man die Wahl zwischen verschiedenen Fahrprogrammen. Entweder arbeiten Verbrenner und E-Maschine zusammen oder nur der E-Motor sorgt für den Vortrieb. Das ist maximal 36 Kilometer lang und bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h möglich. Soviel zur Technik. Die Realität ernüchtert. Die Kombination aus dem betagten Audi Sechszylinder-Kompressor-Benziner und Hybridmodul lässt nur bedingt echte Porsche-Gefühle aufkommen. Aktiviert man den Sport- oder den Sport-Plus-Modus ordnet sich auch die der elektronische Teil des Antriebs der Dynamik unter. Dann bringt das Cayenne Hybrid fahren den Spaß, den man von den konventionell angetriebenen Modellen, vor allem den Cayenne S Diesel und dem neuen Cayenne S, gewohnt ist. Die Kehrseite: Sobald man das Hybrid-SUV sportlich bewegt, schnellt der Verbrauch in Richtung zehn Liter pro 100 Kilometer, was immer noch ein beachtlicher Wert ist. Wird das Gaspedal gestreichelt, sind zwei Liter weniger drin.

Ein Grund für diese Längsdynamik mit gebremsten Schaum, liegt im Antriebsstrang. Das Gewicht spielt ebenfalls eine Rolle. Mit 2.350 Kilogramm ist die Hybridvariante um 135 Kilogramm schwerer als der Cayenne S Diesel und bringt 265 Kilogramm mehr auf die Wage, als der Cayenne S. Passend zur zurückhaltenden Sportlichkeit ist auch der Motorklang des Cayenne S E-Hybrid eher mau und hat nichts von dem süchtigmachenden Timbre der Diesel-S-Version. Das ist auch gewollt, denn ein Hybrid steht für Vernunft und nicht für sportlichen Krawall. Immerhin zehn Prozent der Cayenne-Käufer entscheiden sich für den elektrifizierten SUV. Die müssen mindestens 82.087 Euro auf den Tisch legen. Damit ist die Hybridvariante um 15.827 Euro teurer als ein Cayenne Diesel mit 262 PS und einem maximalen Drehmoment von 580 Newtonmetern und kostet auf den Cent genauso viel wie ein Cayenne S Diesel. Auch der Cayenne S mit dem famosen neuen Sechszylinder ist um 1.904 Euro billiger, hat aber einen größeren Benzindurst.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2014-10-20

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