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Testbericht

Marcel Sommer, 6. September 2012
Bei den neuen Porschemodellen sorgt eine ganze Armada an Assistenzsystem für eine nahezu perfekte Straßenlage zu jedem Zeitpunkt - und nicht nur im Renntempo.

PSM, PTV und EPS - was sich anhört wie ein Lied der Fantastischen Vier ist nichts anderes als eine kleine Auswahl an Fahrdynamiksystemen aus Zuffenhausen. Mit ihrer Hilfe werden die ohnehin schon für den sportlichen Straßeneinsatz entwickelten Porsche 911 und Boxster nochmals spürbar in ihren Fahrleistungen gesteigert. Neben den offensichtlich zu erkennenden Aeropaketen, welche zu einem höheren Anpressdruck und dadurch resultierende höhere Kurvengeschwindigkeiten führen, sind die eigentlichen Technikstars unsichtbar unter dem Stahlkorsett versteckt.

Die bei Porsche EPS genannte Elektromechanische Servolenkung ist eines der Systeme, das auch Laien bereits nach wenigen Augenblicken einen gesteigerten Lenkkomfort sowohl bei schnell gefahrenen Kurven als auch beim Einparken vermittelt. Einen besonders hohen Nutzen zeigt das EPS bei einer ruckartigen Bremsung auf ungleichem Untergrund. Lässt der Fahrer das Lenkrad während dessen los, werden die aktiven Lenkeingriffe zur Fahrzeugstabilisierung besonders deutlich. Neben den vom Fahrer direkt wahrgenommenen Effekten wirkt sich das EPS durch sein um 0,2 Kilogramm gegenüber einer herkömmlichen Lenkung geringeres Gewicht positiv auf den Spritverbrauch aus. Die Elektromechanische Servolenkung senkt den Verbrauch um 0,1 Liter auf 100 Kilometern.

Dass Sportlichkeit nicht unbedingt eine stets harte und somit auf langen Strecken unangenehme Federung voraussetzt zeigt sich beim PASM, der aktiven Dämpfereinstellung. Das im 911 Carrera S serienmäßig verbaute System verfügt über vier zusätzliche Vertikalsensoren an den Vorder- und Hinterrädern, um eine noch bessere Regelung als bisher zu leisten. Der Fahrer kann über die Fahrwerkstaste auf der Mittelkonsole zwischen zwei Programmen, Normal und Sport, wählen. Für besonders sportlich ambitionierte Fahrer steht für die neuen 911-Modelle ein PASM-Sportfahrwerk inklusive einer Fahrzeugtieferlegung um 20 Millimeter und eines Aerodynamikpakets zur Wahl - was wiederum einen ausgezeichneten Straßenkontakt bei hohen Geschwindigkeiten zur Folge hat.

Die auf der Porsche-Aufpreisliste unter dem Namen PTV beziehungsweise PTV Plus zu findende unsichtbare Fahrerunterstützung besteht aus einer Hinterachs-Quersperre und einer variablen Momentenverteilung an der Hinterachse. Im Wesentlichen verbessert das Porsche Torque Vectoring durch gezielte Bremseingriffe am kurveninneren Hinterrad das Lenkverhalten und somit auch die Lenkpräzision des Fahrzeugs. Auf Grund der Tatsache, dass nun das kurvenäußere Hinterrad einen Überschuss an Antriebsmoment aufweist, erfährt auf Wunsch sowohl der 911 als auch der Boxster eine deutliche Steigerung der Einlenkfunktion. Die Hinterachs-Quersperre sorgt indes beim Herausbeschleunigen aus der Kurve für ein deutlich verbessertes Traktionsvermögen. Im Gegensatz zum PTV verfügt das PTV Plus an Stelle einer mechanischen über eine vollvariable Quersperre, die das Bremsverhalten bei einer harten Vollbremsung insofern optimiert, dass nun jedes Rad einzeln per ABS abgebremst wird.

Den größten Beitrag zur Fahrdynamiksteigerung des neuen 911 sehen die Zuffenhäuser Ingenieure selbst in der neu entwickelten Porsche Dynamic Chassis Control, kurz PDCC. Durch ein variables Stabilisatorsystem wird zum Beispiel die Seitenneigung des Fahrzeugs beim Einlenken in die Kurve, bei der Kurvenfahrt selbst und bei schnellen Spurwechseln nahezu vollständig kompensiert. Besonders Fahrer und auch Beifahrer mit einem seichten Magen werden dieses neue Fahrgefühl zu schätzen wissen. Das Hauptaugenmerkt der Entwickler lag aber natürlich nicht auf den Innereien der Insassen, sondern auf einer Verbesserung der Nordschleifen-Zeit, die nun durch steigende Kurvengeschwindigkeiten bei 7:40 Minuten liegt - 14 Sekunden schneller als das Vorgängermodell.
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Quelle: Autoplenum, 2012-09-06

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