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Testbericht

Stefan Grundhoff, 30. Mai 2011
Rennwagen gehören auf die Rennstrecke? Von wegen. Ein sonniger Vormittag mit einem Porsche 911 GT3 RS 4.0 auf der Schwäbischen Alb überzeugt jeden eindrucksvoll vom Gegenteil.

Das letzte Produktionsjahr des auslaufenden Porsche 911 der Baureihe 997 wird als das wohl modellreichste in die Firmengeschichte eingehen. Nachdem die Besitzverhältnisse im Hause Volkswagen / Porsche nunmehr endgültig geklärt sind, kann man sich im Stuttgarter Westen wieder auf das wesentliche konzentrieren – Autos. Auf der IAA Mitte September feiert der neue Elfer mit der internen Bezeichnung 991 seine Weltpremiere. Im Abschlussjahr des Ausläufers greifen die Zuffenhausener in die Vollen – unzählige 997er-Versionen drehen derzeit ihre Ehrenrunden. Der Beste von Ihnen trägt den Namen 911 GT3 RS 4.0. Wer heiß auf einen echten Rennwagen für die Straße ist, sollte schnell zugreifen. „Man kann sich glücklich schätzen, wenn man einen von ihnen ergattert“, schmunzelt Produktentwickler Andreas Preuninger, „es wird wirklich nur 600 Stück geben.“ Ein GT3 ist die Krönung der 911er-Reihe – vorausgesetzt man will keinen Turbolader im Heck brummen hören.

Über die Jahre haben die GT3-Versionen, die mit dem einstigen 996er eingeführt wurden, mächtig zugelegt. Aus 360 PS wurden 381, dann 415, 435, 450 und nunmehr 500 PS. Wie groß der Unterschied des Triebwerks mit nunmehr vier Litern Hubraum im Vergleich zu seinem Vorgänger ist, beeindruckt nach ein paar schnellen Kurven. Der Sechszylinder-Boxer dreht wie ein Bulle hoch und drückt die maximal zwei Insassen vehement in die ebenso engen wie bequemen Schalensitze. Das griffige Alcantara-Steuer in beiden Händen fingert man den nicht einmal 1,4 Tonnen schweren Hecktriebler durch jede noch so knifflige Kurvenkombination. Nicht erst nach dem Drücken der Sporttaste brüllt der Hochleistungsmotor auf und zeigt, dass es nicht immer ein Turbo sein muss, der einem hinter dem Steuer jegliche Sinne raubt. Die Kurbelwelle sorgt für das Hubraumplus von zweihundert Kubikzentimetern und ein größerer Ansaugtrakt für den nötigen Durchzug. 0 auf 100 schafft der sportliche Zauberlehrling in 3,9 Sekunden.

Selbst auf eine Rennstrecke lässt es sich vortrefflich verzichten. Warme Temperaturen, eine trockene Fahrbahn und die grandiosen Kurvenketten der Schwäbischen Alb lassen einen alle Rundkurse dieser Welt vergessen. Ortschilder mit schier unaussprechlichen Namen fliegen nur so an einem vorbei – der Pilot ist wie im Wahn. Die Lenkpräzision des 911 GT3 RS 4.0 ist bei aller Triebwerkskunst das, was einem bis zum Abend im Hirn brennt. Bis auf wenige Zentimeter lässt sich die Stuttgarter Unschuld fürs Lande an Fahrbahnböschungen und Leitpfosten heranbewegen. Mehr und schneller ging nur auf der Rennstrecke – doch es ist ein wahrer Zauber, dass es diesmal eine Landstraße ist. Hier gehört das neueste Männerspielzeug zum Besten, was weltweit zu bekommen ist. Immer wieder diese Drehzahlorgien bis über die 8.000er-Marke, die einen brachial nach vorne schiebt.

Dabei ist die Höchstgeschwindigkeit kaum mehr als eine angenehme Randerscheinung. „Der Wagen läuft bei Tempo 310 in den Begrenzer hinein“, erläutert Preuninger, „es ging bei dem Wagen nicht um Höchstgeschwindigkeit, sondern darum, möglichst schnell bis zu dieser Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen.“ Im Vergleich zum Vorgänger gibt es 50 PS und 30 Nm Drehmoment mehr. Ein Leistungsplus, das sich insbesondere bei Fahrten im mittleren Drehzahlbereich positiv bemerkbar macht. Hier ist der GT3 4.0 durchweg einen Gang höher unterwegs als bisher. Das Gewicht liegt fahrbereit bei leichten 1.360 Kilogramm. Hauben und Kotflügel aus Kohlefaser sparen überflüssiges Gewicht. Die hinteren Scheiben sind aus Polycarbonat und wer will, kann eine Lithium-Ionen-Batterie ordern, die weitere elf Kilogramm spart. Der Verbrauch – mit 13,8 Litern nicht mehr als eine Randnotiz.

Bei ersten Testfahrten auf der Nordschleife des Nürburgrings brauchte der Porsche 911 GT3 RS 4.0 7,27 Minuten. Ein Topwert. Kein Wunder, dass rund 85 Prozent aller GT3-Kunden ihren Boliden allein auf der Rennstrecke bewegen. Dabei sorgt er mit mächtigen Schwellern und Spoilerwerk auch im langsamen Straßengalopp für jede Menge Aufmerksamkeit. „Kein Marketing, kein Kunde hat diesen Wagen gefordert“, unterstreicht Projektleiter Andreas Preuninger, „wir wollten den Vier-Liter-Triebwerk der Rennversionen einfach auch einmal in einem Straßenauto sehen.“ Das ist zum Abschluss der 997er-Reihe nunmehr drin – für 178.596 Euro.
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Quelle: Autoplenum, 2011-05-30

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