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Testbericht

Sebastian Viehmann, 16. März 2010
Emotion? Sportwagen? Reiner Fahrspaß? Das waren bislang nicht immer Worte, die man in einem Atemzug mit Peugeot nannte. Doch die Löwenmarke will sich neu erfinden. Der RCZ ist der erste Schritt - und was für einer.

Peugeot kämpft an vielen Fronten um die Zukunft der Mobilität. Elektroautos und Hybridsysteme, großes Engagement im Zweirad-Markt und sogar ein eigenes Mobilitätskonzept in Form eines erweiterten Car-Sharings stehen auf der Agenda. Die Emotionen sollen aber nicht auf der Strecke bleiben – ein ganz schöner Spagat, den die Franzosen da hinlegen müssen.

Doch er kann durchaus glücken, wie das Beispiel des Peugeot RCZ zeigt. Das 4,3 Meter lange, 1,8 Meter breite und 1,36 Meter hohe Sportcoupé schmiegt sich nicht nur höchst elegant an den Asphalt und spielt im Dämmerlicht mit seinen hübschen Rundungen, es hat auch innere Werte. Man sitzt bequem in den straffen Sportsitzen, Kopf- und Kniefreiheit sind üppig. Die hinteren Sitze degradieren die Fond-Passagiere zwar zu Sardinen in der Dose, aber als Viersitzer wird den Wagen ja auch keiner kaufen. Man nutzt den Fond besser als erweiterten Gepäckraum, denn bei umgeklappten Rücksitzlehnen steigt das Kofferraumvolumen von 321 – auch schon nicht schlecht für einen Sportwagen - auf 639 Liter. Die Schattenseite der schicken Karosserie ist die schlechte Übersichtlichkeit nach hinten.

Auch wenn der RCZ wie ein Mittelmotor-Sportler aussieht, ist das brave Kompaktmodell 308 sein Teilespender. Frontmotor mit Frontantrieb, Einzelradaufhängung vorn und Verbundlenkerachse hinten lauten die unspektakulären Merkmale. Doch die Ingenieure haben vor allem bei der 200 PS-Version dank geänderter Vorderachsgeometrie mit verstärkten Dreieckslenkern das Maximale aus dem Baukasten herausgeholt. Der tiefe Schwerpunkt tut sein Übriges dazu, und heraus kommt Fahrspaß vom Feinsten. Der 1,3 Tonnen schwere RCZ tänzelt leichtfüßig um die Kurven, bleibt sehr lange neutral, kennt kaum Traktionsprobleme und ist bei aller Straffheit nicht zu hart gefedert.

Der 200 PS-Benziner ist die Top-Motorisierung, das 26.450 Euro teure Basismodell hat nur 156 PS. Unter der Haube steckt jeweils ein 1,6-Liter Motor mit Turboaufladung, variabler Nockenwellenverstellung und Direkteinspritzung. Bei der stärkeren Version liegen ab 1700 Touren 275 Newtonmeter Drehmoment an. Wenn man schnell durch die Kurven jagen will, muss man das Aggregat schon bei Drehzahl-Laune halten, doch der RCZ belohnt seinen Piloten mit einem ordentlichen Anzug und hoher Elastizität beim Überholen. Nur im Autoquartett würde er keinen Trumpf gegen die Konkurrenz holen: 7,5 Sekunden braucht der RCZ für den Spurt von 0 auf 100 Km/h, das können Audi TT 2.0 TFSI (6,6 Sekunden) oder VW Scirocco 2.0 TSI (6,9 Sekunden) besser. Die Gänge wechselt man beim RCZ mit einem knackigen Sechsganggetriebe. Eine Sechsgangautomatik wird folgen, allerdings nur für den Basisbenziner.

Beim Preis liegt die 200 PS-Version des RCZ mit 28.950 Euro in etwa auf dem Niveau der Konkurrenz (VW Scirocco 2.0 TSI / 210 PS: 26.050 Euro; Honda Civic Type S / 201 PS: 28.290 Euro; Alfa Romeo Brera 1.8 TBi / 200 PS: 28.950 Euro). Das Audi TT Coupé 2.0 TFSI (200 PS) steht erst ab 33.400 Euro in der Liste. Zur Serienausstattung des Peugeot gehören unter anderem elektrische Fensterheber, Tempomat mit Begrenzer-Funktion, Zweizonen-Klimaautomatik, akustische Einparkhilfe, Reifendrucksensoren, ESP und Soundsystem. Zu den Optionen gehören neben Ledersitzen, Xenonlicht und Navigationssystem auch Dinge wie Vollleder-Ausstattung für das Armaturenbrett oder Karbonbeschichtung fürs Dach.

Unterm Strich ist der RCZ gut vergleichbar mit Autos wie Nissans Z-Modellen in den 70er Jahren: nicht hochmotorisiert, aber sportlich-elegant, alltagstauglich, preislich attraktiv, gut ausgestattet, flott unterwegs und dabei kein hemmungsloser Spritvernichter. Ein Auto für Zeiten also, in denen reine Leistung selbst für Freunde schicker Sportwagen manchmal ihren Reiz verliert. „Die meisten RCZ-Fahrer werden die zweite Stufe des Heckspoilers nie sehen“, sagt ein Peugeot-Sprecher – der Bürzel fährt nämlich erst bei 155 Km/h im vollen Winkel von 34 Grad aus, und bei diesem Tempo riskiert man in den meisten EU-Ländern auf der Autobahn bereits vierstellige Bußgelder.

Aber selbst wenn der 200 PS-Benziner die stärkste Motorisierung bleiben wird, wie man bei Peugeot betont, muss das ja noch nicht alles sein. Auf dem Genfer Salon zeigte Irmscher eine aufgemotzte Version des Peugeot 3008. Wenn die Franzosen-Flunder RCZ der erhoffte Erfolg wird – man will im Jahr 2011 immerhin 17.000 Stück verkaufen, davon 3000 in Deutschland – dann könnten sich bald Tuningschmieden auch an dem 2+2-Sitzer austoben. Und im Mai will Peugeot, immer noch in Hochstimmung wegen des Sieges bei den 24 Stunden von Le Mans, den RCZ in die Grüne Hölle schicken. Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring soll der Löwe dann der Konkurrenz die Krallen zeigen, mit einem auf 200 PS erstarkten Dieselmotor.
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Quelle: Autoplenum, 2010-03-16

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