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Testbericht

Sebastian Viehmann, 28. Februar 2012
Der Peugeot 508 RXH will ein bisschen was von allem sein: Familienkombi, SUV, Umweltpionier, PS-starkes Reiseauto. Letztlich ist er eine teure, aber sehr gut ausgestatte Alternative zum Dieselmodell mit ein wenig Elektro-Faszination.

Wie hätten Sie’s denn gern? Der Drehknopf auf der Mittelkonsole des Peugeot 508 RXH ist das wichtigste Bedienelement. Mit ihm wählt man die verschiedenen Betriebsmodi und bringt die unterschiedlichen Charaktere des Dieselhybriden zum Vorschein. Die Antriebsarbeit in dem 4,8 Meter langen Familienkombi teilen sich ein 163 PS starker Zweiliter-Dieselmotor an der Vorderachse und ein 27 kW starker Elektromotor an der Hinterachse. Beide Motoren arbeiten je nach Fahrsituation einzeln oder gemeinsam, eine mechanische Verbindung zwischen den Achsen gibt es aber nicht.

Im ZEV-Modus fährt man so lange elektrisch, wie es die Batterie erlaubt – höchstens vier Kilometer weit bei maximal 60 km/h. Meist muss der Dieselmotor schon nach zwei Kilometern mithelfen, aber das geräusch- und emissionslose Gleiten durch die Stadt macht im 508 RXH den meisten Spaß. Im Sport-Modus setzt das Auto seine gesamte Kraft ein, der Elektromotor gibt einen Extra-Schub – solange die Batterien genügend Saft haben. Der 508 RXH beschleunigt in 8,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Meistens lässt man den Fahrmodus-Knopf einfach auf "Auto" stehen, dann berechnet die Elektronik das optimale Zusammenspiel zwischen Diesel- und Elektroantrieb. Den Durchschnittsverbrauch des Wagens gibt Peugeot mit 4,1 Litern pro 100 km an. Bei den Testfahrten pendelte er sich je nach Gaseinsatz zwischen 5 und 6,5 Litern ein. Am sparsamsten ist man auf der Landstraße bei rund 90 km/h unterwegs, dann sind vier Liter Verbrauch kein Problem. Beim Bremsen und Segeln gewinnt die 1,1 kWh große Nickel-Metallhydrid-Batterie Energie zurück (Rekuperation).

Leider haben die Franzosen bei aller Hybrid-Hightech die klassischen Tugenden eines Reiseautos ein wenig aus den Augen verloren. Der Federungskomfort ist zwar insgesamt gut, doch das Fahrwerk poltert bei niedrigem Tempo manchmal hölzern über Bodenwellen und Schlaglöcher. Das stolze Leergewicht von rund 1,8 Tonnen bremst eine sportliche Fahrweise, in schnellen Kurven geht der Wagen in die Knie. Das automatisierte Sechsgang-Schaltgetriebe schaltet schön weich, hat aber manchmal leichte Zugkraftunterbrechungen.

Bei Vollgas zerren die Antriebskräfte an der Lenkung. Immerhin: Im Allrad-Modus verteilt die Elektronik die Antriebsarbeit recht harmonisch zwischen Vorder- und Hinterachse, die Traktion wird dadurch besser. Um den 4WD-Modus dauerhaft und bis maximal 120 km/h zu gewährleisten, nutzt das System nicht nur die Hybridbatterie, sondern auch die 8 kW des Startergenerators. Dessen Energie wird bei Bedarf per Hochvoltkabel zum E-Motor an die Hinterachse geleitet.

Wenig Schwächen zeigt der Peugeot im Innenraum. Die Verarbeitung lässt keinen Grund zur Klage und das Platzangebot überzeugt – auch im Fond sitzt man sehr bequem und der Kofferraum fasst trotz Einschränkungen durch die Hybridbatterie noch 400 Liter. Klappt man die Rücksitze um – das geht im Peugeot leicht und schnell per Hebelzug – werden es bis zu 1360 Liter. Das serienmäßige Head-Up-Display jedoch ist eine Spar-Lösung, deren Anzeige nicht in die Scheibe gespiegelt wird, sondern auf einen kleinen Extra-Bildschirm im Armaturenbrett – vom Nutzwert der Systeme von BMW oder Audi ist das Peugeot-Display damit weit entfernt. Gänzlich fehlplatziert sind die Becherhalter: Becher oder Flaschen behindern die Sicht auf den Navigationsbildschirm.

Der 508 RXH kostet 41.900 Euro. Für einen Familienkombi ist das eine hübsche Stange Geld, allerdings ist der Franzose voll ausgestattet. Zum Serienumfang zählen zum Beispiel Panorama-Glasdach, Zweizonen-Klimaautomatik, Tempomat, Head-Up-Display, Parksensoren, Audio- und Bildschirmnavigationssystem, Sitzheizung und Bordcomputer.Hybrid-Konkurrenten hat der große RXH kaum. Toyota Prius oder Opel Ampera bieten deutlich weniger Platz. Der Citroën DS5 HYbrid4 hat den gleichen Antrieb wie der Peugeot an Bord, ist aber ebenfalls kleiner. Familientaugliche Teilzeitelektriker findet man noch bei Audi (Q5 Hybrid, 53.700 Euro) Lexus (RX 450h, 59.950 Euro) und nochmal bei Peugeot (3008 HYbrid4, 34.150 Euro).

Die größte Konkurrenz hat der Peugeot 508 RXH freilich nicht unter anderen Hybriden, sondern unter Dieselfahrzeugen. Der VW Passat Variant 2.0 TDI (170 PS) zum Beispiel hat einen Durchschnittsverbrauch von 4,7 Litern pro 100 km und kostet – zugegebenermaßen mit deutlich schlechterer Serienausstattung - 33.200 Euro. Einen Peugeot 508 SW mit 204 PS-Diesel bekommt man ab 39.750 Euro, er verbraucht im Schnitt 5,9 Liter. Immerhin kann der RXH den Allradantrieb und seine Offroad-Optik in die Waagschale werfen.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2012-02-28

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