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Testbericht

2. Juli 2008
Belfort (Frankreich), 2. Juli 2008 - Ausgerechnet ein Löwe erinnert uns beim Peugeot-Lokaltermin an unerquickliche Zeiten. Ausgerechnet ein Löwe, das Markensignet des französischen Herstellers. Ein gigantisches Steinexemplar des Königs der Tiere ist Wahrzeichen der Stadt Belfort in Südostfrankreich, und dort findet auch die Veranstaltung statt. Der Steinlöwe gemahnt an die Standhaftigkeit der Verteidiger von Belfort im deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Er könnte aber auch für die Beharrlichkeit der Franzosen in der Mittelklasse stehen. Denn obwohl hierzulande in diesem Segment hauptsächlich deutsche Marken gekauft werden, hält Peugeot das Mittelklasse-Banner hoch. Jüngst hat man den 407 in den Varianten SW, Limousine und Coupé dezent modifiziert. Wir haben das Coupé mit dem Top-Diesel getestet und herausgefunden, ob und wenn ja mit welchen Tugenden die Mittelklasse aufwarten kann. Sehr dezente äußere Modifikationen Äußerlich charakterisiert vor allem der weit geöffnete Grill den 407. Peugeot deutet zwar in letzter Zeit ein Abrücken vom Haifischmaul als Markenkennzeichen an, doch bisher ist noch alles beim Alten. Im neuen Modelljahr bekommen die Limousine und der Kombi namens SW nur dezente Veränderungen verpasst. Darunter sind ein neuer Grill mit verchromten Vertikalstreben, veränderte Rammschutzleisten, ein Diffusor am Heck und modifizierte Heckleuchten in LED-Optik. Sind diese Änderungen schon minimal, so sind sie beim Coupé noch geringfügiger. Außen gibt es hier gar keine Änderungen. Im Inneren bekommt die dreitürige Version genau wie Limousine und Kombi neu gestaltete Oberflächen in Silbergrau beziehungsweise bei den höheren Ausstattungen in Klavierlack-Schwarz. Bei den Motoren ist neu, dass der Zweiliter-Diesel nun vier PS mehr leistet und ab Spätherbst 2008 auch die Euro-5-Abgasnorm erfüllt.

Drei Benziner-Schluckspechte Der 407 wird mit drei Benzinern und vier Dieseln angeboten. Den Einstieg markiert ein 125 PS starker 1,8-Liter-Ottomotor. Darüber gibt es einen Zweiliter mit 140 PS und einen Dreiliter-V6 mit 211 PS. Doch die Ottoseite der Motorenpalette vergisst man am besten gleich wieder. Nehmen wir nur den Basismotor: Das Aggregat braucht in der Limousine laut Hersteller 7,7 Liter Sprit auf 100 Kilometer - das sind fast zwei Liter mehr als der Grundmotor im BMW 3er, obwohl dieser rund 20 PS mehr leistet. Peugeot stünden ja modernere Ottomotoren bereit - die THP-Aggregate aus der Kooperation mit BMW -, doch scheut man den finanziellen Aufwand. Der würde sich auch nicht rechnen, weil sowieso 86 Prozent der 407-Käufer einen Diesel kaufen. Vier Nichtraucher-Diesel Bei den Selbstzündern hat man die Auswahl zwischen vier Aggregaten. Es beginnt mit dem bekannten 1,6-Liter-Motor mit 109 PS. Darüber rangiert der nun erstarkte Zweiliter-Motor mit 140 PS. Weiterhin gibt es einen 2,2-Liter-HDi, dessen zwei Turbolader 170 PS aus dem Motor holen, sowie einen 2,7-Liter-V6 mit 204 PS. Alle Aggregate werden mit Rußpartikelfilter ausgerüstet. Zur Begleitung der Aggregate stehen vier Getriebe zur Verfügung: eine Fünf- und eine Sechsgang-Schaltung sowie eine Vier- und eine Sechsgang-Automatik. Die Viergang-Automatik wird ausschließlich mit dem 2,2-Liter-Benziner verbandelt. Obwohl die Gangstufenzahl klein erscheint, verbraucht der Benziner damit nur 0,4 Liter mehr als mit der Sechsgang-Schaltung. Der Sechsgang-Automat dagegen verträgt zwar das hohe Drehmoment starker Diesel besser, ist jedoch ausgesprochen schluckfreudig: Er benötigt beim 2.0 HDi gleich 1,2 Liter Diesel mehr als die manuelle Box mit der gleichen Ganganzahl. Im gefahrenen Topdiesel wird ausschließlich diese Automatik eingebaut. Dank "Porsche Tiptronic System" lässt sich damit auch manuell schalten, allerdings nur am Wahlhebel.

Auch 2,7-Liter-Diesel durstig Mit dem 2,7-Liter-Diesel und Sechsgang-Automatik verbraucht das Coupé laut Hersteller 8,5 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Das vergleichbare BMW 325d Coupé Steptronic mit 197 Sechszylinder-PS braucht nur 6,4 Liter auf 100 Kilometer, also über zwei Liter weniger. Der Topdiesel ist also ebenfalls durstig. Auch sonst sieht der Selbstzünder nicht gut aus im Vergleich mit der Münchner Konkurrenz. Das Drehmoment von bulligen 440 Newtonmeter ist zwar höher, steht jedoch erst ab 1.900 Touren zur Verfügung, während der BMW schon ab 1.300 U/min die Maximalkraft bietet. Seltsam: Seine zwei Turbolader müssten doch eigentlich schon bei niedrigen Drehzahlen für viel Kraft sorgen. Kein überragender Schub Das Auto braucht 8,8 Sekunden für den Sprint auf 100 Kilometer, während der BMW lediglich 7,5 Sekunden braucht. Denn der Peugeot ist etwas länger und deshalb auch rund 200 Kilo schwerer als der Münchner. Aus dem gleichen Grund ist wohl die Höchstgeschwindigkeit mit 225 km/h etwas niedriger als beim BMW, der 236 km/h schafft. In der Praxis wirkt das Auto zumindest beim Anfahren nicht sehr agil - das liegt zum Teil wohl an der Automatik, die natürlich bei spontaner Kraftanforderung erst zurückschalten muss. Ist das Coupé dann mal in Gang, drückt einen die Dieselkraft durchaus in die gut konturierten Sitze. Dabei bleibt die Geräuschkulisse sehr dezent: Weder klingt der Sechszylinder sportlich, noch stört er durch Nageln oder Brummen. Das ist zum Teil wohl der fortschrittlichen Einspritzung über Piezo-Düsen zu verdanken, andererseits ein Verdienst der guten Geräuschdämmung, unter anderem mit speziell gedämmten Verbundglas-Seitenscheiben.

Eher auf Komfort ausgerichtet Das Fahrwerk basiert wie generell beim 407 auf einer Vorderachse mit doppelten Querlenkern und entkoppelten Achsschenkeln sowie einer Mehrlenker-Hinterachse. Damit liegt das Coupé gut auf der Straße. Wie man es von einem französischen Auto schon fast erwartet, ist der 407 damit weniger straff als etwa ein BMW, dafür aber auch komfortabler. Die serienmäßige Stoßdämpferverstellung per Knopf im Cockpit ändert daran wenig - muss sie auch nicht, weil die Elektronik sowieso ständig den Dämpfungskomfort der aktuellen Fahrsituation anpasst. Die elektrohydraulische Servolenkung erfüllt ihre Funktion gut und fällt nicht negativ auf. Glitzernde Klavierlack-Mittelkonsole Etwas störend ist jedoch die sehr beschränkte Sicht nach links hinten. Im Innenraum wirkt das dunkel gehaltene Coupé mit seinen Alu-Details durchaus edel. Der dominierende Zweiklang Schwarz-Silber passt eben optimal zu einem Coupé. Bei der optionalen Lederausstattung kleiden sich nicht nur die Sitze, sondern auch Armaturenbrett und Handschuhfach in das tierische Material. Die Instrumente wirken allerdings trotz der Chromringe etwas schlicht. Neu ist die Mittelkonsole in Klavierlack-Optik. Das Problem an derartigen Oberflächen ist, dass man Fingerabdrücke und Staub leicht darauf sieht. Hier ist zumindest ein Teil der Problematik durch eine Glitzeroptik gelöst: Dadurch wirkt das Material optisch etwas ungleichmäßig, und Staubpartikel fallen weniger auf.

400 Liter Kofferraum Unser Testwagen war mit elektrisch einstellbaren Vordersitzen ausgestattet. Damit fällt das Einsteigen in den Fond leicht, da die Sitzmöbel beim Vorklappen der Lehne bereits automatisch nach vorne rücken. Die Rücksitze des Viersitzers bieten zwei Erwachsenen ausreichend Platz. Wenn man sich allerdings als mittelgroßer Insasse kerzengerade aufrichtet, stößt man mit dem Kopf bereits oben an die Decke. Die Sitze lassen sich asymmetrisch geteilt umklappen. Zuvor muss allerdings die Sitzfläche im Ganzen nach vorne geklappt werden. An den Kofferraum darf man bei einem Coupé nicht allzu große Ansprüche stellen. Dennoch: Die Öffnung des Gepäckabteils ist hier recht klein geschnitten. Es fasst 400 Liter; nach dem Umklappen passt noch mehr hinein. Ab 36.950 Euro Das 407 Coupé V6 HDi FAP 205 ist ab 36.950 Euro zu haben. Zum Vergleich: Das BMW 325d Coupé Steptronic kostet mindestens 41.110 Euro, und ein Audi A5 2.7 TDI multitronic ist etwa ebenso teuer. Peugeot bietet zwei Ausstattungen namens Sport und Platinum an. Schon bei der Sportversion gehören Bi-Xenon-Scheinwerfer, Nebelscheinwerfer sowie Licht- und Scheibenwischerautomatik zur Serienausstattung. Zudem sind elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, eine elektronische Einparkhilfe für hinten, ein Tempomat, eine Zweizonen-Klimaautomatik, ein CD-Radio, die elektronische Dämpfersteuerung, 18-Zoll-Alufelgen und Reifendrucksensoren Serie. Ein umfassendes Sicherheitspaket mit sieben Airbags und ESP ist ebenfalls immer an Bord.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Diesel in V-Bauweise mit 2 Turboladern, Common-Rail-Piezo-Einspritzung
Hubraum:2.720
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Leistung:150 kW (204 PS) bei UPM
Drehmoment:440 Nm bei 1.900 UPM
Preis
Neupreis: 36.950 €
Fazit
Vom Mittelklasse-Bestseller VW Passat wurden im Jahr 2007 über 100.000 Stück verkauft. Dagegen brachte es der Peugeot 407 auf gerade mal 8.000 Exemplare. Kein Wunder, wenn man sich den Spritverbrauch ansieht: Der liegt bei den betrachteten Motoren meilenweit über der Konkurrenz. Auch das Design mit dem großen Grillmaul ist nicht gerade ein Kaufgrund. Daran ändern auch die marginalen Modifikationen zum Modelljahr 2008 nichts. Gefallen hat uns allerdings das komfortable, aber nicht übertrieben weiche Fahrwerk. Überhaupt ist das 407 Coupé mit dem getesteten Top-Diesel eher ein Auto zum Cruisen als zum sportlichen Fahren. Dazu passt auch die Sechsgang-Automatik. Wer den 407 kauft, tut das aber wohl des Preises wegen. Denn der ist etwa im Vergleich zum BMW 3er Coupé oder Audi A5 wirklich günstig.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2008-07-02

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