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Testbericht

Joaquim Oliveira, 2. April 2020
Peugeot hat sich nicht völlig aus dem Motorsport verabschiedet. Insbesondere der Rallyesport hat es den Franzosen seit Jahrzehnten angetan. Für Nachwuchsfahrer gibt es in Südeuropa eine eigene Rennserie und hierfür einen besonders sportlichen Renner namens Peugeot 208 Rally 4.

Optisch unterscheidet sich der Peugeot 208 Rally 4 dabei kaum von seiner zivilen Straßenversion, dem erfolgreich gestarteten Peugeot 208, der auf Wunsch sogar mit einem 136 PS starken Elektroantrieb zu bekommen ist. Neben der Kriegsbemalung inklusiv Werbeornaten fallen die zusätzlichen Lufteinlässe in der Front, die Abluftgitter auf der Motorhaube und der Luftrüssel auf dem Dach ins Auge. Dazu gibt es Rennsportfelgen, Funkantenne auf dem Dach und einen Überrollkäfig, den man bereits von außen erspähen kann. Im Innenraum hat der Peugeot Rally 4 mit dem Serienmodell allerdings nichts mehr gemein. Armaturenbrett, Verkleidungen, Teppiche und Sitze sind nach der Rennsportkur verschwunden, um das Übungsgerät auf gerade einmal 1.080 Kilogramm herunterzubringen. Neben den Sparco-Rennschalensitzen für Fahrer und Beifahrer greift der Rallyepilot in ein Lenkrad mit Wildlederbezug, blickt auf ein kleines Digitaldisplay und hat ein paar Taster für die wichtigsten Fahrzeugeinstellungen, wo sich sonst der Navigationsbildschirm befindet. Geschaltet wird per sequenziellem Fünfgang-Getriebe, während zwischen den beiden Schalensitzen zwei mächtige Stangen von Schaltung und Handbremse hervorragen, die bei einem Rallyefahrzeug die wichtigsten Details sind, um den Wagen in Kurven schräg anzustellen. Das A und O bei einer Wertungsprüfung.

Große Veränderungen gab es beim Peugeot 208 Rally 4 auch unter der Motorhaube. Arbeitete beim Vorgängermodell 208 Rally 2, der gerade in Spanien und Portugal in Peugeot‘s Nachwuchsprogramm für Rallyepiloten eingesetzt wurde, ein 1,6 Liter große Vierzylinder-Sauger, so dröhnt im Rally 4 erstmals Turbopower. \"Mit der neuen Plattform unterscheidet sich der R4 vom R2 durch den 1,2 Liter Dreizylinder mit Turboaufladung, der den 1,6-Liter-Motor ersetzt\", erläutert Werksfahrer Jean-Baptiste Franceschi, der in Frankreich vergangenes Jahr den Peugeot 208 Cup gewann. Dass nach dem neuen Reglement in der Serie Triebwerne über 1,3 Liter Hubraum verboten sind, spielt den Franzosen in die Hände. Der Motorenwechsel ist verbunden mit einer Leistungssteigerung von 180 auf 208 PS und einem Drehmomentgewinn von schlappen 119 auf immerhin 290 Nm.

Die Leistungsdaten sind auf den ersten Blick nicht wirklich viel für ein Sportgerät oder ein Rallyefahrzeug, aber immerhin genug, um es auf einer Teststrecke wie der von Terramar nahe Sitges mächtig fliegen zu lassen. Ein Druck auf den Starterknopf und der Dreizylinder gibt hungrig brabbelnd sein bekanntes Nageln von sich, das durch den Wegfall von überflüssigem Dämmmaterial im Rally 4 noch etwas wilder klingt.

Die Literleistung von 173 PS ist allemal genug, um den voll betankten Peugeot 208 Rally 4 mit Fahrer und Beifahrer rund 1.280 Kilogramm schwer aus dem Start überaus sportlich nach vorn zu katapultieren. Die Kupplung benötigt man dabei allein für das Einlegen der ersten Schaltstufe. Danach wird einfach an dem mächtigen Hebel zwischen den Sitzen gezogen und das sequenzielle Getriebe haut den zweiten, danach den dritten Gang rein. Der Dreizylinder heult auf, auch wenn man aufgrund des Turboladers die Drehzahlorgien vermisst, mit der die Vorgängergeneration des Saugers an der 7.000-Touren-Marke kratzte. Es ist laut, aber alles andere als ohrenbetäubend und Co-Pilot Jean-Baptiste Franceschi gibt als Rallyeexperte ruhig präzise Anweisungen, damit das Zusammenspiel von Gangschaltung und Handbremse klappt. Die Bremsen sind bissig und die Lenkung mit dem kleinen von Wildleder ummantelten Dreispeichenlenkrad aus den 70er Jahren ist ungemein direkt. Man muss Arme und Hände kaum bewegen, um in dem 208er-Renner nennenswerte Lenkwinkel aufzubauen.

\"Versuchen Sie nicht, den Rekord auf der Strecke von Terramar zu brechen\", gibt Rallyepilot Franceschi beiläufig auf dem Beifahrersitz laut. Die Gefahr besteht schon deshalb nicht, weil man das 66.000 Euro teure Rallyegerät - zzgl. Steuern - nicht abseits der Strecke in die spanische Botanik schicken will. Genauso direkt wie Lenkung und Bremse ist die Bedienung der Pedale und so wirkt der Pilot nicht nur durch das kleine Steuer und die engen Schalensitze perfekt mit dem Peugeot 208 Rally 4 verwoben. Man ist flott unterwegs, doch wirklich schnell geht anders. Wie man es richtig macht, zeigt ein paar Minuten später Jean-Baptiste Franceschi, als er das Steuer des Renners übernimmt. Er dreht die Gänge aus, lenkt ein, räubert über die Ecken und der Franzose lässt es trotz rutschiger Fahrbahn auf dem spanischen Rennkurs so richtig fliegen. \"Im Allgemeinen ist das Auto viel weniger nervös als der R2 und damit leichter zu fahren\", erklärt Franceschi, \"es geht darum, in die Kurve zu kommen, stark zu bremsen, das Lenkrad zu drehen und dann stark zu beschleunigen. Und alles mit größter Natürlichkeit, da viele der zukünftigen Piloten unerfahrene Fahrer sein werden.\" Womit er recht haben dürfte.
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Quelle: Autoplenum, 2020-04-02

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