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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 31. August 2015
Sechs Räder und dazu noch eine Optik, wie eine Badewanne. Der Panther war das Raumschiff auf den Straßen. Ein extremes Vehikel noch dazu - es wurden nur zwei gebaut.

Die Besucher der London Motorfair des Jahres 1977 staunten nicht schlecht. Da stand ein 4,89 Meter langer sechsrädriger Roadster, der eher in einen Science Fiction Film gehörte, als auf eine Auto-Messe. Als die interessierten Auto-Fans noch den Namen des Ufos hörten, wurden die Augen noch größer. "Panther P6"? Das schwarze Auto glich eher einer rollenden Badewanne, denn einer geschmeidigen Raubkatze.

Aber immerhin hatte der Motor genug Dampf: unter dem riesigen Heck befand sich ein 8,2-Liter-V8-Cadillac-Monster, das mit zwei Turboladern zwangsbeatmet wurde und so mehr als 600 PS auf die sechs Walzen wuchtete. Hinter dem Kraftwerk befanden sich noch zwei Ersatzräder mit den Dimensionen 265/50 VR16 (Heck) und 205/40 VR13 (Front). Die kleinen Vorderreifen waren eine Pirelli-Maßanfertigung und die Automatik hatte drei Gänge. Also Höchstgeschwindigkeit prognostizierten die Schöpfer des schrägen Autos 322 km/h. Offiziell erreicht wurde sie nie. Doch die Panther-Techniker schwörten Stein und Bein, dass mit der richtigen Gangübersetzung sogar noch mehr drin war.

Von nulll auf 100 km/h in sechs bis sieben Sekunden waren ebenfalls ein ganz ordentlicher Wert. Verbrauch? "Wenn Sie Glück haben, schaffen Sie zweistellige Werte", lachte ein Kommentator des britischen Fernsehens, als er den Panther P6 sah. Ganz so schlimm wird es wohl nicht gewesen sein, aber in Anbetracht der riesigen Brennräume dürfte schon einiges an Sprit durch die Leitungen fließen, wenn man dem gut 1,3 Tonnen schweren Vehikel P6 die Sporen gab.

Jetzt aber zur alles entscheidenden Frage: Wie zur Hölle kommt man auf die Idee, ein Auto, das einem Seifenkistenrennen entsprungen sein könnte, zu bauen? Die Antwort findet man in der Formel 1. Da sorgte der sechsrädrige Tyrrell P34 in der Saison 1976 für Furore und gewann den Großen Preis von Spanien. Mehr Räder, mehr Grip, lautete die Idee des ausgefuchsten Teamchefs Ken Tyrrell. Was für die Königsklasse gut genug, ist für die Straße nur billig, dachte sich Robert Jankel, Inhaber von Panther Westwinds. Einem britischen Autobauer, den Jankel 1972 aus der Taufe hob.

Der Bau des Panther P6 wurde selbst vor den Angestellten streng geheim gehalten und fand in Jankers Haus statt. Neben Janker, der selbst Designer war, machten sich die beiden Vauxhall-Designer Wayne Cherry and Geoff Lawson an die Formengebung des abgefahrenen Cabrios. Bei der Technik bediente sich Jankel bei existierenden Autos: Die Servolenkung und die Klimaanlage stammten von einem Mack Truck, die Vorderachse kam von einem Vauxhall und die Hinterachse von einem Cadillac Eldorado.

Die doppelten Vorderreifen erfüllten auch einen praktischen Zweck. Bei eine Vollbremsung blockierten das erste Paar, um im Falle einer nassen Straße einen möglichst trockenen Bremskorridor für die folgenden Pneus freizuschaufeln. Die Ausstattung des Luxus-Gleiters war opulent: sechsfach verstellbare Elektrositze, ein Telefon, eine Klimaanlage und ein Fernseher. Der Preis für dieses außergewöhnliche Auto: knapp 40.000 britische Pfund, was damals ein kleines Vermögen war. Obwohl Bob Jankel schon während der London Motorfair schon acht Bestellungen zu verzeichnen hatte, wurden nur zwei Modelle gebaut. Die Produktion verzögerte sich und die zweite Ölkrise 1979 versetzte dem Panther P6 den Todesstoß.
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Quelle: Autoplenum, 2015-08-31

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