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Testbericht

Stefan Grundhoff, 24. Mai 2011
Wer Pagani mit Paganini verwechselt, ist ein wahrhaft automobiler Banause. Italienische Kunst bieten beide. Jetzt gibt es den zweiten Akt – den Pagani Huayra.

Was sich anhört wie der Name des zweiten Ersatztorwarts der peruanischen Fußballnationalmannschaft ist einer der spektakulärsten Sportwagen unserer Zeit. Wer sich für einen Pagani interessiert, der sieht Lamborghini Aventador LP 700-4, Porsche 911 GT2 RS oder Ferrari 458 als lieblose Massenmodelle ohne jegliche Individualität an. Mehr als ein Jahrzehnt lehrte Horacio Pagani mit seinen in Handarbeit erschaffenen Supersportwagen die erlauchte Konkurrenz aus Deutschland, England, Japan und dem Umland von Modena das Fürchten. Kaum ein Rekord, den die Zonda-Versionen im Laufe der Jahre nicht an sich riss. Teurer, exklusiver und schneller als der brüllende Renner aus San Cesario sul Panaro ein paar Kilometer außerhalb von Modena, war kein anderer. Zuletzt pulverisierte der Pagani Zonda R mit Rennfahrer Marc Basseng am Steuer den Rekord eines Straßenfahrzeugs auf der Nordschleife: 6:45 Minuten.

Nachdem der leicht barock angehauchte Pagani Zonda ab Sommer in der verdienten Ruhestand geht, grollt bereits ein neues Spielzeug norditalienischer Sportwagenkunst heran. Der Huayra als peruanischer Gott des Windes ist Paganis zweiter Streich. Zeitgemäßer und eleganter als sein Ahne will sich die neueste Kreation des einstigen Lamborghini-Jüngers Horacio Pagani als wahres Großserienmodell in Szene setzen. Vom Design des Zonda sind nicht mehr als die aufgesetzten Außenspiegel geblieben. Wie eine gefährliche Schlange kauert der Huayra hungrig auf der Straße. Der tief über dem Asphalt liegende Kühlerschlund ist mächtig; sehenswert sind die starke Taillierung zur Fahrzeugmitte und die aerodynamisch besser integrierte Fahrgastkuppel. Bestiegen wird der Kohlefaserrenner über zwei weit aufschwingende Flügeltüren, ehe sich dem Piloten im Innenraum eine Orgie in Leder, Aluminium und Kohlefaser offenbart.

Seit dem Jahre 1998 sind gut 130 Supersportwagen aus der Manufaktur Pagani Modena in alle Welt ausgeliefert worden. „Wir planen vom Huayra bis zu 40 Stück pro Jahr“, erklärt Pagani-Sprecher Luca Venturi, „dauerte die Produktion des Zonda bisher rund fünf Wochen, so soll der Nachfolger in knapp drei Wochen aus den Hallen rollen.“ Dafür hat der gebürtige Firmenchef Horacio Pagani in dem wenig schmucken Industriegebiet in San Cesario sul Panaro eine neue Produktionsanlage gebaut. In diesem Sommer geht es los. Die Mitarbeiterzahl im Hause Pagani wurde dafür von 53 auf 60 erhöht.

Der über eine Million teure Pagani Huayra wird ein Bestseller – wie alle Zonda-Versionen bisher. „Wir sind das erste Jahr bereits ausverkauft und haben gerade erst angefangen“, freut sich Luca Venturi, „erstmals hat ein Pagani auch eine Zulassung für Amerika. Davon versprechen wir uns sehr viel.“ Die Kunden dies- und jenseits des Atlantiks können sich auf einen wahren Rennwagen freuen. Angetrieben wird der Huayra von einem 700 PS starken Zwölfzylinder der AMG-Baureihe M 158 mit doppelter Turboaufladung. Das maximale Drehmoment: 1.000 Nm. 0 auf 100 km/h schafft der Huayra in unter drei Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei grandiosen 370 km/h. Wie bei allen Pagani-Modellen bisher stammt der Heck-Mittelmotor aus dem Hause AMG-Mercedes. Dank des geringen Fahrzeuggewichts von rund 1,35 Tonnen glänzt der 4,61 Meter lange und nur 1,17 Meter hohe Pagani Huayra mit einem sensationellen Leistungsgewicht von knapp unter zwei Kilogramm pro PS.

Die Technik des Pagani Huayra stammt 1:1 aus dem Hochleistungsmotorsport. Der heckgetriebene Sportler mit Pushrod-Federung besteht nahezu komplett aus Kohlefaser und Aluminium. Ein neu entwickelter Wärmetauscher soll dafür sorgen, dass die motoreigenen Flüssigkeiten schneller als bisher auf Renntemperatur kommen. Eine Trockensumpfschmierung ist selbstverständlich, damit der neueste Pagani auch im Grenzbereich eine gute Figur macht. Erstmals wird ein Pagani mit einem Turbolader ausgestattet. Der soll nicht nur für ein besseres Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen, sondern auch für einen niedrigeren Verbrauch bei niedrigen und mittleren Drehzahlen sorgen.

Ähnlich wie der neue Lamborghini Aventador, der ebenfalls von einem 700 PS starken Zwölfzylinder befeuert wird, ist auch im Pagani kein Doppelkupplungsgetriebe verbaut. Insbesondere aus Gewichtsgründen arbeitet im Huayra ein sequentielles Getriebe, dass unter dem Strich mehr als 50 Kilogramm spart. Auch bei der neuen Abgasanlage wurde auf jedes Gramm geschaut. Kunden, die mehr als eine Million Euro für ein Auto wie den Huayra ausgeben, schauen nicht auf den Cent und wissen die Vorteile einer Titan-Auspuffanlage aus dem Hause MHG durchaus zu schätzen. Der exklusive Norditaliener läuft auf speziell für dieses Fahrzeug angefertigten Pirelli P-Zero-Pneus. Im Herbst kommt der neue Pagani Huayra auf den Markt. Das Pagani-Konzept an sich ist denkbar einfach.

„Unsere Modelle sind so exklusiv wie kein anderes Auto. Sie sind eine Mischung aus Kunst und Wissenschaft“, bemüht sich Luca Venturi um eine blumige Erklärung. Die Hightech-Fahrzeuge bestehen aus ebenso leichter wie hochfester Kohlefaser und Karbonelementen. In zwei Öfen werden die Autoklaven-Module gebacken und zusammen mit Fahrgestell und Antrieb zusammengefügt. Jedes Kundenfahrzeug wird anschließend von den beiden Testfahrern Simone Tarozzi und David Testi genauestens unter die Lupe genommen. Die haben in diesen Wochen alle Hände voll zu tun. Besonders mit Blick auf den US-Markt stehen noch zigtausend Testkilometer an. Bisher haben sie mehr als 500.000 Kilometer abgespult. Horacio Pagani will vor Marktstart das Doppelte erreichen.
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Quelle: Autoplenum, 2011-05-24

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