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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 23. Oktober 2013
Mit Oldtimern durch China. Das ist ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Vor allem, wenn man diese einem aufgemotzten 1302er Käfer Baujahr 1972 bewältigen will. Doch das ist nicht die einzige Herausforderung: Jenseits der großen Metropolen lauern Schlaglöcher, Staub und Maiskolben.

Die große Mauer ist immer eine Reise wert. Diesmal ist der Besuch an dem beeindruckenden Verteidigungswall der Auftakt zu einem ganz besonderen Abenteuer: 1.600 Kilometer durch China. Bis nach Shanghai. Allerdings nicht auf dem direkten Weg, sondern über Stock und Stein. Durch Dörfer, in denen Fahrräder und die Reiskörbe noch die Szenerie beherrschen. Als wenn das nicht schon genug Spannung erzeugen würde, geht es in einem Käfer 1302 TDE, Baujahr 1972 auf die abenteuerliche Reise.

Allerdings ist der Wolfsburger Klassiker nicht irgendein x-beliebiger Vertreter der Erfolgsbaureihe. Es handelt sich um einen sogenannten Decker-Käfer. Also ein von der Essener Tuning-Legende Theo Decker 2008 leistungsoptimiertes Fahrzeug. Was sich auf den ersten Blick so locker anhört, ist in der Realität genau das Gegenteil. Der weiße Klassiker hat richtig Dampf unter der Haube - nämlich 135 PS. Dem Zweiliter-Boxer-Motor wurden mit zwei 44er Weber-Doppelvergasern und vergrößerten Ein- und Auslassventilen richtig Vitamine verpasst. Damit dieses Kraftpaket auch auf der Straße bleibt, musste auch an das Fahrwerk Hand angelegt werden: also hat der Käfer verstellbare Koni-Stoßdämpfer, ein Sperrdifferential und eine größere Bremsanlage. Dazu gehören auch die richtigen Walzen: 185/65 15 vorne und 205er Pneus hinten. Bei einem Leergewicht von 870 Kilogramm ist das Auto eine Rakete. Bloß gut, dass die belgische Rennsport-Legende Jacky Ickx dabei ist.

Insgesamt 54 Oldtimer-Enthusiasten machen sich in 27 Klassikern auf den beschwerlichen Weg. Alleine das Zustandekommen der Rallye ist schon ein Ereignis, da es in China seit 2009 nicht erlaubt ist, Oldtimer zu importieren. "Es finden sich immer Mittel und Wege", sagt Sven Xu, einer der Teilnehmer, und lächelt verschmitzt. Wer die chinesischen Gepflogenheiten kennt, weiß, was gemeint ist. Mit Geld geht alles. DInsgesamt 54 Oldtimer-Enthusiasten machen sich in 27 Klassikern auf den beschwerlichen Weg. Alleine das Zustandekommen der Rallye ist schon ein Ereignis, da es in China seit 2009 nicht erlaubt ist, Oldtimer zu importieren. "Aber es gibt andere Möglichkeiten die Fahrzeuge ins Land zu bekommen", sagt Xiaoming Hou und lächelt verschmitzt. Wer die chinesischen Gepflogenheiten kennt, weiß, was gemeint ist. Mit Geld geht alles. Die Startliste ist kurz, aber fein: Das älteste Auto ist ein 1935er Auburn, ein atemberaubender Roadster, das jüngste ein 1989er Audi 100. Außerdem sind noch ein Aston Martin, Baujahr 1957, verschiedene Mercedes-Benz (aus den 50ern), Volvos, ein Maserati Merak SS und ein Jaguar D dabei. Aber auch chinesische Oldtimer halten wacker mit: ein Hong Qi (Rote Fahne) CA 770, eine Luxus-Limousine aus den Jahr 1972 oder auch ein barock anmutender Feng Huang 760. ie Startliste ist kurz, aber fein: Das älteste Auto ist ein 1935er Auburn, ein atemberaubender Roadster, das jüngste ein 1989er Audi 100. Außerdem sind noch ein Aston Martin, Baujahr 1957, verschiedene Mercedes-Benz (aus den 50ern), Volvos, ein Maserati Merak SS und ein Jaguar D dabei. Aber auch chinesische Oldtimer halten wacker mit: ein Hong Qi (Rote Fahne) CA 770, eine Luxus-Limousine aus den Jahr 1972 oder auch ein barock anmutender Feng Huang 760.

Die Fahrt durch das Reich der Mitte ist ebenso bunt und vielfältig, wie das erlesene Starterfeld. Am ersten Tag geht es durch malerische Hügel entlang der Großen Mauer, während man durch Serpentinenstraßen entlangkurbelt, schimmert am Horizont die Millionenmetropole Bejing unter der üblichen Smog-Glocke. In den folgenden Tagen sollte sich die Szenerie des Öfteren ändern. Autobahnen, auf denen Motorradfahrer entgegengesetzt der Fahrtrichtung fahren, gehören ebenso zum Straßenbild, wie Radfahrer auf der Standspur einer Schnellstraße. Die Fahrtsitten sind kompromisslos: Wer langsam fährt, wird gnadenlos überholt. Wobei das "Verblasen" noch lautstark durch eine energische Hup-Fanfare angekündigt wird.

Anders als bei europäischen Oldtimer-Rallyes läuft hier noch alles improvisierter ab. Toiletten sind in einem Campung-Bus und bisweilen fällt den Veranstaltern erst mitten unter der Fahrt auf, dass das Roadbook nicht stimmt. Also muss der ganze Tross warten, bis alle eingesammelt sind. Doch das macht den Charme dieser Rallye aus. Manchmal hilft sogar die Staatsmacht und eskortiert die Kolonne aus den Metropolen: Qingdao, der Ort, an dem 2008 die olympischen Segelwettbewerbe stattfanden, leuchtet, wie Las Vegas. Nur die chinesischen Schriftzeichen verraten das Land.

Im Hinterland ist von der Großstadt-Kulisse nicht mehr viel übrig. Aus mehrspurigen Autobahnen, auf denen sich riesige LKWs mit 20 neuen Pkws, die in Zweierreihen auf der monströsen Ladefläche stehen, entlangwälzen, werden bald verwinkelte Landstraßen, die wiederum in staubige Rollbahnen übergehen. Neben den Schlaglöchern wird der Schmutz zum Problem: Mehrmals muss die Windschutzscheibe von Hand gereinigt werden, weil die Scheibenwaschanlage dem Dreck nicht mehr gewachsen ist. Für all dies Unbill entschädigt die grandiose Landschaft: China pur. In kleinen Dörfern werden Äpfel am Straßenrand verkauft und kleine Kinder schauen mit großen Augen dem seltsamen vierrädrigen Treiben zu. Während die Erwachsenen in bester Tradition noch den Reis mit zwei Körben, die an einer Deichsel hängen, nach Hause tragen.

Da außerhalb der großen Metropolen der Verkehr noch nicht so dicht ist, wird der Standstreifen der geteerten Landstraßen zum Trocknen von Maiskolben entfremdet. Oft muss man bremsen, um nicht die nicht die Ernte einer Woche in Maisbrei zu verwandeln. Ein anderes Problem ist die Navigation. Auf dem Land werden die englischen Straßenschilder immer seltener. Ganze Gruppen der Rallye-Teilnehmer rotten sich zusammen, um gemeinsam zu beratschlagen, wie es nun weitergeht. Mit der Zeit entwickelt selbst ein des Chinesischen unkundiger Europäer einen Kennerblick für die Feinheiten der Sprache und achten, auf Bogen, geschwungene Enden und sonstige Besonderheiten der Schriftzeichen. Ganz einfach ist das nicht, zumal es ab 18 Uhr immer stockdunkel und man das Ziel oft später erreicht. Irgendwie ging es dann trotzdem. Und was sagt Rennsport-Veteran Jacky Ickx: Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Spaß macht. Vielleicht lege ich mir aber bald einen Käfer zu."
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Quelle: Autoplenum, 2013-10-23

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