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Testbericht

Holger Holzer/SP-X, 23. April 2013

Liegt es an den vielen mauen Sommern? Oder spart die Autoindustrie im Zuge der europäischen Absatzkrise an reinen Spaßautos? Auffällig ist zumindest: In diesem Jahr kommen ungewöhnlich wenig neue Cabrio-Modelle zu den deutschen Händlern. Einige davon sind allerdings wirklich spannend.

Zum modernen Klassiker könnte sich etwa der Jaguar F-Type entwickeln. Der Roadster ist so etwas wie der inoffizielle Nachfolger des legendären E-Type aus den 60er-Jahren, der als einer der schönsten Sportwagen aller Zeiten gilt. Trotzdem haben die Briten der Verlockung widerstanden, ein reines Retro-Modell aufzulegen. Stattdessen fügt sich der Stoffdach-Roadster in die moderne Formensprache der Marke ein und garniert sein fast schon aggressives Äußeres mit den Eigenschaften einer reinen Fahrmaschine: Hinterradantrieb, Alu-Leichtbau und bärenstarke Kompressor-Motoren machen ihn zur ernsthaften Konkurrenz für Porsche Boxster und BMW Z4. Das Leistungsband der Sechs- und Achtzylinderbenziner reicht von 250 kW/340 PS bis 375 kW/510 PS. Mit Preisen ab 73.400 Euro ist der F-Type der teuerste im Trio, gleicht das aber mit einer umfangreichen Ausstattung teilweise wieder aus.

Deutlich bürgerlicher, aber alles andere als bieder tritt der Opel Cascada auf. Der offene Viersitzer basiert zwar technisch auf dem Kompaktmodell Astra, ist aber mit 4,70 Metern fast 30 Zentimeter länger – und tritt deutlich edler auf. Auch das klassische Stoffverdeck passt sich der eleganten Linie an, die man mit dem nötigen Kleingeld mit einigen Ausstattungs-Extras unterstreichen kann. So gibt es etwa das in dieser Klasse seltene wärmereflektierende Leder, ein Flüster-Verdeck und auch eher exotisches wie eine Lenkradheizung. Für den Antrieb stehen die stärkeren Triebwerke aus dem Astra-Regal zur Verfügung, angefangen mit einem 88 kW/122 PS starken Turbobenziner mit 1,4 Litern Hubraum über den neuen 1,6-Liter-Turbo (125 kW/170 PS) bis zum Biturbo-Diesel (143 kW/195 PS). Die Preise starten bei 25.945 Euro und liegen damit deutlich unter denen der Konkurrenten VW Eos, Audi A5 Cabrio und BMW 3er Cabrio.

Einsteiger-Cabrio des Sommers ist jedoch trotzdem der offene VW Beetle zu Preisen ab 21.350 Euro. Damit unterbietet der Stoffdach-Käfer sogar das technisch eng verwandte VW Golf Cabrio. Der Teilespender bleibt allerdings das praktischere Modell, auch wenn die Wolfsburger bei der Neuauflage des Beetle Cabrio die raumökonomischen Fehler des Vorgängers behoben haben. Statt auf maximales Gepäckraumvolumen und Beinfreiheit für Hinterbänkler setzt der Beetle weiterhin auf Design und Stil. Beides soll nun aber nicht mehr nur Frauen, sondern dank sportlicher geduckter Karosserie auch Männer locken. Die Motoren sind aus dem Golf bekannt, ihr Leistungsspektrum reicht von 77 kW/105 PS bis 147 kW/200 PS. Damit hält der Beetle den Respektabstand zum Golf GTI Cabrio genauso wie zum jüngst erstmals aufgelegten Top-Modell Golf R Cabrio: Der schnellste offene VW wird von einem 195 kW/265 PS starken Vierzylinder-Turbobenziner in 6,4 Sekunden von null auf Tempo 100 beschleunigt.

Kleinwagen-Cabrios sind dagegen heute nahezu ausgestorben. Wo noch vor wenigen Jahren Modelle wie Nissan Micra C+C, Opel Tigra oder Mitsubishi Colt CZC um Kunden buhlten, findet sich nun das Citroen DS3 Cabrio neben dem Mini Cabrio von BMW allein auf weiter Flur. Der Franzose nutzt dabei aber auch einige Unschärfen des Cabrio-Begriffs aus: Statt eines komplett versenkbaren Daches gibt es eine Art Stoff-Jalousie, die in mehreren Stufen bis auf die Kofferraumabdeckung zurückfährt. Die Türholme und die hinteren Seitenscheiben bleiben dabei stehen, wie auch beim Kleinstwagen Fiat 500C. Wie der kleine Italiener lässt sich der Franzose davon aber nicht weiter irritieren und verlangt fast 3.000 Euro Oben-Ohne-Aufschlag, so dass die Preisliste bei 17.790 Euro für die Version mit dem 60 kW/82 PS starken Einstiegsbenziner startet. Neben zwei weiteren Benzinern mit 88 kW/120 PS und 115 kW/156 PS gibt es für das Kleinwagen-Cabrio sogar einen Diesel in Gestalt eines 1,6-Liter-Vierzylinders mit 68 kW/92 PS.

Will man den Neuheiten-Reigen komplettieren, dürfen zwei absolute Luxusmodelle nicht fehlen. McLaren hat bereits Ende 2012 seinen Sportwagen MP4-12C in einer Variante mit versenkbarem Hardtop aufgelegt. Der exotische Bolide wird von einem 460 kW/625 PS starken Biturbo-V8 befeuert und kostet ab 231.650 Euro. Noch teurer ist der Supersportwagen Lamborghini Aventador Roadster mit abnehmbarem Hardtop und 515 kW/700 PS aus zwölf Zylindern, der mit 357.000 Euro zu Buche schlägt.

Alternativ zu den komplett neuen Cabrios gibt es zudem zwei Facelift-Modelle. Der BMW Z4 präsentiert sich optisch nur ganz leicht verändert, wird dank eines neuen Einstiegsbenziners nun aber preiswerter. Mit dem 118 kW/156 PS starken Vierzylinderbenziner sind zwar keine Top-Fahrleistungen drin, dafür kann man bereits für 33.950 Euro einsteigen. Noch deutlich umfangreicher ging Mercedes bei der Modellpflege seines E-Klasse-Cabrios zur Sache. Der offene Viersitzer erhielt analog zu Limousine, Coupé und Kombi ein geliftetes Äußeres, zahlreiche neue Assistenten aus der kommenden S-Klasse und einen sparsamen Einstiegs-Benziner. Der Vierzylinderbenziner mit Direkteinspritzung der neuesten Generation schöpft aus 2,0 Litern Hubraum 135 kW/184 PS beziehungsweise in der stärkeren Ausführung 155 kW/211 PS. Die Preise für das E-Klasse Cabrio starten bei rund 42.000 Euro.

Während in diesem Jahr relative Cabrio-Flaute herrscht, verspricht der offene Jahrgang 2014 wieder mehr Nachschub für Frischluftfreunde. Dann nämlich stehen die Neuauflagen von Audi A3 Cabrio, BMW 1er Cabrio und BMW 3er Cabrio auf dem Programm. 2015 stoßen mit dem Mazda MX-5 und dem Alfa Romeo Spider dann zwei absolute Klassiker hinzu – erstmals aus gemeinsamer Entwicklung und Produktion.

Rein quantitativ ist 2013 kein gutes Cabrio-Jahr. Qualitativ könnte es sich aber um einen Ausnahme-Jahrgang handeln. Zumindest ein Modell hätte das Zeug zum Klassiker.

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Fazit
Rein quantitativ ist 2013 kein gutes Cabrio-Jahr. Qualitativ könnte es sich aber um einen Ausnahme-Jahrgang handeln. Zumindest ein Modell hätte das Zeug zum Klassiker.

Quelle: Autoplenum, 2013-04-23

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