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Testbericht

24. Februar 2015
Cascais (Portugal), 25. Februar 2015 - Wir Deutschen müssen ein Volk von Profilneurotikern geworden sein. Autos werden offenbar immer häufiger gekauft, um den eigenen Lifestyle auszudrücken. Fahrspaß, Kofferraum, Sparsamkeit und dergleichen sind sekundär, wichtig ist: Wie komme ich in dem Auto rüber? Der Wagen wird zum Transportmittel - für das Bild, das wir anderen vermitteln wollen. Auch den Suzuki Vitara hat es nun erwischt. Dem Hersteller ist es wichtig, das kleine SUV als Lifestyle-Fahrzeug mit vielen Personalisierungsmöglichkeiten zu positionieren. Wir haben den Neuling getestet, um zu sehen, ob er sich auch für anderes eignet als zur Selbstdarstellung.

Farblich individualisierbar und ruinierbar
Der neue Vitara - die vierte Generation nach den Modellen von 1988, 1998 und 2005 - startet am 18. April 2015. Optisch ist das Auto gelungen. Das mag auch daran liegen, dass man sich an oft bewunderten Vorbildern orientiert hat: Während sich der Swift gestalterisch an den Mini anlehnt, ist es beim Vitara der schicke Range Rover Evoque. An diesen erinnern vor allem die Front und die Schmuckleisten unter den A-Säulen. Wie der Evoque lässt sich der Vitara farblich stark individualisieren. Dabei kann man das Auto allerdings auch verunstalten. Wählen Sie einfach die orangefarbene Lackierung in Kombination mit einem weißen Dach, einem weißen Grill und weißen Spiegeln. Ähnlich im Innenraum: Die blaugrüne Dekorleiste am Armaturenbrett und die ebenfalls türkis umrandeten Luftausströmer sind starker Tobak.

Plastik-Lifestyle im CockpitAußerdem ist der Qualitätseindruck im Cockpit ein unterirdischer: Egal, gegen was man klopft, es klingt immer nach Joghurtbecher. Und das schwarze Hartplastik, aus dem das Armaturenbrett besteht, gehört in die 90er-Jahre oder in einen Dacia, aber nicht in ein neues Lifestyle-SUV. Das klingt jetzt alles sehr negativ? Vielleicht, aber das musste raus. Ab hier wird das Bild rosiger.

Gut nutzbarer Kofferraum
Die Seriensitze sind ordentlich. Nur wenn der Fahrer sehr sportlich in die Kurven geht, wackelt man als Beifahrer hin und her - dem Fahrer kann das egal sein, er hält sich ja am Lenkrad fest. Wer an seinen Nebenmann denkt, ordert lieber die optionalen Veloursledersitze, die geben besseren Seitenhalt am Rücken. Der Raum im Fond ist auch für mittelgroße Erwachsene ausreichend, und der Kofferraum lässt sich gut nutzen. Ein in zwei Höhen installierbarer Einlegeboden ermöglicht in der oberen Position das problemlose Hineinschieben und Herausziehen von schweren Getränkekisten. Beim Umklappen der Rücksitze ergibt sich ein stufenloser Ladeboden. Das Volumen von 375 bis 1.120 Liter ist allerdings nur mittelmäßig - ein Skoda Yeti schluckt deutlich mehr.

Sie haben die Wahl: 120 PS oder 120 PS
Erfreulich an der Motorenpalette ist schon mal, dass sie übersichtlich und leicht zu merken ist: Es gibt einen Benziner und einen Diesel, beide haben 120 PS, und beide sind wahlweise mit Front- oder Allradantrieb zu haben. Wir entschieden uns für die Selbstzünderversion mit Allradantrieb - Letzterer soll nach den Erwartungen des Herstellers etwa 70 Prozent der Verkäufe ausmachen. Der Diesel ist mit der problemlos bedienbaren Sechsgang-Schaltung mehr als nur ein Lichtblick. Er stammt zwar von Fiat und nicht wie der Benziner von Suzuki, und es gibt ihn pikanterweise sogar im vergleichbaren Fiat 500X. Aber das kann dem Käufer egal sein. Das Aggregat bringt das Auto gut in Schwung - kein Wunder bei 320 Newtonmeter Drehmoment. Der Normverbrauch liegt bei rekordverdächtigen 4,2 Liter, das sind nur 0,2 Liter mehr als beim Fronttriebler. Unser Bordcomputer zeigte mit 5,7 Liter wie üblich etwas mehr an. Eine Start-Stopp-Automatik verhindert an der roten Ampel unnötigen Verbrauch.

Gut für die Kurve: Straffes Fahrwerk
Der automatische Motorstopp ist auch akustisch ein Vorteil, denn der Selbstzünder läuft etwas rau. Windgeräusche und das Fahrwerk tragen ebenfalls zur nicht ganz sänftenartigen Geräuschkulisse bei. Das Fahrwerk hat aber den Vorteil, dass es in der Kurve einen recht exakten Eindruck hinterlässt. Beim simulierten Pylonwedeln wirkt der Wagen straff, und das Wanken in der Kurve - ein häufiges Problem von hohen SUVs - bleibt sehr im Rahmen. Auf schlechtem Belag wirkt der Vitara gelegentlich etwas unkomfortabel, aber das geht für diese Klasse in Ordnung.
 
Seltenheit: Einstellbarer Allradantrieb
Der vom Suzuki SX4 S-Cross her bekannte Allradantrieb leitet bei Glätte einen Teil des Drehmoments an die normalerweise nicht angetriebene Hinterachse weiter. Das Allgrip-System lässt sich mit einem Drehschalter in der Mittelkonsole einstellen - eine Seltenheit bei kleinen SUVs. Außer auf die Traktion wirken sich die Modi Auto, Sport, Snow und Lock auch auf die Gasannahme aus. So wirkt der Wagen im Sportmodus noch spritziger.

Günstiger Basispreis, aber dann eine Riesenlücke
Als Konkurrenten für den Vitara nennt Suzuki vor allem designorientierte Klein-SUVs von Importeuren: Nissan Juke, Peugeot 2008, Renault Capture und Citroën C4 Cactus. Die Bestseller des Segments, den Skoda Yeti und Opel Mokka, will Suzuki also nicht primär angreifen. Die Preise für den Vitara beginnen bei günstigen 17.990 Euro, doch danach klafft eine Lücke, es geht erst über 20.000 Euro weiter.

Teurer als entsprechender Yeti
Den gefahrenen Vitara 1.6 DDiS 4x4 gibt es ab 24.790 Euro. Ein direkter Konkurrent für dieses Modell ist schwer zu finden. Den 2008, den Cactus und den Capture gibt es gar nicht mit Allradantrieb, den Juke nur als Benziner. Preislich weitab liegen der entsprechende Dacia Duster (ab 17.890 Euro) und der Mini Cooper D Countryman All4 (ab 26.200 Euro). Es bleibt eigentlich nur der Yeti, der als vergleichbare 110-PS-Allradversion schon für 23.930 Euro zu haben ist. Allerdings ist der Vitara wesentlich besser ausgestattet, unter anderem mit Klimaautomatik, Abstandstempomat, radargestütztem Antikollisionssystem, Rückfahrkamera, Sitzheizung und Alufelgen. Wir würden lieber 2.500 Euro sparen und die gut ausreichende Basisausstattung Club kaufen. Die aber gibt's nur für das Basismodell, den Vitara 1.6 4x2. Luxus ist offenbar Pflicht für alle, Individualität und Lifestyle-Personalisierung hin oder her ...
Technische Daten
Antrieb:zuschaltbarer Allradantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritzung
Hubraum:1.598
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:88 kW (120 PS) bei UPM
Drehmoment:320 Nm bei 1.750 UPM
Preis
Neupreis: 24.790 €
Fazit
Beim Suzuki Vitara kann man es kurz machen: Das getestete Allrad-Dieselmodell ist ein ordentlich gemachtes Auto, mit einem starken und sparsamen Selbstzünder, einem annehmbaren Fahrwerk und einem angemessenen Innenraumangebot. Nur die Plastik-Orgie im Cockpit enttäuscht. Und die Preispolitik: Die gefahrene Version ist wegen der luxuriösen Ausstattung teurer als der entsprechend motorisierte Skoda Yeti.
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2015-02-24

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