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Testbericht

Sebastian Viehmann, 13. Dezember 2010
Der New Stratos wäre wohl der Traum vieler Lancia-Fans. Noch ist der schnelle Keil ein Einzelstück, doch die Wiedergeburt einer Legende könnte als Kleinserie auf die Straße kommen.

Wenn die italienische Designschmiede Pininfarina einen Sportwagen auf die Räder stellt, schlägt jedem Autonarr vor Verzücken das Herz bis zum Hals. Der Alfa Romeo Duettotanta zum Beispiel war eine der schönsten Studien der vergangenen Jahre und ein Ausblick, wie man sich einen neuen Alfa Spider vorstellen könnte. Alfa-Fans auf aller Welt hoffen, dass der Auto-Traum irgendwann einmal Wirklichkeit wird.

Der Supersportwagen-Entwurf New Stratos hat tatsächlich Räder bekommen und könnte sogar in einer Kleinserie verkauft werden – „bei entsprechender Nachfrage“, heißt es von den Vätern des Projekts. Der deutsche Unternehmer Michael Stoschek vom Automobilzulieferer Brose hat sich mit Hilfe von Pininfarina einen persönlichen Traum erfüllt: Die Rallye-Legende Lancia Stratos wiederzubeleben. Der Prototyp wurde bei Pininfarina in Turin gefertigt und hat seine ersten Testrunden gedreht. Der 4,2 Meter lange Rennkeil bringt nur 1,24 Tonnen auf die Waage, sowohl die Karosserie als auch Teile des Innenraums bestehen aus Karbon. Im Heck macht sich ein Ferrari V8-Motor mit 4,3 Litern Hubraum und einer Leistung von 540 PS breit.

Das Ferrari-Aggregat entwickelt ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmetern und überträgt seine Kraft mit einem sequenziellen Sechsganggetriebe an die Hinterachse. Eine mechanische Differenzialsperre sorgt für bessere Traktion. Wegen schlechter Witterung bei den ersten Rennstrecken-Tests habe man noch keine Messfahrten unternehmen können, heißt es bei den Konstrukteuren. Man rechne aber mit einem Leistungsgewicht von weniger als 2,3 Kilogramm pro PS, einer Beschleunigung von 3,3 Sekunden auf 100 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von 274 Km/h. Letzteres wäre für einen Supersportwagen wenig beeindruckend. Die Hinterachsübersetzung wurde jedoch so gewählt, dass der New Stratos vor allem eine bessere Beschleunigung bekommt und nicht unbedingt extreme Endgeschwindigkeiten erreicht.

Der New Stratos erinnert nicht nur durch sein keilförmiges Design an Lancias Rallye-Flunder aus den 70er Jahren. Die erste Studie zog 1970 auf dem Turiner Autosalon alle Blicke auf sich. Die extreme Keilform wurde damals nicht von Pininfarina gestaltet, aber immerhin von einem Italiener – der Stratos-Entwurf entstand bei Bertone. Lancia-Sportchef Cesare Fiorio war sofort Feuer und Flamme, als er den Stratos in Turin sah: Dieser scharfe Keil musste einfach in Serie gehen. Ein Jahr später bekam der Stratos seine endgültige Form. Die Straßenversion des Stratos ragte nur 1,08 Meter über den Erdboden.

Das fertige Modell war mit 3,7 Metern etwas kürzer und mit einem Trockengewicht von 980 Kilogramm leichter als die Neuauflage von heute, doch auch beim ersten Stratos bollerte schon ein Ferrari-Motor vor sich hin. Der ursprünglich angedachte V4-Mittelmotor aus dem Lancia Fulvia musste einem V6-Triebwerk weichen. Das Aggregat stammte aus dem Ferrari Dino und brachte 190 PS auf die Straße. Den Spurt von 0 auf 100 Km/h schaffte der Wagen in 6,8 Sekunden, zum Stillstand kam die Tachonadel bei 248 Km/h. Seinerzeit für rund 15.000 D-Mark zu haben, ist der Lancia Stratos HF heute eine gesuchte Rarität – unter 100.000 Euro geht bei guten Exemplaren kaum etwas.

Zur Legende wurde der Stratos auf den Rallyepisten dieser Welt. Der Anfang war holprig, erst der Lancia-Werksfahrer Sandro Munari und der britische Formel 1-Pilot Mike Parkes beherrschten die kompromisslose Fahrmaschine so gut, dass sie sich an die Spitze der Rallye-Elite katapultierte. 1973 holte Munari den ersten Triumph für den Stratos HF. Ende 1976 hatte der Lancia-Keil bereits drei Weltmeisterschaftstitel in Folge eingefahren. Die Rallye-Ausführung für die Gruppe 4 war auf 790 Kilo abgespeckt worden, den V6-Motor hatte man dagegen auf 270 PS hochgezüchtet.

Mit dem New Stratos hat Lancia nichts zu tun, und es wäre wohl auch kein Platz für einen Straßenrenner von Lancia. Ferrari und Maserati haben im großen Fiat-Konzern die Sporthosen an, die Marke Lancia soll erst einmal durch die Übernahme von Chrysler-Modellen wie dem Minivan Voyager und der Limousine 300 mit neuem Leben erfüllt werden. Der New Stratos dürfte also kaum über eine Kleinserie für betuchte Enthusiasten hinauskommen, wenn er nicht sogar ein spektakuläres Einzelstück bleibt.

Eine Anerkennung von höchster Stelle haben die Schöpfer des Traumautos trotzdem schon bekommen: Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und sein Cheftester Dario Benuzzi drehten höchstpersönlich ein paar Testrunden im schwarzen Rennkeil und gaben danach Tipps für die Fahrwerksabstimmung.
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Quelle: Autoplenum, 2010-12-13

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