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Testbericht

Jürgen Wolff, 10. September 2020
Mit Lucid Motors macht sich ein weiterer junger Autohersteller daran, mit einer Elektro-Limousine Tesla Marktanteile abzujagen. Zumindest auf den ersten Blick sehen die Optionen ganz gut aus.

Mit dem Air startet jetzt eine weitere rein elektrisch angetriebene Limousine zur Jagd auf den Branchenprimus Tesla. So zumindest das Selbstverständnis beim kalifornischen Hersteller Lucid Motors. Der Viertürer spielt optisch und auf den ersten Blick denn auch in der gleichen Liga wie Teslas Model S: rundgelutscht wie ein Drops, ohne große Ecken und Kanten, an denen der Fahrtwind zerren könnte, bestückt mit Aero-Rädern in den Radhäusern und einer speziell strukturierten Oberfläche. Entsprechend nennt Lucid Motors für den Air denn auch eine geradezu fantastisch Aerodynamik: Der Cw-Wert soll bei im Windkanal gemessenen 2,1 liegen. Selbst Formel 1-Technik habe man zur Optimierung der Aerodynamik verwendet, sagt der zuständige Ingenieur Jean-Charles Monnet. Das reicht - neben der schieren Leistung des Antriebs selbst - für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h unter 2,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit jenseits der 300 km/h.

Der Antrieb ist entsprechend üppig ausgelegt. Die beiden Elektromotoren sollen laut Lucid Motors rund 1.014 PS an alle vier Räder leiten. Dafür haben die Kalifornier das komplette elektrische System erstmals auf \"rennerprobte\" 900 Volt hochgerüstet. Tesla etwa arbeitet mit 400, Porsche im Taycan mit 800 Volt. Trotz der üppigen Leistung soll der Air ein Langstreckenläufer sein: Bis zu 517 Meilen, umgerechnet 832 Kilometer Reichweite nach EPA-Standard seien möglich und offiziell bestätigt, erklärt Lucid Motors: \"Damit hat der Air aktuell die größte Reichweite unter den Elektrofahrzeugen.\" Den Strom liefert ein 113-kWh-Akku von LG Chem. Die Akku-Packs seien über 10 Jahre und 20 Millionen Testkilometer hinweg sowie mit dem Knowhow aus der Formel E-Rennserie entwickelt worden.

Für Fahrdynamit und Komfort der fast fünf Meter langen und 1,45 Meter hohen Limousine sorgt neben dem großen Radstand von 3,10 Metern ein Luftfederfahrwerk. Die Linienführung ist coupehaft, ausgestellte Radhäuser und die gewölbte Fronthaube sorgen für eine kraftvoll-sportliche Optik. Ein absoluter Hingucker ist das riesige Panoramadach, das nahtlos an die Windschutzscheibe anschließt. Vorne sorgen spezielle Micro-Linsen für gute Sicht im Dunkeln. Hinten zieht sich ein schmales Band aus LED-Leuchten über die ganze Breite. Insgesamt 19 Fahrassistenten, die sich auf 32 Sensoren stützen, sollen dem Fahrer das Leben erleichtern, die meisten davon können online aktualisiert werden. In der Entwicklung sind auch Optionen, die ein autonomes Fahren gemäß Level 3 ermöglichen sollen.

Vorne sitzen Fahrer und Beifahrer in stark konturierten Sitzen. Dazwischen eine breite Mittelkonsole. Ein riesiger, geschwungener Bildschirm vor dem Fahrer liefert die wichtigsten Daten. Dazu kommt zwischen Fahrer und Beifahrer ein weiterer üppiger Bildschirm für Navigation, Infotainment und diverse Fahrzeugeinstellungen. Auch eine Spracheingabe soll es geben. Für die zweite Reihe bietet Lucid Motors zwei Sitzalternativen: Einmal die klassische Rückbank ohne Mittelkonsole und als Option zwei luxuriöse Einzelsitze mit Liegefunktion und einer breiten Konsole inklusive Tablet zur Steuerung der Funktionen. Auch der Stauraum ist für eine Limousine üppig: Vorne passen 280 Liter Gepäck unter die Haube, hinten noch einmal knapp 460 Liter.

Bleibt der Preis. Auch da konkurriert Lucid Motors mit Tesla. In den USA soll die üppig ausgestattete Start-Version 169.000 Dollar kosten. Die Preise für Europa stehen noch nicht fest. Vorbestellungen gegen eine Überweisung von 1.000 Dollar werden aber auch in 15 europäischen Staaten bereits angenommen. In den USA sind bis Ende 2021 zunächst 20 Verkaufsstellen (\"Lucid Studios\") geplant. Ausgeliefert werden soll der Air in den USA Anfang nächsten Jahres. Später soll es dann auch preiswerter gehen. Für das Basismodell mit 400 PS und 400 Kilometer Reichweite werden 72.500 Dollar gehandelt.
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Quelle: Autoplenum, 2020-09-10

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