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Testbericht

Stefan Grundhoff, 11. Januar 2016
Die Detroit Motorshow wird eine US-Messe wie lange nicht mehr. Wichtige Neuheiten halten sich im Rahmen und die Stars kommen bevorzugt aus Europa.

Dafür, dass viele europäischen Hersteller die North American International Autoshow im winterlichen Detroit längst aus ihren Herzen verbannt hatten, ist ihr Aufgebot an Neuheiten mehr als beeindruckend. Auch wenn einige Marken der nordamerikanischen Leistungsschau den Rücken gekehrt haben, lassen Weltpremieren wie die Mercedes E-Klasse, der Volvo S90, BMW M2 oder in Porsche 911 Turbo die heruntergekommene Cobo Hall zum Jahresauftakt in einem hellen Glanz erleuchten. Die deutschen Premiumhersteller haben trotz der Kaufzurückhaltung in China ein ausgezeichnetes Jahr beendet und da strahlt man bei der Jahresauftaktveranstaltung im Bundesstaat Michigan gerne mit den Scheinwerfern um die Wette.

Bei der NAIAS des Jahres 2016 gibt es ungewöhnlich wenige neue SUV zu bestaunen. Sicher, da gibt es den Audi A4 Allroad, einen leistungsstarken SQ7, BMW mit seinem X4 M40i, Kia Telluride oder den in Europa unbekannten Pick Up Honda Ridgeline. Doch abgesehen vom GMC Acadia haben besonders die Amerikaner kaum neue Geländewagen, Crossover oder weitere Pick Ups im Angebot. Zu viel aus dem breiten US-Spektrum wurde im vergangenen Jahr erneuert. Da heißt es erst einmal durchschnaufen und die jüngsten Verkaufserfolge zelebrieren. 17,4 Millionen Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr in den USA abgesetzt; 5,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Vorhersagen sind auch für das gerade angebrochene Jahr vielversprechend. Der amerikanische Händlerverband NADA rechnet für 2016 mit knapp 18 Millionen Neufahrzeugen. "Das wäre ein Anstieg von rund zwei Prozent", so Steven Szakaly, Chef-Analyst der National Automobile Dealers Association, "das wäre das siebte Steigerungsjahr in Folge."

Kein Wunder, dass die Vorstände der einzelnen Hersteller in der Detroiter Cobo Hall trotz frostiger Temperaturen bereits am Vorabend der Messe einen zufriedenen Eindruck machen. Mercedes-Chef Dieter Zetsche freut sich über die neue E-Klasse als "Masterpiece of intelligence" und neue Verkaufsrekorde: "Im vergangenen Jahr haben wir mehr Fahrzeuge verkauft als jemals zuvor. In allen drei Kernregionen Europa, NAFTA und Asien/Pazifik konnten wir den Absatz steigern. Mit 373.459 verkauften Einheiten hat sich China 2015 zu unserem weltweit größten Einzelmarkt entwickelt."Auch Volkswagen-CES Matthias Müller ist zufrieden; schlägt beim Thema Diesel jedoch leisere Töne an: "Die USA sind und bleiben ein Kernmarkt für den Volkswagen Konzern. Wir wissen, dass wir unsere Kunden, die zuständigen staatlichen Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit hier in den USA sehr enttäuscht haben." Vor dem Hintergrund der jüngsten Turbulenzen zeigte sich der VW-Vorstandsvorsitzende mit den Verkaufszahlen für das abgelaufene Jahr zufrieden. Weltweit 9,93 Millionen an Kunden ausgelieferte Fahrzeuge seien ein solides Vertriebsergebnis, so Müller. In den USA sind die Auslieferungszahlen 2015 sogar leicht gestiegen, und zwar auf rund 600.000 Fahrzeuge. Blass bleiben auf der NAIAS 2016 die japanischen Hersteller; allen voran Toyota und Lexus. Hyundai will mit seiner neu erschaffenen Luxusmarke Genesis in die Fußstapfen von Toyota / Lexus, Honda / Acura oder Nissan / Infiniti. Mal schauen, ob der Genesis G 90 der Start in eine Erfolgsgeschichte wird.

Trotzdem sind die amerikanischen Messestars nahe der kanadischen Grenze dünn gesät. Einer der größten Stars hat ein paar Tage zuvor auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas schon für Aufsehen gesorgt. Der Chevrolet Bolt ist nicht nur eines der wenigen Elektroautos auf der Messe, sondern auch eine der wenigen echten Neuheiten aus Nordamerika. Der rund vier Meter lange dürfte der Elektrokonkurrenz von Nissan Leaf oder BMW i3 einiges Kopfzerbrechen bereiten. Mit gefälligem Aussehen, gutem Platzangebot und einer Reichweite von bis zu 320 Kilometern schaut die elektrisierte Konkurrenz nicht nur angesichts des Preises von subventionierten 30.000 Euro verwundert. "Der Bolt ist mehr als ein Auto, es ist eine upgradefähige Plattform", strahlt GM-Chefin Mary Barry. Ähnlich sieht es mit der seriennahen Studie des VW Tiguan GTE Active Concept aus, der 225 PS stark über drei Motoren und eine elektrisch angetriebene Hinterachse verfügt.

Noch edler als das High-Tech- Oberklasse-Doppel aus teilautonomer Mercedes E-Klasse und Volvo S90 präsentieren sich Modelle wie der Lincoln Continental, das Mercedes AMG S 65 Cabrio oder ein Porsche 911 Turbo. Für die breite Masse sind in Detroit dagegen eher Modelle wie der Chevrolet Cruze als Astra-Zwilling, der überarbeitete Ford Fusion oder das Infiniti-Doppelpack aus Q50 / Q60. Wer mehr Platz für die Familie benötigt, freut sich über den längst aus Europa verbannten Chrysler Voyager / Town Country. Trotz der guten Verkaufszahlen ist es bisschen wie die Ruhe vor dem Sturm. "Auch wenn wir 2016 in den USA ein neues Rekordjahr erwarten", räumt Steven Szakaly ein, "wird dies nur durch große Incentives ermöglicht, die die Kunden in die Schauräume locken." Das sieht bei den internationalen Herstellern kaum anders aus.
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Quelle: Autoplenum, 2016-01-11

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