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Testbericht

Sebastian Viehmann, 6. November 2009
Während die US-Autobauer gerade aus der Krise taumeln, meldet die Detroit Motor Show schon ausgebuchte Stände. Die Messe bemüht sich eifrig um ein grünes Image. Wegweisend könnte der Auftritt des von Fiat kontrollierten Chrysler-Konzerns sein.

Ratlosigkeit, Verzweiflung, Zweckoptimismus: Die Detroit Motor Show 2009 war nicht gerade eine fröhliche Veranstaltung. Damals galt nicht einmal als sicher, ob die „Big Three“ Chrysler, General Motors und Ford überhaupt alle bis zur nächsten Automesse überleben würden. Doch die Rettungsmilliarden flossen und die Obama-Regierung verteilt großzügige Unterstützung für die Entwicklung umweltfreundlicher Autos. Und die Detroit Motor Show 2010, die vom 11. bis 24. Januar stattfindet, meldet ausgebuchte Stände und blickt optimistisch in die Zukunft. Rund 700 Autos und 50 Premieren erwarten die Besucher, die Ausstellungsfläche soll genauso groß sein wie bei der vergangenen Messe.

Im Januar 2009 strömten der Krise zum Trotz 650.000 Besucher nach Detroit, und die Veranstalter hoffen auch 2010 auf reges Interesse. „Alternative Antriebe werden die Show bestimmen, vor allem der Elektroantrieb“, sagt Douglass R. Fox, Chef der Detroit Motor Show (NAIAS). „Wir widmen Elektroautos auf der ‚Electric Avenue’ eine eigene Abteilung. Dort werden sich etablierte, aber auch völlig neue Marken präsentieren, und es wird Symposien mit Teilnehmern aus der Autobranche, der Regierung und der Forschung geben“, stellt Fox in Aussicht. Auf einem 6500 Quadratmeter großen EcoXperience Track im Untergeschoss der Detroiter Cobo Hall werden Messebesucher viele Ökoautos selbst testen können. Es gebe bei amerikanischen Kunden jetzt „den Appetit, solche Autos zu sehen, zu fahren und zu besitzen“, glaubt der NAIAS-Chef.

Seien die Autobauer bei der vergangenen Show noch äußerst zurückhaltend gewesen, ist Fox nach Gesprächen mit den Herstellern für 2010 zuversichtlich: „Es wird eine Kick-off-Messe. Die Hersteller werden ein Statement für neue Technologien abgeben.“ Besonders interessant dürfte der Auftritt von Chrysler werden, der auf der letzten Messe doch eher zur Geisterbahn der Spritfresser geriet. Douglass Fox erinnert sich an ein Gespräch, dass er noch vor drei Jahren mit einem Chrysler-Händler geführt habe: „Er sagte mir damals, dass er Autos ohne einen Hemi V8-Motor kaum verkaufen könne. Heute ist es genau umgekehrt: Wenn solch ein Motor unter der Haube steckt, wird er den Wagen nicht mehr los“, erzählt Fox.

Nachdem Fiat-Chef Sergio Marcchione das Ruder bei Chrysler übernommen hat, wird der angeschlagene Autobauer komplett auf den Kopf gestellt. Einer Chrysler-Präsentation zu den italo-amerikanischen Zukunftsplänen lässt sich entnehmen, dass der neue Konzern bis 2014 mit dem Fiat 500 und zwei noch geheimen Modellen auf Fiat-Plattformen in den USA ins Kleinwagen-Segment vorstoßen will. Auf dem Weg dahin sollen die Produktionskosten radikal gekürzt und die Zahl der Plattformen von 11 im Jahr 2010 auf 7 im Jahr 2014 reduziert werden. Auf jeder Plattform sollen aber statt bisher 125.000 Autos im Schnitt mehr als 300.000 Autos vom Band laufen. Gleichzeitig soll Chrysler von Fiats Motorentechnik profitieren und damit seinen Flottenverbrauch erheblich reduzieren.

Nicht nur die Hersteller setzen den Sparstift an, auch die Messe selbst könnte über Optimierungen nachdenken – etwa die Zusammenlegung der Detroit Motor Show mit der Chicago Auto Show. Die Chicagoer Show ist die älteste Automesse der USA und findet kurz nach Detroit im Februar 2010 statt. Noch teilen viele Autobauer ihre Premieren zwischen den beiden Messen auf, eine Zusammenlegung der Shows könnte also Aufwand und Geld sparen. Für überregionale Besucher und solche aus dem Ausland würde es kaum einen Unterschied machen – Chicago und Detroit sind nur rund vier Autostunden voneinander entfernt. Und den Namen „North American International Auto Show“ könnte man problemlos beibehalten.
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Quelle: Autoplenum, 2009-11-06

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