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Testbericht

29. Juli 2013
Westerland/Sylt, 29. Juli 2013 - Volvo ist ein vergleichsweise kleiner Autohersteller. Gerade das macht die Marke für Individualisten so attraktiv, denn einen Volvo sieht man eben nicht an jeder Ecke. Man könnte deshalb meinen, die Schweden würden jede noch so winzige Änderung an jedem einzelnen ihrer Modelle groß abfeiern, um sich möglichst viel Aufmerksamkeit zu sichern. Doch was macht Volvo? Alles auf einen Schlag. Sechs von neun Modellen gehen ab sofort überarbeitet an den Start: S60, V60, XC60, V70, XC70 und S80. Sie alle haben ein neues Gesicht, verbrauchsoptimierte Motoren und einige technische Neuerungen erhalten. Wir sind den gelifteten XC60 gefahren, den Bestseller der Skandinavier. Gefälligere Frontpartie Das Mittelklasse-SUV tritt mit seiner neu gestalteten Frontpartie gefälliger auf als bisher. Unter anderem gibt es andere Scheinwerfer, eine stärker konturierte Motorhaube und einen breiteren Kühlergrill. Die vertikalen LED-Tagfahrlichter befinden sich nicht mehr neben den Hauptscheinwerfern, sondern jetzt darunter im neu geformten Stoßfänger. Hinzu kommen diverse Feinarbeiten. So sind die Stoßfänger und Seitenschweller nun immer in Wagenfarbe lackiert, die Abgase werden über zwei markantere Endrohre nach außen geleitet. Erstmals sind für den XC60 auf Wunsch 20-Zoll-Räder zu haben. Nach fünf Jahren ist die Karosserie des hochgelegten Schweden immer noch sehr ansehnlich. Geblieben ist jedoch auch die schlechte Sicht nach hinten, bedingt durch die ansteigende Fensterlinie und die geschwungene D-Säule. Innen schnörkellose Eleganz Der Innenraum bleibt abgesehen von neuen Polsterfarben und Holzeinlagen fast wie gehabt. Aber eben nur fast. Neue Sportsitze bieten deutlich mehr Seitenhalt als das bisherige Gestühl. Die aus dem Golf-Konkurrenten V40 bekannte digitale Instrumenteneinheit hält jetzt in den Modellen der Mittelklasse Einzug. Tacho, Drehzahlmesser, Bordcomputer und weitere Anzeigen lassen sich hier in drei unterschiedlichen Layouts darstellen. Zumindest in den hochwertig ausgestatteten Fahrzeugen besticht das XC60-Interieur weiterhin durch schlichte, schnörkellose Eleganz. Das Platzangebot geht vorne wie hinten absolut in Ordnung. Im Fond lässt es sich auch zu dritt gut aushalten. Der Kofferraum fasst 495 bis 1.455 Liter, das ist etwas weniger als bei den Konkurrenten Audi Q5 oder BMW X3.
Ein letztes Mal mit Fünfzylinder? Die Motorenpalette für den XC60 bleibt zunächst unverändert: Vier-, Fünf- und Sechszylinder mit 136 bis 304 PS stehen zur Wahl. Die Zeit der Fünf- und Sechszylinder neigt sich bei Volvo allerdings dem Ende entgegen. Im XC60 wird noch 2013 eine neue Generation von besonders effizienten Vierzylinder-Aggregaten Premiere haben. Der von uns gefahrene 2,4-Liter-Turbodiesel mit 163 PS ist in der Tat nicht mehr ganz taufrisch. Auch wenn sich Werte wie die 10,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 nicht gerade sportlich anhören, so ist man subjektiv doch ganz anständig damit unterwegs. Den kernigen Fünfzylinder-Sound möchte man künftig allerdings ungern missen. Und mit einem Normverbrauch von 5,3 Liter schluckt der allradgetriebene XC60 D4 schon jetzt weniger als die vergleichbaren Q5 oder X3 - zumindest auf dem Papier. Geschaltet wird über ein präzises Sechsgang-Getriebe. Etwas besser steht dem SUV allerdings die Sechsgang-Automatik zu Gesicht, für die Volvo aber 2.100 Euro Aufpreis verlangt. Erstmals stehen dafür bei den Schweden übrigens optionale Schaltwippen am Lenkrad zur Verfügung. In Kombination mit dem adaptiven Fahrwerk lassen sich die Dämpfer in drei unterschiedliche Härtegrade einstellen. Doch selbst im Comfort-Modus bleibt der XC60 zu straff, kurze Stöße werden zu direkt auf die Insassen übertragen. Dafür überzeugt die Lenkung mit Präzision und Leichtgängigkeit. Notbremsassistent erkennt jetzt Radfahrer Bei einem Volvo steht natürlich das Thema Sicherheit weit oben auf der Agenda. Und so gibt es für alle Mittelklasse-Modelle in diesem Bereich eine Neuerung: Der optionale Notbremsassistent reagiert künftig nicht nur auf Fußgänger, sondern auch auf Radfahrer vor dem Fahrzeug. Im Falle einer drohenden Kollision wird automatisch eine Vollbremsung eingeleitet. Die Verkehrszeichenerkennung funktionierte während unserer Testfahrt nicht zuverlässig. Das kamerabasierte System registrierte offenbar Ortsschilder nicht wie gewünscht und zeigte innerorts häufig deutlich höhere Tempolimits an als die erlaubten 50 km/h. Als weitere elektronische Helferlein stehen für den XC60 ein Totwinkelwarner, ein Spurhalteassistent, ein Abstandstempomat, ein Müdigkeitswarner sowie ein Fernlichtassistent zu Verfügung. Der Cross Traffic Alert erfasst beim Rückwärts-Ausparken den Querverkehr hinter dem Fahrzeug und warnt bei Gefahr akustisch. Auch bei Volvo gibt's jetzt Internet In den überarbeiteten Baureihen 60, 70 und 80 holt Volvo nun zum ersten Mal auch das Internet ins Auto. Wer ein Fahrzeug mit Siebenzoll-Multifunktionsbildschirm besitzt, kann die Internet-Schnittstelle "Sensus Connected Touch" ordern oder gegebenenfalls sogar nachrüsten lassen. Sie ermöglicht das Surfen im Internet, das Navigieren über Google Maps, den Zugriff auf Online-Musikdatenbanken, liefert Staumeldungen in Echtzeit und dient als WLAN-Hotspot für Smartphones, Laptops oder Tablet-PCs. Die Verbindung wird entweder über einen Surf-Stick oder über ein Smartphone hergestellt. Die Steuerung der internetbasierten Dienste erfolgt per Touchscreen, während die herkömmliche Navigation, das Radio und der CD-Player wie gehabt nur über diverse Tasten in der Mittelkonsole bedient werden können. Diese nicht einheitliche Lösung ist der Tatsache geschuldet, dass kein komplett neues Infotainmentsystem entwickelt wurde, sondern lediglich eine Ergänzung zum schon bestehenden. Mit dem Facelift des XC60 gehen Preiserhöhungen im dreistelligen Bereich einher. Der getestete D4 AWD kostet jetzt 39.150 Euro, das sind 900 Euro mehr als bisher. Für den vergleichbaren X3 xDrive20d ruft BMW 40.100 Euro auf, für den Audi Q5 2.0 TDI quattro werden 40.200 Euro fällig.
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Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung
Hubraum:2.400
Anzahl Zylinder:5
Leistung:120 kW (163 PS) bei UPM
Drehmoment:420 Nm bei 1.500 bis 2.500 UPM
Preis
Neupreis: 39.150 € (Stand: Juli 2013)
Fazit
Auch nach fünf Jahren ist der Volvo XC60 ein hochwertiges, solides Mittelklasse-SUV. Bei der Kosmetik haben sich die Schweden zunächst auf optische und wenige technische Details beschränkt. Um langfristig mit Audi, BMW und Mercedes auf Augenhöhe agieren zu können, ist aber mehr nötig. Im Sicherheitsbereich ist Volvo weiterhin gut dabei, beim jetzt internetfähigen Infotainmentsystem aber erst am Anfang. Gespannt darf man deshalb auf die neue Generation von Vierzylindermotoren warten, die durchaus innovativ zu werden verspricht. + gutes Platzangebot, schnörkelloses Interieur, solider 163-PS-Diesel, hoher Sicherheitsstandard - schlechte Sicht nach hinten, kurze Stöße deutlich spürbar, etwas umständliches Bediensystem
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2013-07-29

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