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Testbericht

Peter Eck/SP-X, 1. März 2011

War da was? Die große Krise der Automobilhersteller ist gerade mal zwei Jahre her, doch die Branche hat längst wieder auf Vollgas geschaltet. Dies ist zumindest der erste und bleibende Eindruck nach einem Rundgang über den Genfer Automobilsalon, der seine Tore für das Publikum vom 3.-13. März öffnet. Wobei „Vollgas“ angesichts der Vielzahl präsentierter sogenannter „grüner“ Fahrzeuge fast schon wie ein zum Aussterben verurteilter Begriff anmutet.

Kaum ein Hersteller, der nicht ein irgendwie geartetes Fahrzeug mit alternativem Antrieb präsentiert. Das kann ein Hybrid-Fahrzeug wie der Porsche Panamera S Hybrid sein, aber auch ein reines Elektrofahrzeug, dessen Reichweite immer häufiger durch einen Range-Extender-Verbrennungsmotor erweitert wird. Einer Marke wie Toyota, die in Genf die fast schon serienreife Version des Yaris Hybrid präsentiert, glaubt man die Kompetenz dabei deutlich eher, als etwa der chinesischen Marke BYD, die gleich drei Elektrofahrzeuge präsentiert, deren angegebenen Leistungswerte aber natürlich nicht nachgeprüft werden können. Was auch noch auffällt: Auch Sportwagen erhalten als Studie immer häufiger einen E-Motor als Antrieb und bringen es damit zumindest theoretisch auf angemessene Fahrleistungen.

Allerdings gibt es am Lac Léman auch jede Menge spannender oder zumindest neuer Modelle zu sehen, die noch ganz konventionell mit Benzin oder Diesel angetrieben werden. Vor allem die deutschen Hersteller fahren vorneweg. Ob Mercedes-Benz mit dem neuen SLK und der überarbeiteten C-Klasse, Volkswagen mit dem neuen Golf Cabrio und der spannenden Bulli-Studie oder Opel mit der Konzeptversion des kommenden Zafira - im französischsprachigen Genf wird in diesen Tagen zumindest automobil Deutsch gesprochen.

Die traditionell auf dem Ausstellungsgelände Palexpo stark vertretenen französischen und italienischen Marken sind in diesem Jahr ein wenig zurückhaltender. Peugeot hat den neuen 508 dabei und seinen Kompakten 308 überarbeitet, Citroen zeigt mit dem DS4 das optisch spannendere, sportlicher wirkende Pendant zum C4 - und baut die DS-Reihe so nach und nach zu einer kleinen Familie aus. Renault hat in diesem Jahr den interessantesten Stand unter den französischen Marken. So gibt die Studie Captur als Mischung aus Coupé, Roadster und SUV ebenso wie der R-Space einen Ausblick auf die künftige Design-Strategie, und das Elektrofahrzeug Zoe wird sogar schon im Sommer auf den Markt kommen.

An den Ständen des Fiat-Konzerns ragt ganz klar das Concept-Car Alfa Romeo 4C heraus, ein wunderschönes Sportcoupé, das optisch und in Sachen Leichtbau Anleihen beim 8C Competizione nimmt. Lancia hat den neuen Ypsilon dabei sowie den Thema, der allerdings nur ein Chrysler 300 mit anderem Gesicht ist. Noch als Studie, aber sehr seriennah sind die beiden Fahrzeuge Flavia Concept und Flavia Concept Cabrio. Auf Basis des in den USA erhältlichen Chrysler 200 geben sie einen Ausblick in die nahe Zukunft der Marke. Auch der neue Fiat Freemont ist ein verkappter Amerikaner, in den Staaten wird er als Dodge Journey verkauft.

Von den japanischen Marken hat diesmal Toyota das interessanteste Programm zu bieten. Auf dem Stand des weltgrößten Automobilherstellers findet sich die Hybrid-Version des kommenden Yaris. Zwar feiert der Kleinwagen erst auf der IAA Weltpremiere, doch das in Genf gezeigte Modell lässt sich zumindest als sehr seriennah bezeichnen. Ebenfalls einen Hybridantrieb besitzt der Prius+. Technisch handelt es sich um den aus Prius und Auris Hybrid bekannten Antrieb, hier jedoch in einer Van-Version mit einem um 50 Prozent auf 700 Liter vergrößerten Kofferraum. Endlich zeigt Toyota neben seinen vielen Vernunftautos aber auch wieder Emotionen: Der FT-86 II ist zwar noch offiziell eine Konzeptstudie, soll aber ebenfalls schon sehr nahe am späteren Serienmodell sein. Ob das Fahrzeug dann wie sein Vorgänger Celica heißen wird, wollen die Japaner noch nicht verraten.  
Auch bei Honda heißt das Zauberwort Hybrid, der Jazz erhält nach seiner allgemeinen Überarbeitung zusätzlich einen solchen Antrieb und darf sich damit erster Kleinwagen mit der Kraft der zwei Herzen nennen, auch wenn es sich um einen Mild- und nicht um einen Vollhybrid handelt. Bei Nissan und Mazda ziehen dagegen eher Studien die Blicke auf sich: Im Sportwagen Esflow hat Nissan die Serien-Elektrotechnik des Leaf mit einem aufregenden Design verbunden, dagegen gibt der Mazda Minagi einen Ausblick auf ein künftiges Crossover-SUV und auf die kommende neue Formensprache der Marke.

Weiter auf Wachstum setzen auch die Koreaner, allen voran der Hyundai-Konzern. Dessen Marke Kia wartet in Genf gleich mit drei Neuheiten auf. Der im Mai auf den Markt kommende Kleinstwagen Picanto wird dynamischer und sparsamer, der neue Kleinwagen Rio folgt später, aber noch in diesem Jahr. Ebenfalls auf dem Kia-Messestand: Eine Hybridversion der neuen Mittelklasse-Limousine Optima.

Hyundai hat neben dem dreitürigen Sportcoupé Veloster den i40 mitgebracht, die neue Mittelklasse-Baureihe der Koreaner, die den in Europa nicht sehr glücklichen Sonata ablöst. Interessant: Das übliche Procedere bei Markteinführungen dreht Hyundai einfach um. Zunächst kommt im Sommer der Kombi, die Limousine folgt erst Ende des Jahres.

Nimmt man noch die Vielzahl kleinerer Hersteller und Anbieter von automobilen Spezialitäten hinzu, bietet sind auf der Genfer Messe des Jahres 2011 ein Bild, das bunter denn je ist. Wobei die vielen Konzeptfahrzeuge mit Elektroantrieb schon ein wenig nachdenklich machen. Denn einerseits wird der neuen Antriebsart, ob mit oder ohne zusätzlichem Benzinmotor als Reichweitenverlängerer, eine große Zukunft vorhergesagt, andererseits liegt diese Zukunft nach einhelliger Meinung aber noch einige Jahre voraus. Mit gerade mal zwei bis drei Prozent Anteil an den Neuzulassungen rechnen die Auguren um 2020. Da fragt sich der Betrachter durchaus, ob die vielen Elektrofahrzeuge auf der Messe wirklich mehr sind als Fingerübungen, deren Versprechen nie eingelöst werden muss.

Zweifellos aber treibt die Politik mit ihren CO2-Vorgaben die Branche derzeit so vor sich her, dass alle Arten der Spriteinsparung genutzt werden. Start-Stopp-Systeme sind schon längst Alltag und werden schon bald selbstverständlich in jedem Fahrzeug vorhanden sein. Motoren-Downsizing findet sich allerorten. Wichtiger jedoch für die Branche wird nach Jahren des „immer größer und immer schwerer“ die (teure) Trendwende zum Leichtbau sein. Die auf der Messe bekannt gegebene Beteiligung von Volkswagen mit acht Prozent an SGL Carbon war nicht nur für BMW, das indirekt über die Beteiligungsgesellschaft Skion von BMW-Großaktionärin Susanne Klatten mit rund 22 Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist, eine Überraschung, sie zeigt auch auf, wohin die Reise in der Automobilindustrie geht.

So präsentiert sich am Genfer See einmal mehr der Januskopf der Autobranche: Zum einen zeugen die vielen chromblitzenden und/oder „grünen“ Neuheiten vom frisch erwachten Selbstbewusstsein und von hochfliegenden Plänen vieler Marken. Zum anderen hat der Kampf um die Zukunft, um Technologien, Ressourcen und Marktanteile schon längst begonnen. Das ist die andere Seite der großen Branchenparty in der Schweiz: Und die ist mindestens genauso interessant wie das Premierenfeuerwerk an den Ständen. Peter Eck/Günter Weigel/SP-X

Die Krise ist (vorerst) vorbei und die Automobilhersteller lassen wieder die Muskeln spielen. Auf dem alljährlichen Frühjahrstreffen, dem Genfer Automobilsalon, strotzt die Branche vor Optimismus. Vor allem die deutschen Marken tragen ihr neues Selbstbewusstsein offensiv zur Schau.

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Fazit
Die Krise ist (vorerst) vorbei und die Automobilhersteller lassen wieder die Muskeln spielen. Auf dem alljährlichen Frühjahrstreffen, dem Genfer Automobilsalon, strotzt die Branche vor Optimismus. Vor allem die deutschen Marken tragen ihr neues Selbstbewusstsein offensiv zur Schau.

Quelle: Autoplenum, 2011-03-01

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