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Testbericht

Sebastian Viehmann, 24. Juni 2010
Zwei Hamburger zeigen in der Hafencity Porsche-Raritäten und faszinierende Unikate des deutschen Rennsports. Nicht nur die Sammlung, sondern auch die Gestaltung des Museum ist ungewöhnlich.

Bei Automobilmuseen gibt es meistens zwei Sorten: Entweder hochmoderne und attraktive PS-Tempel, in denen sich vor allem die großen Autokonzerne selbst beweihräuchern. Oder muffige Privatsammlungen, in denen dicht gedrängte Raritäten im Frontalunterricht mit vielen „Bitte nicht berühren“-Schildchen präsentiert werden.

Wer durch die Ausstellung des Museums Prototyp im Hamburger Hafen wandelt, findet weder das eine noch das andere. Hier gibt es keine Absperrketten oder Exponate, die sich um die Plätze balgen. Wie in einer Boxengasse kann man den Autoträumen hautnah begegnen, jeder Wagen hat sein eigenes Habitat. Im Untergeschoss gibt es eine Bilderausstellung mit Lounge-Atmosphäre, die auch für Veranstaltungen genutzt wird. Getrennt von den Besuchern ist durch gläserne Schiebetüren nur die Werkstatt, in denen gerade ein Porsche 904 GTS von 1964 und ein „Rometsch“ Porsche Spyder von 1954 restauriert werden: Historie zum Anfassen für Menschen mit Benzin im Blut.

„Wir sind wahrscheinlich die jüngsten Automuseums-Betreiber in Deutschland“, sagt Geschäftsführer Thomas König, der zusammen mit seinem Schwager Oliver Schmidt das Museum gegründet hat. Der 39-Jährige kann „Schaufensterpuppen-Dekorationen“ nichts abgewinnen, er setzt auf ein modernes Ambiente und digitale Medien. Bildschirme im Boden zeigen die ausgestellten Autos in Aktion, in einem kleinen Studio kann man sich diverse Motorsounds anhören oder in der Bibliothek mit Touch-Screens im digitalen Archiv stöbern. Auch das Gebäude selbst, einst die Fabrik der „New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie“, ist ein Blickfang.

Obwohl man in der Ausstellung zahlreiche Porsche-Raritäten findet, handelt es sich nicht um ein markengebundenes Museum. „Wir wollen Autos, die Geschichte atmen“, sagt Thomas König. Einmalige Prototypen und skurrile Eigenbauten sind die eigentlichen Stars in Hamburg. Neben dem Audi R8R Le Mans oder Michael Schumachers allererstem Formel 1-Renner gibt es zum Beispiel einen Weltrekordwagen zu sehen, den Petermax Müller 1948 konstruierte.

Der stromlinienförmige Renner sieht aus wie ein Silberpfeil für Arme, und streng genommen war er das auch: Mit einfachsten Mitteln baute Müller aus Flugzeugaluminium und einem frisierten Käfer-Motor ein echtes Geschoss, mit dem er acht Weltrekorde und 22 Rennsiege für sich verbuchen konnte. „Das Auto ist quasi auf vielen Schrottplätzen entstanden und war trotzdem enorm wettbewerbsfähig“, erzählt Thomas König. Der Alu-Renner mit dem winzigen Cockpit stand lange im Zeithaus bei Volkswagen, doch durch eine über Jahre aufgebaute Freundschaft zu Müllers Witwe fand das Unikat den Weg in die Sammlung der Hamburger.

Faszinierend ist auch der Fuhrpark von Otto Mathé. Der Österreicher konstruierte sich 1952 seinen eigenen Formel-Rennwagen mit Porsche-Mittelmotor. Weil Mathé nach einem Unfall den rechten Arm nicht mehr bewegen konnte, war die Schaltung links angeordnet. Damit der Rennfahrer in Kurven das Steuer nicht verriss, presste er sich mit der Brust gegen das Lenkrad. Sein „Fetzenflieger“ war der erfolgreichste österreichische Rennwagen der 50er Jahre und Mathé vor allem bei Eisrennen als begnadeter Driftkünstler nicht zu schlagen.

Rund 60 Fahrzeuge hat Thomas König mittlerweile in seiner Sammlung, nicht alle davon sind im Museum ausgestellt. Die Leidenschaft für historisches Blech begann vor 17 Jahren mit einem verrosteten VW Kübelwagen. Während der Studentenzeit restaurierten König und Schmidt dann ihren ersten Porsche 356. Die Sammlung wuchs, und dem Architekten kam es nicht nur auf die Autos an: „All unserer Werkstätten haben wir immer mit einem schicken Ambiente ausgestattet, zum Beispiel mit einer Bar. Jeder Sammler hat doch den Traum, für seine Schätze auch den passenden Rahmen zu schaffen“, sagt König. So entstand die Idee, aus dem Hobby eine Ausstellung zu machen.

Noch ist die Gegend um das Museum eine Baustelle, weil dort gerade die Hamburger Hafencity entsteht. Wenn die fertig ist, erhofft sich König großen Zulauf für sein Museum. Sorgen darüber, ob sich gerade junge Menschen überhaupt noch für alte Autos interessieren, macht er sich nicht: „Mein Sohn ist jetzt drei Jahre alt“, so König, „der würde am liebsten hier im Museum einziehen“.
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Quelle: Autoplenum, 2010-06-24

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