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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 24. September 2021
SP-X/Düsseldorf. Dass jemanden bei Brabus mal etwas peinlich ist, das hat es bislang selten gegeben. Schließlich lebt der Tuning-Gigant aus Bottrop nicht schlecht davon, die Grenzen des guten Geschmacks bis weit über das Limit hinaus zu dehnen. Doch wenn die Entwickler in diesen Tagen zur Ausfahrt mit dem ersten Exemplar des GLE Coupé in der 900 Rocket Edition bitten, dann fragen sie höflich, ob man den Klappenauspuff aus dem Prototypen nicht vielleicht geschlossen lassen könnte. Denn erstens ist der aufgebockte Flachmann auch im Standard-Betrieb schon laut genug, und zweitens schämen sie sich tatsächlich ein bisschen für das Trommelfeuer, das sonst aus den armdicken Endrohren ballert. Der Krieg ist schließlich seit bald 80 Jahren vorbei.Dabei sind Bescheidenheit und Zurückhaltung bei diesem Auto eher fehl am Platz. Schließlich ist der Rocket so ziemlich das auffälligste, brüllendste und brachialste, was aus einem GLE werden kann: Ein Kampfanzug aus Karbon, mächtige 24-Zöller in den weit ausgestellten Radhäusern, Nüstern im Bug, groß genug, um den Vordermann von der Straße zu saugen, und am Heck einen Diffusor so breit, dass er dort geschreddert wieder herauskommt – Brabus hat dem GLE so viel Vitamin B eingeflößt , dass einem das Original von AMG vorkommt wie ein Tarnkappen-Bomber für schüchterne Duckmäuser. Und das Design ist nicht viel mehr als eine Fingerübung, genau wie das Interieur aus mattrotem Lack auf dem eloxierten Metall und dem opulenten Leder überall sonst. Die dickste Dosis Vitamin B gibt es freilich für den Motor: Wo bei Mercedes ein 4,0 Liter großer V8 mit 612 PS die Spitze markiert, bohren sie den Achtzylinder in Bottrop auf 4,5 Liter auf, pressen mehr Luft und mehr Sprit in die Kammern und kommen so auf 900 PS. Während das maximale Drehmoment von 850 auf 1.250 Nm steigt, bevor es zum Segen der Automatik auf 1.050 Nm herunter geregelt wird. Kein Wunder, dass der GLE den Sprint auf Tempo 100 damit aus dem Stand in 3,2 statt 3,8 Sekunden schafft.Brabus verlangt für den GLE 900 Rocket Edition mindestens 453.489 Euro und macht sich trotzdem keine Sorgen über den Verkauf der limitierten Kleinserie. Denn wenn es auch nur halb so gut läuft wie beim G 900 Rocket Edition aus dem Frühjahr, sind die 25 Exemplare in ein paar Tagen vergriffen und sie müssen mindestens genauso viele weitere Interessenten enttäuschen. Oder zumindest auf das nächste Rocket-Projekt vertrösten. Ein paar passende Kandidaten für den V8-Motor gibt es ja noch im AMG-Portfolio.Ganz nebenbei wollen sie in Bottrop übrigens auch den peinlich lauten Klappenauspuff bis zur Markteinführung noch tauschen. Aber keine Sorge, zum Leisetreter wird der Rocket deshalb noch lange nicht. Nachdem sich die Fahrdaten mittlerweile bestätigt haben, dürften Bentley & Co auch so die Ohren klingeln. Denn mit 330 km/h Spitze wird der GLE 900 Rocket Edition ganz nebenbei auch noch zum schnellsten straßenzugelassenen SUV der Welt. Viel hilft viel – das gilt beim Doping, wie beim Tuning. Niemand weiß das besser als Brabus. Deshalb gönnen sie in Bottrop der Mercedes GLE jetzt besonders viel Vitamin B und rüsten das Coupé zum schnellsten SUV der Welt auf.
Fazit
Viel hilft viel – das gilt beim Doping, wie beim Tuning. Niemand weiß das besser als Brabus. Deshalb gönnen sie in Bottrop der Mercedes GLE jetzt besonders viel Vitamin B und rüsten das Coupé zum schnellsten SUV der Welt auf.

Quelle: Autoplenum, 2021-09-24

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