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Testbericht

Stefan Grundhoff, 25. September 2020
Er ist groß, er ist praktisch und unglaublich schnell. Auch wenn viele von Elektroautos und Plug-In-Hybriden reden - von derlei Antriebsspielereien will der neue Mercedes AMG E 63s aktuell noch nichts wissen. Er bietet Leistung ohne Ende und ist dabei ein wahrer Kilometerfresser.

Die umfangreichen Schadstoffvorgaben scheinen dem stärksten Kombi im schwäbischen Modellportfolio nichts anhaben zu können. Unverändert bollert der AMG E 63s muntere 450 kW / 612 PS und ein gewaltiges Drehmoment von 850 Nm an die Kurbelwelle. Optisch ist bei der Kombiversion deutlich weniger als bei der Limousine passiert. Grund dafür ist das Heck, das im Gegensatz zum normalen Viertürer kaum verändert wurde und insbesondere die Leuchteneinheiten nahezu unbearbeitet verharrten. Vorne sieht das mit neuen LED-Scheinwerfern und einer geänderten Schürze, die mehr Luftanströmung für Kühler, Radhäuser und Unterboden bringen soll, anders aus. Doch wer die entbehrlichen Schriftzüge weglässt, macht die Passanten allenfalls durch einen sehenswerten 20-Zoll-Radsatz und die provokanten Endrohre auf die geschwindigkeitliche Allmacht des Familientransporters aufmerksam.

Die Fahrleistungen waren und sind eine Wucht - und was für eine. Der doppelt aufgeladene Achtzylinder mit seinen vier Litern Hubraum steht prächtigst im Futter, bollert hintergründig oder aufdringlich - ganz, wie der Pilot es ihm abverlangt. Dank des opulenten Drehmoments von 850 Nm ab 2.500 Touren spurtet der Allradkombi aus dem Stand in 3,5 Sekunden auf dem Tempo 100. Wer auf der Autobahn Gas gibt, sieht in dem animierten Cockpit die Zeiger nur so tanzen und die Zahlen wild ihre Ziffern wechseln. Gut, dass der zwei Tonnen schwerer Edellaster mittlerweile obligatorisch als Allradler unterwegs ist; anders würde er seinen Tatendrang selbst bei trockener Piste und warmen Pneus nicht auf den Asphalt bekommen. Die Leistung wird dabei vollvariabel an beide Achsen verteilt, sodass der Vortrieb Dank einer elektromechanisch geregelten Kupplung maximal ist. Der über Fahrprogramm und Schaltpaddel zuschaltbare Driftmodus ist lustig, aber für einen Kombi wie die E-Klasse mehr denn je eine völlig überflüssige Spielerei. Besser: für eine verbesserte Traktion ist an der Hinterachse ein elektronisches Sperrdifferenzial verbaut, das den Schlupf am kurveninneren Rad ohne Bremseingriff deutlich reduziert. So geht es schneller und sportlicher aus engen Kehren. Griffig und standfest: die Bremsanlage, an der es optional Keramik-Verbundscheiben gibt.

Die Neunstufenautomatik ist gut; gerade im Komfortbereich aber nicht Referenzklasse. Das sieht mit der Kraftentfaltung und der Höchstgeschwindigkeit bis über die 290er-Marke etwas anders aus. Mit seinem gewaltigen Dampf, dem exzellenten Triebwerk und einer feinen Luftfederung ist der Mercedes AMG E 63s 4matic T auf Langstrecken eine wahre Versuchung. Nicht so lässig wie eine Luxuslimousine aus der Klasse darüber, aber allemal ideal für lange Strecken in hohem Tempo. Das liegt nach der Überarbeitung an einem Komfortgewinn im Normalmodus. Hier ist der Lustesel nicht mehr derart hart und knochig wie zuvor, sondern die Kombination aus Federung und Dämpfung ist feinfühliger, souveräner und schlicht besser aus bisher. Wer es auf der Straße gerne eine Nummer härter will, kann im Fahrprogramm nebst Dämpferabstimmung gerne jederzeit nachschärfen. Doch im Komfortmodus fährt der PS-Protz exzellent und auf die Rennstrecke geht mit dem Mercedes Sprinter fürs Feine ohnehin niemand. Dafür gibt es andere - bessere - Autos.

Natürlich ist der Powerkombi kein Kostverächter und der in Aussicht gestellte Normverbrauch von 11,9 Litern lässt sich nur verwirklichen, wer der wiederholten Versuchung nach Höchstgeschwindigkeit und Zwischenspurts widerstehen kann. Gäbe es keine Zylinderabschaltung, wäre der Durst des Achtzylinders noch größer, denn in niedrigen wie mittleren Drehzahlen arbeiten im Vorderwagen des Schwaben nur vier Brennkammern, was der Fahrer in erster Linie durch eine Anzeige im Cockpit spürt. Allzu unübersichtlich sind die zahllosen Fahrmodi des Mercedes AMG E 63s. So gibt es sechs Fahrprogramme (Glätte, Komfort, Sport, Sport+, Individual und Race) sowie die Fahrdynamikregelung mit den Stufen Basic, Advanced, Pro und Master. Das lässt sich für zukünftige Generationen sicher übersichtlicher und einfacher verständlich machen.

Das ganze sportliche Familienpaket gibt es für stattliche 124.978 Euro und es bereitet keinerlei Mühe, den Preis mit zahllosen Extras an die 150.000-Euro-Marke zu drücken. Und wer einen echten Vollblutsportkombi will, der sollte jetzt zuschlagen. Der AMG E 63s wird der letzte seiner Art sein, denn ebenso wie bei Audi, Porsche, BMW und Co. werden die kommenden Hochleistungssportler in der Oberklasse eine nennenswerte Elektrifizierung bekommen. Das heißt: noch mehr Leistung und noch mehr Gewicht; dazu einen elektrischen Boost und eine rein elektrische Reichweite von 60 bis 100 Kilometern. Dafür kann man sich beim neuen Modell mit den unübersichtlichen Displays und der gewöhnungsbedürftigen Lenkradbedienung durchaus arrangieren - und genießt die exzellenten Sportsitze und jede Menge Laderaum.
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Technische Daten
Antrieb:Allrad
Getriebe:Neungang-Automatik
Motor Bauart:V8 mit doppelter Turboaufladung
Hubraum:3982
Preis
Neupreis: 124978 € (Stand: 2020-09-25)
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: Autoplenum, 2020-09-25

Getestete Modelle
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