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Testbericht

Michael Gebhardt/SP-X, 26. Januar 2018

Mit Jazz-Musik haben nicht wenige so ihre Probleme, und manch Gin-seeliger Abend in einer kleinen Bar hätte noch schöner sein können, wenn da nicht diese Saxophon-Trompeten-Kombo in der Ecke aufgespielt hätte. Ganz anders sieht es beim Honda Jazz aus: Es gibt wenig Gründe, den japanischen Kleinwagen nicht zu mögen – und mit dem aktuellen Facelift sogar noch ein paar Punkte mehr, die für ihn sprechen. Allen voran der neue 1,5-Liter-Motor, mit dem der Jazz ab sofort für mindestens 19.990 Euro beim Händler steht.

Von außen tritt der Jazz nach dem Facelift etwas markanter auf. Im mit reichlich Hartplastik ausgestatteten Innenraum dagegen hat sich außer ein paar neuen, bunten Ziernähten nichts getan. Die Optik dürfte aber ohnehin nicht Kaufgrund Nummer eins sein, viel überzeugender ist das Platzangebot: Mit ziemlich genau vier Meter Länge misst der Honda weniger als ein aktueller VW Polo, ist aber deutlich geräumiger. Vor allem die überdurchschnittliche Höhe sorgt für ein luftiges Raumgefühl, mit 1,53 Metern überragt er die meisten Mitbewerber um mindestens eine Handbreite. Und er ist ziemlich praktisch: Die Ladekante ist niedrig und die sogenannten Magic Seats im Fond lassen sich nicht nur mit einem Handgriff bretteben flachlegen, sondern die Sitzfläche kann auch nach oben, in Richtung Lehne, geklappt werden. So kann man zusätzlich zu den 354 Liter Stauraum im Kofferraum große Gepäckstücke hinter den Vordersitzen verstauen. Bringt man den Beifahrersitz in die Liegestellung, gehen sogar 2,48 Meter lange Gegenstände rein.

Apropos Beifahrersitz: Der Platz vorne rechts ist der unbequemste. Während sich selbst lange Fahrer hinter dem nicht gerade großzügig in Länge und Höhe verstellbaren Volant kommod einrichten können, und auch in Reihe zwei komfortables Reisen möglich ist, ist der Beifahrerfußraum ob des ausladenden Armaturenbrettes eingeengt. Gerade in Kombination mit dem neuen 1,5-Liter-Motor dürfte aber ohnehin der Fahrersitz der Platz der Wahl sein, denn: Das kleine Aggregat macht richtig Spaß!

Der bislang einzig angebotene Motor, ein 1,3-Liter-Sauger mit 75 kW/102 PS, war vielleicht keine Verzichtserklärung, aber doch eher ein Brot-und-Butter-Modell. Die neue 1,5-Liter-Version bringt dagegen mit 96kW/130 PS und 155 Newtonmetern Drehmoment den nur gut 1,1 Tonnen schweren Honda ordentlich in Schwung und steigert das Jazz-Vergnügen vom gemütlichen Andante hin zum bewegten Allegro. Erstmals sinkt die Sprintzeit in einen einstelligen Bereich, 8,7 Sekunden vergehen, bis der Honda auf Tempo 100 ist. Bislang waren 11,2 Sekunden das höchste der Gefühle. Die Vmax bleibt mit Tempo 190 unverändert

In unter neun Sekunden bringt den Jazz nur auf Landstraßentempo, wer mit dem etwas zu klein geratenen Schalthebel die sechs Gänge händisch wechselt; mit dem optionalen stufenlosen Getriebe werden nicht nur 1.300 Euro auf die Rechnung, sondern auch 13 Zehntel auf die Sprintzeit aufgeschlagen. Im Gegenzug soll der Normverbrauch gegenüber dem Handschalter von 5,9 auf 5,4 Liter je 100 Kilometer sinken. So oder so ist der Honda damit auf dem Papier nicht übermäßig sparsam. Aber: Während bei den meisten neuen Autos – häufig mit Turbo-Motor – in der Praxis ein ordentlicher Aufschlag auf den Laborwert einzukalkulieren ist, bescheinigte uns nach der ersten Jazz-Testfahrt mit manuellen Gangwechseln der Bordcomputer sogar nur einen Durst von 5,7 Litern.

Von einer Schleichfahrt kann dabei nicht die Rede gewesen sein, im Gegenteil: Mit der Kombination aus durchzugsfreudigem Motor, präziser Lenkung und einem für den Stadtverkehr etwas zu straffen Fahrwerk haben wir es auf der Landstraße ordentlich krachen lassen. Trotz seines hohen Aufbaus liegt der Jazz satt auf der Straße und verzeiht auch hektische Lenkbewegungen ohne aus der Ruhe zu geraten. Und während Schlaglöcher und Trambahnschienen bei City-Tempo oft unangenehm durchschlagen, arbeitet der Unterbau bei höheren Geschwindigkeiten umso geschmeidiger.

Einziges Manko der 1.5er-Variante: Es gibt sie aktuell nur in der eigens dafür kreierten Dynamic-Ausstattung. Die schrammt wie die Elegance-Top-Version des 1.3ers nur haarscharf an der 20.000-Euro-Grenze vorbei, enthält den Kunden allerdings ein paar nicht unwichtige Ausstattungsschmankerl: Klimaautomatik, Rückfahrkamera und das schlüssellose Zugangs- und Startsystem sind für den starken Motor vorerst leider nicht zu haben. Gängige Assistenten wie Notbremsfunktion, Tempomat oder Spurverlassenswarner sind dafür Serie, und wer 600 Euro extra investiert, bekommt ein 7-Zoll-Touchscreen-Navi – allerdings nur mit Mirror-Link-Smartphone-Integration aber noch ohne Apple CarPlay und Android Auto.

Honda Jazz - Technische Daten:
Fünfsitziger Kleinwagen, Länge: 4,01 Meter, Breite: 1,69 Meter (1,98 Meter mit Außenspiegel), Höhe: 1,53 Meter, Radstand: 2,53 Meter, Kofferraumvolumen: 354 bis 1.314 Liter.

1.3  i-VTEC:
1,3-Liter-Vierzylinder-Saug-Benziner, Sechsgang-Schaltgetriebe, 75 kW/102 PS, maximales Drehmoment: 123 Nm bei 5.000 U/min, 0-100 km/h: 11,2 s, Vmax: 190 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,1 Liter, CO2-Ausstoß: 116 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: C, Preis: ab 16.640 Euro

1.5 i-VTEC:
1,5-Liter-Vierzylinder-Saug-Benziner, Sechsgang-Schaltgetriebe, 96 kW/130 PS, maximales Drehmoment: 155 Nm bei 4.600 U/min, 0-100 km/h: 8,7 s, Vmax: 190 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,9 Liter, CO2-Ausstoß: 133 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: D, Preis: ab 19.990 Euro

Kurzcharakteristik:
Warum: Weil er viel Platz bietet, ein einzigartiges Sitzkonzept und endlich einen spritzigen Motor
Warum nicht: Weil er für den Stadtverkehr etwas zu straff ist
Was sonst: VW Polo, Opel Corsa, Renault Clio
Wann: sofort

Viele Kleinwagen punkten mit knuffiger Optik oder Retro-Chic, der Honda Jazz dagegen setzt vor allem auf Platz und Praktikabilität. Mit dem Facelift kommt jetzt auch noch ein richtig schwungvoller Antrieb dazu.

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Fazit
Viele Kleinwagen punkten mit knuffiger Optik oder Retro-Chic, der Honda Jazz dagegen setzt vor allem auf Platz und Praktikabilität. Mit dem Facelift kommt jetzt auch noch ein richtig schwungvoller Antrieb dazu.

Quelle: Autoplenum, 2018-01-26

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