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Testbericht

Sebastian Viehmann, 16. März 2011
Die Atomkraft-Debatte heizt die Suche nach alternativen Energiekonzepten an. Masdar City ist weltweit das Vorbild aller Öko-Städte. Die Sonne ist ihre wichtigste Energiequelle, aber auch ihr größter Feind. Autos fahren nur elektrisch – wenn überhaupt.

Es sieht aus wie eine Szene aus dem Science Fiction-Film „Flucht ins 23. Jahrhundert“: Führerlose Gondeln surren leise in eine verglaste Station, ohne Schienen und dirigiert nur von Magneten im Boden. Die Türen öffnen sich, man nimmt auf bequemen Sitzen Platz und lässt sich aus dem unterirdischen Bahnhof in das Herz von Masdar City pilotieren. Die bis zu 40 Km/h schnellen Gondeln fahren elektrisch, der Strom wird allein durch Sonnenenergie gewonnen. Zur Bedienung müssen die Passagiere nur auf einem Display ihren Zielort wählen.

Auf den ersten Blick erscheint es paradox: Die Staaten der Golf-Kooperation GCC, darunter Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate, hocken auf 37 Prozent der weltweiten Ölreserven. Die Autos sind groß und teuer, die Klimaanlage läuft immer. Trotzdem entsteht ausgerechnet im Wüstensand Abu Dhabis auf einer Fläche von sieben Quadratkilometern mit Masdar City die modernste Öko-Stadt der Welt für 40.000 Einwohner.

Doch schon in den Geister-Gondeln beginnt das erste Stirnrunzeln. Die vom italienischen Designer Zagato gezeichneten Personentransporter rumpeln wie eine schlecht gewartete Disneyland-Attraktion. „Manchmal gibt es Probleme und die Gondeln stoppen“, gibt Projektmanagerin Maha Matraji zu. Ob das System jemals ausgebaut wird, bleibt fraglich. Autos sollen in Masdar City trotzdem tabu bleiben, es sei denn sie fahren elektrisch.

Einige rollen bereits. Mitsubishi zum Beispiel hat zehn Stromer vom Typ i-MiEV beigesteuert. Wie viele Elektroautos es in Masdar City geben wird, ist noch unklar. Geplant ist eine „EV Smart Community“. Auf Displays in der Stadt können die Bewohner dann sehen, wo sich die einzelnen Autos gerade befinden, welche momentan verfügbar sind und wie der Ladezustand der Batterien ist.Der wichtigste Energielieferant, aber auch der größte Feind von Masdar City ist die Sonne. Das Straßennetz ist auf einer Südost-Nordwest-Achse so geplant, dass möglichst wenig Sonnenlicht aus Pflaster fällt. Gebäude stehen dicht beieinander und haben höchstens sechs Stockwerke. Die maximale Temperatur in den Straßen soll mit 33 Grad Celsius 10 Grad niedriger sein als heute auf den Boulevards Abu Dhabis. In den Fassaden stecken Hightech-Isolationsmaterialien. Glasverstärkte Betongitter halten zudem die Sonne ab, ähnlich wie die traditionellen arabischen Mashrabiya-Blenden. In Büroräumen geht das Licht automatisch aus, wenn niemand im Zimmer ist.

In Masdar City testet man in großem Maßstab relativ neue Formen der Energiegewinnung, zum Beispiel Solarthermie (Umwandlung von Sonnen- in nutzbare Wärmeenergie) und verschiedene Methoden der solaren Kühlung. Schon jetzt ist die Energieversorgung autark. Ein 10 MW-Solarkraftwerk mit mehr als 80.000 Modulen produziert jährlich bis zu 17.500 Megawattstunden Strom. Doch das harte Wüstenklima fordert seinen Tribut. „Hohe Temperaturen und Staub verschlechtern den Wirkungsgrad“, sagt Masdar-Ingenieur Simon Bräuniger. Arbeiter müssen die Paneele jeden Tag in Handarbeit vom Wüstenstaub befreien.Trotzdem wurden noch nie so viele neue und traditionelle Techniken zum minimalen Energieverbrauch, zur CO2-Minderung und zu nachhaltigem Bauen in einem Stadtkonzept vereint. Martyn Potter ist operativer Leiter des Masdar Institute. Dessen Gebäude rund um den zentralen Stadtplatz stehen schon. „Wir haben jetzt die ersten Appartements, 100 Studenten leben in Masdar City“, sagt Potter. Die Wohneinheiten sind streng nach Männlein und Weiblein getrennt.

Doch der Zeitplan des Mega-Projekts ist ins Stocken geraten. „Wir hätten Phase Eins gern früher abgeschlossen“, sagt Martyn Potter. Dass noch nicht einmal zehn Prozent der Stadt fertig sind, erstaunt - vor allem wenn man weiß, mit welcher Geschwindigkeit die Golfstaaten normalerweise Großprojekte durch Scharen von Gastarbeitern aus dem Boden stampfen lassen. Noch existiert der größte Teil von Masdar City nur als Modell im Schaukasten, selbst die von 2015 auf 2020 verschobene Fertigstellung erscheint optimistisch. „Ich habe es aber lieber später als falsch“, meint Martyn Potter trotzig. Ungewiss ist auch, wie die politischen Unruhen im Nahen Osten die ambitionierten Pläne im Wüstensand beeinflussen werden.

Experten jedoch sehen in der Öko-Stadt immer noch das große Vorbild für „Smart Cities“. Surendar Chandrasekar von der Unternehmensberatung Frost & Sullivan geht davon aus, dass bis 2020 weltweit 110 solcher streng an Nachhaltigkeit und alternativen Energien orientierten Städte entstehen. Sie sind entweder auf dem Reißbrett geplant wie Masdar City, oder man wandelt bestehende Städte Schritt für Schritt um. Amsterdam zum Beispiel will zur Smart City werden und seine CO2-Emissionen bis 2025 um 40 Prozent zurückfahren.„Masdar City ist ein Forschungs-Knotenpunkt und entwickelt Lösungen für ein nachhaltiges Stadtleben“, sagt Analyst Chandrasekar. Er geht davon aus, dass aus dem Projekt bis 2030 ein funktionierendes Gemeinwesen wird. Doch wer wird dort leben? Die vielen Gastarbeiter aus Pakistan oder Sri Lanka sicher nicht: „Es werden hauptsächlich wohlhabende Menschen, Firmen und westliche Gastarbeiter sein, aber keine gering qualifizierten Arbeiter“, schätzt Chandrasekar.

Das Leben in Smart Cities ist freilich kein Zuckerschlecken. Es gibt einen Wust von Regeln und Beschränkungen. Nach Lust und Laune die Klimaanlage benutzen, geht zum Beispiel nicht, und das eigene Auto kann man sich abschminken. Institutsdirektor Martyn Potter schweben bereits sozialwissenschaftliche Experimente mit seinen Studenten vor. „Eine Gruppe kann Energie ohne Restriktionen verbrauchen, eine zweite erhält ganz bestimmte Anweisungen, eine dritte wird in ihrem Energieverbrauch streng kontrolliert“, erläutert Potter. Wer seinen Energie-Kredit überzieht, muss den Extraverbrauch bezahlen.
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Quelle: Autoplenum, 2011-03-16

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