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Testbericht

Holger Holzer/SP-X, 9. Dezember 2016

Die Tür ist ein eher simples Ding, eine seit tausenden Jahren bekannte Einrichtung zum Schließen einer Öffnung. Beim Auto hat sich in den vergangenen rund 100 Jahren jedoch ein bemerkenswerte Vielfalt entwickelt. Vor allem bei Familienfahrzeugen.

Standard ist selbst bei ausgewiesenen Mehrpersonen-Modellen immer noch die Klapptür. Günstig und unkompliziert wie sie ist, kommt sie heute in den meisten Vans und SUV zum Einsatz. Weil die Familienmodelle in diesen Segmenten häufig recht groß sind, kann auch das Portal lang ausfallen und einen relativ bequemen Einstieg frei geben. An ihre Grenzen stößt die Klapptür im ungünstigsten Fall in engen Parklücken. Und selbst wenn sie dabei nicht für Schäden in anderen Fahrzeugen sorgt, macht sie das Ein- und Aussteigen doch häufig zur körperlich anstrengenden Flexibilitätsübung.

Praktischer ist daher generell die Schiebetür. Zu finden ist sie vor allem in großen und mittelgroßen Vans wie VW Sharan und Ford C-Max oder in Großraumlimousinen wie einer Mercedes V-Klasse. In letzterem Fall ist sie ein Erbe der Nutzfahrzeug-Gene derartiger Kleinbusse. Aus gleichem Grund kommt sie auch bei den kürzeren Hochdachkombis vom Schlage eines Renault Kangoo oder Citroen Berlingo zum Einsatz. Gibt es diese Synergieeffekte nicht, ist sie den meisten Hersteller jedoch zu teuer und aufwendig, weshalb die meisten Familienwagen lieber auf die weniger praktischen Klapptüren setzen.

Ein weiterer Grund für die geringe Verbreitung von Schiebetüren: Sie benötigen eine gewisse Grundlänge der Fahrzeugkarosserie. Ansonsten fehlt der Platz für das Schienensystem oder die Portale würden am Heck deutlich überstehen. Unterhalb der Van-Mittelklasse ist sie daher nicht anzutreffen – mit einer originellen Ausnahme. Beim Ford B-Max wird das Längenproblem durch das Weglassen der B-Säule gelöst, die normalerweise das Dach zwischen Fahrersitz und Rückbank stützt, aber auch beim Einsteigen behindern würde. Die Schiebetür von Fords Mini-Van kann durch diesen Kniff relativ kurz ausfallen, ohne dass das den Einstieg erschweren würde. Netter Nebeneffekt: Die weit offene Flanke bei zurückgeschobener Tür sieht spektakulär aus und hilft auch beim Verstauen sperriger Gegenstände.

Auf eine andere Art hat der Opel Meriva das typische Mini-Van-Problem des beengten Fond-Einstiegs gelöst. Die Ingenieure haben die Passagier-Portale kurzerhand hinten angeschlagen, so dass sie sich gegenläufig zu den Vordertüren öffnen. So sind sie beim Einstieg Knien und Oberkörper nicht im Weg. Dass die Einstiegsöffnung trotzdem sehr schmal ist, fällt im Alltag dadurch gar nicht auf. Opel wirbt zudem mit dem entstehenden Schutzraum für Kinder – die „umarmenden“ Türen verhindern das Loslaufen in die Straße. In der Praxis haben die hinteren Portale aber auch Nachteile. Etwa wenn man vom Fahrzeugheck her einsteigen will, muss man sich zunächst an ihnen vorbeiquetschen.

Praxistauglichkeit ist aber auch bei Türen nur eine der Anforderungen. Gerade bei teureren Modellen sind sie häufig gleichzeitig Show-Effekt. Das gilt vor allem für das Elektro-SUV Tesla Model X, dessen sogenannten Falcon-Wing-Doors („Falkenflügel-Türen“) beim Öffnen weit nach oben schwingen – wie bei Raumschiffen in Science-Fiction-Filmen oder Auto-Klassikern wie dem Mercedes 300 SL und dem DeLorean DMC-12. Halt nur nicht in der vorderen Reihe, sondern eben im Fond. Die spektakuläre Mechanik soll das ansonsten formal eher konventionelle Auto für die eingeschworenen Fans der Marke ein wenig interessanter machen. Es gibt allerdings auch praktische Vorzüge, öffnen die Portale doch auch in engen Lücken ohne Probleme. Zumindest, solange die Decke nicht zu niedrig ist. Die Technik war jedoch offenbar so kompliziert, dass die ersten Markteinführungstermine nicht gehalten werden konnten. Zudem sind Klagen über einen fehlenden Einklemmschutz im Bereich der Anschläge und regelmäßige Fehlfunktionen zu hören. Der große Auftritt beim Aussteigen unter den Flügelportalen hindurch dürfte aber viele Käufer dafür entschädigen.

Die Schiebetür ist die praktischste, die Flügeltür die spektakulärste. Aber auch die ganz normale Klapptür hat ihren Reiz. Wer ein Familienauto kauft, muss nicht zuletzt das Türkonzept bedenken.

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Fazit
Die Schiebetür ist die praktischste, die Flügeltür die spektakulärste. Aber auch die ganz normale Klapptür hat ihren Reiz. Wer ein Familienauto kauft, muss nicht zuletzt das Türkonzept bedenken.

Quelle: Autoplenum, 2016-12-09

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